| 22.25 Uhr

Formel 1 in Brasilien
Bottas holt Pole – Schrecksekunden für Hamilton und Mercedes

Schrecksekunde und frühes Aus für Hamilton im Qualifying
Schrecksekunde und frühes Aus für Hamilton im Qualifying FOTO: afp
São Paulo. Turbulente Tage für Formel-1-Rennstall Mercedes. Am Freitag sorgte ein bewaffneter Überfall auf den Teambus für Schlagzeilen. Auch sportlich gibt es im Qualifying eine Schrecksekunde für Lewis Hamilton. Die Pole schnappt sich dessen Teamkollege Valtteri Bottas. 

Sebastian Vettel hat einen ungewohnten Patzer von Kurzarbeiter Lewis Hamilton nicht ausnutzen können und die Pole Position in São Paulo verpasst. Der viermalige Formel-1-Weltmeister musste sich am Samstag um 38 Tausendstelsekunden Hamiltons Teamkollegen Valtteri Bottas geschlagen geben - seinem Konkurrenten um den zweiten Rang in der Gesamtwertung. "Ich wäre liebend gern vorn gewesen", sagte Vettel. Dritter wurde sein finnischer Teamkollege Kimi Räikkönen vor dem niederländischen Red-Bull-Piloten Max Verstappen.

Daniel Ricciardo belegte im zweiten Red Bull den fünften Rang, muss aber zehn Strafplätze zurück. Dadurch rückt Nico Hülkenberg auf Position sieben im Renault vor. Pascal Wehrlein nimmt das Rennen an diesem Sonntag (17.00 Uhr MEZ/Sky und RTL) von Rang 16 in Angriff.

Noch weiter hinten stünde Hamilton, wenn er das Rennen nicht aus der Boxengasse in Angriff nehmen würde. In seinem Mercedes sollte unter anderem eine neue Power Unit eingebaut werden, teilte sein Team mit. Wegen des Verstoßes gegen die "Parc-fermé"-Regeln - an den Wagen darf nach der Qualifikation nichts mehr verändert werden - steht Hamilton beim Start also nicht mal auf dem Grid mit seinem Silberpfeil.

Nach dem bewaffneten Raubüberfall auf einen Teambus am Vorabend, in dem auch Mechaniker von Pole-Mann Bottas saßen, hatte Hamilton für sportlichen Mercedes-Schreckmoment gesorgt. 13 Tage nach seinem WM-Triumph krachte der Brite mit qualmenden Reifen gleich zu Beginn der Qualifikation in die Streckenbegrenzung. "Es war sehr ungewöhnlich für mich, es zeigt aber, dass wir alle Menschen sind", sagte Hamilton. "Ein Fehler, der Lewis das ganze Jahr nicht passiert ist. Das muss ihm aber erlaubt sein", meinte Teamchef Toto Wolff.

Hamilton hatte sich so viel vorgenommen, fühlte sich weiter im Angriffsmodus. Am Freitag fuhr er prompt Streckenrekord. Als die 4,309 Kilometer lange Strecke im Stadtteil Interlagos am Samstag freigegeben wurde, zählte er zu den ersten, die rausfuhren. In Kurve sieben von insgesamt 15 passierte es. Hamilton schien schlicht zu schnell.

Demolierter Mercedes

In der Box schauten Wolff und -Oberaufseher Niki Lauda ernüchtert auf den Bildschirm, der den demolierten Mercedes in den Reifenstapeln zeigte. Den Helm mit den goldenen vier Sternen für die vier WM-Titel hatte er mittlerweile gegen die Kapuze des Team-Anoraks eingetauscht. Ihm gehe es gut, versicherte der Brite.

Aus dem erhofften Kampf zwischen Weltmeister Hamilton und dem geschlagenen Vettel wurde es nichts. Dafür konnte sich der 30 Jahre alte Heppenheimer direkt mit dem Rivalen um seinen zweiten WM-Rang messen.

Bottas hat 15 Punkte Rückstand vor den letzten beiden Rennen dieser Saison in Brasilien und Abu Dhabi. Er will mit aller Macht die Serie der Silberpfeile aufrechterhalten, die neben dem Fahrer- und dem Konstrukteurstitel seit einschließlich 2014 auch immer den zweiten Platz im Pilotenranking am Ende einer Saison holten.

Und es wurde ein echtes Duell - mit dem besseren Ausgang für Bottas. Im Training am Freitag war der Ferrari noch deutlich langsamer gewesen als die Silberpfeile. Im Training vor der Quali war er schon sehr nahe rangekommen. In Q2 lag er vorn. Auf der letzten entscheidenden Runde aber unterbot Bottas noch mal die starke Vettel-Zeit.

Für Bottas war es die dritte Pole seiner Karriere. Eine, die nach aufkommender Kritik gut tat. "Ich zittere immer noch ein bisschen", sagte der 28-Jährige und freute sich besonders für seine Mechaniker, die am Abend zuvor überfallen worden waren. "Ich habe am Morgen mit ihnen darüber gesprochen und gesagt, wir setzen das Ding jetzt auf Pole, um sie aufzuheitern", sagte Bottas: "Ich bin froh, dass es geklappt hat."

Hamilton fordert Konsequenzen

Für Schrecksekunden abseits der Rennstrecke hatte ein bewaffneter Überfall auf einen Teambus von Mercedes am Freitag gesorgt. Mitglieder des deutschen Formel-1-Rennstalls  sind bei dem bewaffneten Überfall in São Paulo ausgeraubt worden. Das Team bestätigte dies am Samstag am Rande des Großen Preises von Brasilien.

Demnach ereignete sich die Attacke am Freitagabend bei der Fahrt von der Strecke im Stadtteil Interlagos zu den jeweiligen Hotels. Wertsachen seien gestohlen worden, bestätigte ein Teamsprecher. Alle seien bei dem Überfall auf den Minibus aber unverletzt geblieben.

Weltmeister Lewis Hamilton hat nach dem bewaffneten Überfall auf einen Minibus mit Mitarbeitern des deutschen Formel-1-Rennstalls Mercedes Konsequenzen gefordert. "Das passiert hier jedes Jahr", schrieb der 32 Jahre alte Brite am Samstag noch vor Beginn des Freien Trainings zum Großen Preis von Brasilien bei Twitter: "Die Formel 1 und die Teams müssen mehr tun. Es gibt keine Entschuldigungen!"

 

 

(ems/dpa)
 
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