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Bayer Leverkusen
Hängepartie auf der Trainerbank

Das ist Rudi Völler
Das ist Rudi Völler FOTO: dpa, puc
Leverkusen. Derzeit sind zwei der begehrtesten Jobs im deutschen Fußball frei verfügbar: Borussia Dortmund und Bayer 04 brauchen einen neuen Coach. Die Suche gestaltet sich schwierig – auch, weil beide Vereine um ähnliche Trainertypen buhlen. Von Dorian Audersch

Nachdem in den vergangenen 14 Tagen die Personalie Thomas Tuchel in Leverkusen hoch- und teilweise überkochte, folgte am Pfingstwochenende eine rasche Abkühlung der Lage – bis auf den Nullpunkt. Bayer 04 sei für den 43-Jährigen aktuell keine Option, ließ dessen Berater Olaf Meinking verlauten. Die Verantwortlichen der Werkself suchen weiter nach einem passsenden Trainer, der die Mannschaft wieder in die Erfolgsspur führen soll. Parallel fahndet auch Borussia Dortmund nach einem neuen Mann an der Seitenlinie.

Zwei der attraktivsten Trainerposten der Bundesliga bleiben also vorerst vakant - wobei sich beim BVB eine klare Tendenz abzeichnet: Peter Bosz soll von seinem bisherigen Klub Ajax Amsterdam losgeeist werden, nachdem dies bei Nizzas Coach Lucien Favre scheiterte. Der 53-jährige Offensivfreund und Talententwickler stand auch in Leverkusen auf dem Zettel, aber die Verhandlungen mit dem DFB-Pokalsieger und Champions-League-Teilnehmer aus dem Ruhrpott scheinen bereits weit gediehen und kurz vor dem Abschluss.

Ähnliche sportliche Perspektiven kann Bayer 04 nicht bieten. Internationalen Fußball wird es in Leverkusen in der kommenden Spielzeit nur im Fernsehen geben. Im Schatten des BVB ist der Werksklub wohl auch von der Entscheidung des Revierklubs abhängig. Beide Vereine kreuzen wie auch bei vielen Spielertransfers häufig ihre Wege, aber die Leverkusener sind die etwas "kleinere Nummer". Wann es Klarheit über den nach dem BVB wohl zweitbegehrtesten freien Trainerjob im deutschen Fußball fällt, ist offen. Die Verantwortlichen halten sich bedeckt. "Es gibt keinen neuen Stand", sagte Sportchef Rudi Völler der Deutschen Presse-Agentur. "Wir sind in Gesprächen." Immerhin deutete der 57-Jährige an, dass es im Laufe der nun beginnenden Woche in Sachen Trainersuche etwas zu verkünden geben könnte. Bis dahin laufen die Drähte in den Büros der BayArena heiß.

Wagner bleibt in Huddersfield

Seit Montagabend ist auch David Wagner aus dem Kreis der Kandidaten ausgeschieden. "Nach den emotionalen letzten Tagen und vertrauensvollen Gesprächen mit dem Klubbesitzer hat sich David Wagner trotz einiger interessanter Anfragen für das Abenteuer Premier League mit Huddersfield entschieden", sagte sein Berater Marc Kosicke dem TV-Sender "Sport1". Der 45-Jährige hatte mit Huddersfield Town überraschend den Aufstieg in die Premier League geschafft. Vor seinem Wechsel auf die Insel im November 2015 betreute er die U23-Auswahl der Dortmunder Borussia.

Außer den Namen Bosz und Wagner fällt in Leverkusen auch immer wieder der von Martin Schmidt. Der Schweizer scheint eine Option zu sein, aber nicht unbedingt die erste Wahl. Sonst hätten der Verein und der vor zwei Wochen beurlaubte Ex-Coach des FSV Mainz wohl längst zusammengefunden. Die an der Gerüchtebörse ebenfalls gehandelten Niko Kovac (Eintracht Frankfurt) und Domenico Tedesco (Erzgebirge Aue) haben indes angekündigt, bei ihren Vereinen bleiben zu wollen.

Bayers Suche geht weiter. Mit jedem Tag, den die Hängepartie auf der Trainerbank anhält, erhöht sich das Risiko, eine suboptimale Vorbereitung bestreiten zu müssen. Dennoch ist es verständlich, dass der Markt sorgfältig sondiert wird. Die Verantwortlichen planen nach der enttäuschenden Saison mit Platz zwölf in der Bundesliga einen Umbruch im Kader, der auf internationalen Fußball und Englische Wochen ausgelegt ist. Die Zusammenstellung ist aber freilich abhängig von den Plänen des neuen Trainers. Die stockende Suche behindert die Kaderplanung.

Bisher steht in Rückkehrer Dominik Kohr vom FC Augsburg erst ein Zugang fest. Rechtsverteidiger Danny da Costa sucht sein Glück nach einem verlorenen Jahr als Dauerreservist in Frankfurt. Dass Roberto Hilbert den Verein verlässt, steht ebenfalls fest. Ansonsten ist nichts in trockenen Tüchern, während andere Vereine bereits munter drauflosverhandeln und Vollzüge verkünden. Zum Vergleich: In der vergangenen Saison waren unmittelbar nach der Spielzeit alle wichtigen Personalien geklärt. Zugänge und Abgänge standen – bis auf Aleksandar Dragovic – frühzeitig fest. Der Sommer verlief geradezu tiefenentspannt. Diesen Luxus hat Bayer 04 in diesem Jahr nicht.

(dpa)
 
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