| 17.25 Uhr

2:2 trotz Unterzahl
Heimserie der Werkself hält auch gegen RB Leipzig

Bayer - Leipzig: Bilder des Spiels
Bayer - Leipzig: Bilder des Spiels FOTO: rtr, saw
Leverkusen. Zwei Elfmeter und eine Rote Karte konnten das Team von Heiko Herrlich nicht davon abhalten, einen Punkt gegen den Tabellenzweiten zu gewinnen. Bayer Leverkusen bleibt nach dem 2:2 in dieser Saison zuhause ungeschlagen. Von Dorian Audersch

Für Heiko Herrlich war die Rollenverteilung gegen den Tabellenzweiten klar: "Leipzig steht da, wo wir gerne wären", sagte er vor der Partie gegen den Vizemeister. Daraus ergab sich für das Heimspiel gegen das Team von Ralph Hasenhüttel freilich auch die verlockende Gelegenheit, näher an die Leipziger heranzurücken. Das gelang nicht. Die Werkself bleibt nach dem 2:2 (1:1) gegen die Sachsen vorerst in der Rolle des lauernden Jägers mit dem oberen Tabellendrittel im Visier. Die Startelf gegen Leipzig modifizierte Herrlich im Vergleich zum 1:1 in Augsburg vor der Länderspielpause nur geringfügig. Für den rippenbruchgeplagten Abwehrchef Sven Bender rückte Dominik Kohr in die Anfangsformation. Der Schweizer Admir Mehmedi ersetzte den Österreicher Julian Baumgartlinger, der mit einem Bankplatz vorliebnehmen musste, ebenso wie die beiden Zugänge Lucas Alario und Panagiotis Retsos.

Auf der Gegenseite stand der Ex-Leverkusener Kevin Kampl in der Startelf. Der frisch erblondete und in Leverkusen ausgebildete slowenische Nationalspieler wurde bei jedem Ballkontakt mit Pfiffen bedacht. Seinen Last-Minute-Wechsel im Sommer zum in vielen Stadien ohnehin nicht beliebtheitspreisverdächtigen Ligakonkurrenten hat ihm die Nordkurve der BayArena erwartungsgemäß nicht verziehen, obwohl er knapp 15 Jahre das Trikot der Werkself überstreifte.

Bayers Defensive überzeugt - Bailey eiskalt FOTO: rtr, saw

Taktisch hatte Bayers Coach eine Überraschung parat: Statt des bisher etablierten 4-4-2 setzte er zunächst auf ein 3-4-3. Wendell, Jonathan Tah und Kapitän Lars Bender bildeten die Dreierkette. Die Angriffsreihe bestand aus Leon Bailey sowie Julian Brandt auf den Flügeln – und in der Mitte Kevin Volland. Mehmedi und Youngster Kai Havertz bildeten mit Kohr und Charles Aránguiz das Vierer-Mittelfeld. Es war im Grunde eine Rückkehr zur Formation der eher schwachen Anfangsphase der Saison.

In den ersten zehn Minuten war Leipzig optisch leicht überlegen, ohne jedoch wirklich zwingend zu sein. Von Leverkusener Angriffsbemühungen war bis auf eine geblockte Flanke von Julian Brandt (9.) nicht viel zu sehen. So war es kein Wunder, dass ein Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Harm Osmers die erste wirklich nennenswerte Szene des Spiels war. Kampl spielte den Ball von der rechten Seite zu Werner, der im Strafraum zu Marcel Sabitzer weiterleiten wollte, der wiederum von Mehmedi festgehalten wurde. Werner ließ sich die Chance nicht entgehen und verwandelte sicher ins linke Eck zur Führung der Gäste (13).

Die direkte Antwort: Brandt dribbelte sich gefühlt über das halbe Spielfeld, ohne vom Ball getrennt werden zu können, legte dann sogar noch klug ab auf Elfmeter-Sünder Mehmedi, dessen Schuss das Leipziger Tor allerdings klar verfehlte (15.). Die Gastgeber ließen daraufhin den Ball gefällig zwischen Mittelkreis und gegnerischem Strafraum laufen, ohne jedoch nutzbare Räume zu finden. Leon Bailey nahm etwas später Maß, nachdem Volland ihm den Ball per Kopf weiterleitete – daneben (22.). Kohrs Versuch aus der zweiten Reihe ging drüber (26.).

Brandt vergibt Großchance

Und Leipzig? Verwaltete zunächst gut gestaffelt die Führung, um auf gelegentliche Konter zu setzen. Das ist ein ebenso effektives, wie kraftsparendes Konzept. Immerhin wartet in der Champions League am Dienstagabend die schwere Aufgabe beim AS Monaco (20.45 Uhr). Leverkusen fehlte trotz geballter Offensivkraft lange Zeit die zündende Idee – bis sich Wendell den Ball schnappte, beherzt durch die Leipziger Reihen dribbelte, genau im richtigen Moment in den Lauf von Brandt passte, der völlig frei vor Leipzigs Keeper Gulasci die 100-prozentige Chance ungenutzt ließ (38.).

Sein Schuss ging zwar knapp rechts vorbei, doch er war wie ein Weckruf für die Leverkusener, die daraufhin das Tempo erhöhten und durch Bailey kurz vor der Pause doch noch zum verdienten Ausgleich kamen (44.). Die Vorlage lieferte Kohr, der den Ball kurz vor dem Strafraum perfekt auf den Jamaikaner durchsteckte. Der 20-Jährige blieb cool und spitzelte die Kugel mit dem linken Außenrist an Gulasci vorbei.

Zur Halbzeit stellte Herrlich defensiv wieder auf eine Viererkette um und Benjamin Henrichs ersetzte den schwachen Mehmedi. Bayer 04 wollte offensichtlich genau da weitermachen, wo es aufgehört hatte. Vollands starker Kopfball nach einer Flanke von Henrichs verpasste sein Ziel nur um Zentimeter (48.). Auch danach stand der eingewechselte Youngster im Mittelpunkt – diesmal aber unrühmlich. Er leistete sich bei einem Klärungsversuch ein Handspiel auf der Linie, nachdem Leno bereits geschlagen war, und sah die Rote Karte. Den fälligen Strafstoß verwandelte Emil Forsberg sicher (54.).

Jetzt war nicht nur auf den Rängen richtig Musik in der Partie. Die Werkself reagierte wütend und kam durch Volland und Havertz zu einer hochkarätigen Doppelchance (55.), die nicht zum erhofften direkten Gegenschlag führte. Erneut Havertz war es, dessen Schuss geblockt wurde (63.). Leverkusen presste angestachelt von den Zuschauern aggressiv wie selten und drängte in Unterzahl die Leipziger tief in die eigene Hälfte.

Etwas Zählbares sprang dabei aber vorerst nicht heraus – bis Kevin Volland mit einem sehenswerten Treffer in Seitenlage das hochverdiente 2:2 erzielte (74.). Lars Bender spielte den Ball auf den Torjäger, nachdem Leipzigs Abwehr mehrfach daran gescheitert war, die Situation nach einer Ecke nachhaltig zu klären. Einen viel eindrucksvolleren Beleg für den Teamgeist der Leverkusener hätte es nach dem Platzverweis nebst Elfmeter kaum geben können – sehr zur Freude der feiernden Nordkurve, die im weiteren Verlauf dieser mitreißenden Partie ohne weitere Treffer sogar vergaß, Kevin Kampl weiterhin auszupfeifen.

 
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