1. Bundesliga 17/18
| 20.06 Uhr

Borussia Dortmund
Eiszeit zwischen Tuchel und Watzke trübt Freude über Sieg

Pressestimmen: "Watzke gegen Tuchel – wie lange geht das noch gut?"
Pressestimmen: "Watzke gegen Tuchel – wie lange geht das noch gut?" FOTO: dpa, bt hpl
Dortmund. Bei Borussia Dortmund herrscht trotz des wichtigen Sieges gegen Hoffenheim erhebliche Unruhe. Ein Riss zwischen Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Trainer Thomas Tuchel ist nicht zu übersehen.

Thomas Tuchel war schon verschwunden, als seine Spieler ihren Champions-League-Sieg der anderen Art mit einer wilden Schubserei und einer Wasserschlacht feierten. Kurz, aber euphorisch hatte auch der Trainer von Borussia Dortmund das 2:1 (1:0) gegen 1899 Hoffenheim bejubelt - doch er wusste: Ob aller sportlicher Erfolg Kitt genug für den Riss zwischen ihm und Hans-Joachim Watzke sein kann, ist nach einem bemerkenswerten Tag äußerst fraglich.

Watzke deutet Vertrauensbruch an

Reus vor dem 1:0 klar im Abseits FOTO: Screenshot Sky

Sichtlich verärgert nahm Tuchel zur Kenntnis, dass sein Chef am Morgen eines eminent wichtigen Spiels ein brisantes Interview platziert hatte. Der Trainer kam darin überhaupt nicht gut weg, Watzke deutete im Zusammenhang mit der Terminierung des Champions-League-Nachholspiels gegen den AS Monaco nach dem Anschlag auf die Mannschaft einen Vertrauensbruch an.

"Ein großes Thema für einen großen Tag", sagte Tuchel vor dem Anpfiff zynisch. "Ich verbiete mir, darauf einzugehen oder auch nur darüber nachzudenken, darauf Energie zu verwenden. Wir dürfen uns nicht ablenken lassen." Das, schob er bissig nach, "ist schwieriger geworden".

Watzke hatte einen "klaren Dissens" offenbart. "Teilweise" habe ihn die Kritik des Trainers irritiert. Auf die Frage, ob Tuchel als feinfühliger Krisenmanager auch bei Watzke gepunktet habe, gab dieser eine unmissverständliche Antwort: "Ich bewerte alles rund um das Attentat auch vor dem Hintergrund dessen, was wir intern vertraulich miteinander besprochen haben und was möglich war."

Tuchel und einige Spieler hatten sich von Watzke gedrängt gefühlt, am Tag nach dem Anschlag zu spielen. Watzke wirft Tuchel vor, seine diesbezügliche Ablehnung erst nach dem Spiel artikuliert zu haben.

Tuchels Zukunft in Dortmund weiter ungewiss

Tuchels Zukunft in Dortmund war ohnehin ungewiss. Bis 2018 läuft sein Vertrag, im Sommer soll über seine Zukunft entschieden werden. Zurückhaltend gewertet: Dass Tuchel, der durch sein Verhalten in schweren Stunden bei vielen Fans enorm an Achtung gewonnen hat, in Dortmund bleibt, ist unwahrscheinlicher geworden. Trotz des Einzugs ins Pokalfinale, trotz der Eroberung des dritten Platzes, der direkt in die Champions League führt. Es gehe, sagte Watzke, eben auch "um Dinge wie Strategie, Kommunikation, Vertrauen".

Sportlich ist Tuchel nichts vorzuwerfen. Seine Mannschaft geht mit zwei Punkten Vorsprung auf Hoffenheim in die letzten Spiele - allerdings auch, weil Schiedsrichter Felix Brych (München) einen schwarzen Tag erwischte. Marco Reus stand beim 1:0 (4.) im Abseits, der Handelfmeter, den der spätere Torschütze Pierre-Emerick Aubameyang verschoss (14.), war unberechtigt. Hoffenheims Sandro Wagner hätte einen Elfmeter bekommen müssen, als ihm Sokratis bei einem Eckball fast das Trikot auszog (40.). Der (berechtigte) Foulelfmeter zum 1:2 durch Andrej Kramaric (86.) war kein Trost.

Spieler und Verantwortliche der Gäste waren auf 180. "Es hat nur gefehlt, dass ein Loch ins Tornetz geschnitten und da einer reingepfiffen wird", schimpfte Sportdirektor Alexander Rosen. Trainer Julian Nagelsmann erinnerte die Serie fragwürdiger Pfiffe an "Murphys Gesetz".

Der Traum des Mehrheitseigners Dietmar Hopp von Real Madrid muss vorerst zurückgestellt werden. Da Hoffenheim noch nie in der Champions League gespielt hat, würde in den Play-offs ein Hochkaräter warten.

Tuchel hingegen rechnet seiner Mannschaft hoch an, unbeirrt auf Kurs geblieben zu sein. "Die großen Ziele erreichen wir nur mit Klarheit und Ruhe. Dafür bin ich verantwortlich", sagte er: "Mit Herz und Leidenschaft. Wir wollen noch dreimal gewinnen."

Das hieße: Thomas Tuchel würde auf dem Borsigplatz als Pokalsieger gefeiert. Und Watzke hätte eine schwierige Entscheidung zu treffen.

(sid)
 
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