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Borussia Mönchengladbach
In der Torfabrik stehen die Bänder still

Einzelkritik: Kein Borusse besser als 3-
Einzelkritik: Kein Borusse besser als 3- FOTO: rtr, WR/
München. Ohne Spieler wie Raffael und Thorgan Hazard hat Borussia ein Problem: Das 0:2 in München war das dritte Bundesliga-Spiel ohne eigenen Treffer. Fabian Johnson und André Hahn hatten die Gelegenheit, das Manko zu beheben. Sie schafften es nicht. Von Jannik Sorgatz

Das 2:0 gegen den FC Ingolstadt im September wurde unmittelbar danach nicht zur Liste ruhmreicher Siege in der 116-jährigen Geschichte Borussia Mönchengladbachs hinzugefügt. In der Gesamtwahrnehmung kam das Spiel etwas schlecht weg, Trainer André Schubert spricht vom "Fluch der guten Tat". Was das Ranking dieser Saison angeht, hält sich der Heimsieg gegen den Beinahe-Angstgegner indes tapfer auf dem dritten Platz. Besser war Borussia in der Bundesliga nur gegen Bayer Leverkusen und Werder Bremen, aber da gab es einen fundamentalen Unterschied: Raffael stand auf dem Platz.

Fünf Partien hat der Brasilianer in der Liga nun schon verpasst, und sie haben den Eindruck gefestigt, dass das 2:0 gegen Ingolstadt die heimliche Nummer eins ist. Denn Oscar Wendts Tor in der 76. Minute stellt eine weitere Besonderheit dar: Seitdem hat Gladbach in der Liga nicht mehr getroffen, auch nicht beim 0:2 gegen den Bayern, drei Spiele hintereinander nicht - das passierte zuletzt 2007 in der Abstiegssaison.

Ohne Raffael stehen in der Torfabrik, die unter André Schubert eigentlich immer das verlässliche Prunkstück war, die Bänder still. In Glasgow waren André Hahn und Lars Stindl noch eine Two-Men-Show, jeder steuerte ein Tor und einen Assist bei. Am Samstag in München fiel die nächste Vorstellung aus.

"Wir sind nur hinterhergelaufen", sagte Hahn, auf den das am meisten zutraf. Es war ein frustrierender Abend für Borussias "Braveheart", denn Ballgewinne sind das Fundament des Gladbacher Offensivstils. Gegen Celtic verschmolzen bei den Toren die Eroberung und die Weiterleitung geradezu.

Costa feiert Tor mit Selfie FOTO: ap, MS

Obwohl Borussia gegen Bayern "nicht in die Zweikämpfe gekommen" ist (O-Ton eines jeden Befragten nach dem Spiel), schlüpfte Hahn fast wieder in die Rolle des Vollstreckers und Vorlagengebers. Doch sein Volleyschuss ging an den Pfosten und Fabian Johnson setzte einen Volleyschuss nach Hahns guter Seitenverlagerung drüber.

Mehr gibt es nicht zu berichten von gelungenen Gladbacher Angriffsbemühungen. Stindl wirkte besonders platt nach dem großen Abend von Glasgow. Johnson fand seine Rolle wie so oft in den vergangenen Wochen nicht. Jonas Hofmann wurde ausgewechselt, nachdem er 45 Minuten lang zu den besonders hilflosen Borussen gehört hatte. Patrick Herrmann kam als letzter Offensivimpuls in der Schlussphase von der Bank. Mehr ernsthafte Alternativen standen Schubert nicht zur Verfügung, nachdem auch noch Ibo Traoré mit einer Zerrung ausgefallen war.

"Wir haben extrem viele Verletzte. Das soll keine Entschuldigung sein. Aber es sind Spieler, die uns sehr fehlen", sagte Sportdirektor Max Eberl, der sich erstmals der Frage stellen musste, ob im Angriff Verstärkung nötig sei. "Raffael, Thorgan Hazard und Josip Drmic fehlen vorne. Den Kader noch breiter aufzustellen, macht auch keinen Sinn, weil du sonst schnell Unzufriedenheit hast", antwortete der 43-Jährige. Nur fünf Partien haben Raffael und Hazard gemeinsam von Beginn an absolviert, in genau diesen Spielen schossen sie ihre insgesamt 13 Saisontore. "Wir hoffen, dass bei Thorgan die Schmerzen irgendwann in den Griff zu bekommen sind. Bei Raffael ist es hoffentlich nur noch eine Frage von Tagen, wann er wieder einsteigen kann", sagte Eberl. Dem Prinzip Hoffnung ist Borussia beim Toreschießen momentan etwas ausgeliefert.

Quelle: RP
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