1. Bundesliga 16/17
| 11.42 Uhr

Kolumne Gegenpressing
Über die Mindesthaltbarkeit von Trainern

Kolumne Gegenpressing: Über die Mindesthaltbarkeit von Trainern
FOTO: Phil Ninh
Düsseldorf. Die Haltbarkeit von Übungsleitern wird in Hamburg neuerdings nur noch in Wochen berechnet. Bruno Labbadia fällt aus dem Rahmen, er war schon mal für zehn Monate unter Vertrag. Von Robert Peters

Im Supermarkt ist es ganz einfach. Die Mindesthaltbarkeit von Lebensmitteln wird auf die Packung gedruckt. Der Fußballtrainer-Supermarkt ist viel komplizierter. Es gibt keine Haltbarkeitsdaten. Und das liegt daran, dass der Trainer nicht als Einzelgröße betrachtet werden kann. Alles wird schwieriger durch das Umfeld, den jeweiligen Verein.

Otto Rehhagel zum Beispiel hielt bei Werder Bremen 14 Jahre lang, ohne dass über extreme Verschleißerscheinungen im Innenverhältnis zu den Spielern geklagt wurde und obwohl Rehhagels tägliche Übungen von berechenbarer Schlichtheit waren. In München hielt "König Otto" nicht einmal ein Jahr.

Jürgen Klopps Haltbarkeit im Klub beträgt nach ersten hobbywissenschaftlichen Studien sieben Jahre. In Mainz arbeitete er von 2001 bis 2008, danach ging er zu Borussia Dortmund. Dort ist folgerichtig im Sommer Schluss. Über die nächsten sieben Jahre in seinem Berufsleben ist noch nicht befunden. Es ist nicht mal auszuschließen, dass das große Beben bei Bayern München noch Einfluss auf Klopps künftigen Arbeitsplatz hat.

Über Pep Guardiolas Haltbarkeit gibt es noch keine zuverlässigen Vergleichsdaten. Beim FC Barcelona hielt er vier Jahre, bei Bayern München sind es erst zwei. Vielleicht unterscheiden sich die Haltbarkeitsdaten auch nach den jeweiligen Aufenthaltsländern. Der Klub Bayern München ist auf jeden Fall nicht unbedingt berühmt dafür, seinen Trainern Rentenverträge zu geben. In luftigen Höhen ist der Verschleiß eben doch sehr hoch.

Der Hamburger SV hat früher mal luftige Höhen genießen können. Aber auch das erklärt den Verbrauch an Trainern nicht mit letzter Sicherheit. Sicher ist allein, dass die Haltbarkeit eines Trainers beim HSV nur mehr in Monaten zu messen ist. Manchmal auch nur in Wochen, wobei immer noch nicht abschließend geklärt ist, ob es sich bei Peter Knäbel um einen Trainer oder einen Trainer-Darsteller handelt. Bruno Labbadia hat es beim letzten Mal immerhin gut zehn Monate ausgehalten. Für Hamburger Verhältnisse ist er ein Thomas Schaaf, der es wie sein väterlicher Förderer Rehhagel auf 14 Jahre Werder Bremen brachte. Rehhagel und Schaaf sind damit doppelte Kloppos. Und Rehhagel steht bestimmt zur Verfügung, wenn es in Hamburg eines Tages mit Labbadia nicht mehr zur gegenseitigen Zufriedenheit läuft. Dieser Tag ist bestimmt nicht mehr so weit entfernt - wenn der HSV eine verlässliche Größe bleiben will. Und das will er ja, der Klub, dessen wichtigste Tradition das Trainerwechseln ist.

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Quelle: RP
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