1. Bundesliga 16/17
| 20.37 Uhr

Trainersuche beendet
Schalke setzt Hoffnungen in Breitenreiter

Porträt: Das ist André Breitenreiter
Porträt: Das ist André Breitenreiter FOTO: dpa, pst cul
Gelsenkirchen. Andre Breitenreiter soll Schalke wach küssen: Auf der turbulenten Suche nach einem neuen Trainer ist Bundesligist Schalke 04 beim SC Paderborn fündig geworden.

Der Handschlag mit Andre Breitenreiter vertrieb bei Horst Heldt alle Sorgen. Das letztlich enttäuschende Saisonergebnis, die Kritik an seiner Person, die Trennung von Trainer Roberto Di Matteo und die anschließende turbulente Suche nach einem Nachfolger - vergessen. Am Freitag haben die Königsblauen ihren neuen Hoffnungsträger auf der Trainerbank präsentiert, von Bundesliga-Absteiger SC Paderborn kommt der 41-jährige Breitenreiter.

"Andre Breitenreiter hat alle Verantwortlichen umfassend überzeugt, dass er der Richtige für unsere Ziele ist. Er ist ein junger, mutiger Trainer, der keine Angst vor unbequemen Entscheidungen hat", sagte Sportvorstand Heldt, der auf einem vom Klub veröffentlichten Foto gelöst wie lange nicht mehr wirkte. Nach einer schwierigen Saison wolle der Klub in Zukunft wieder "attraktiven, leidenschaftlichen Offensivfußball" bieten "und einen Teamgedanken, der unsere Fans begeistert", so Heldt.

In den Tagen zuvor schien Schalkes Suche nach einem neuen starken Mann von wenig Glück geprägt. Augsburgs Erfolgscoach Markus Weinzierl sagte ab, "Eurofighter" Marc Wilmots war offenbar zu teuer. Nachdem Schalke am Mittwoch von Weinzierl einen Korb erhalten hatten, verzichteten sie am Freitag selbst auf ihren Uefa-Cup-Helden. Nach übereinstimmenden Berichten der WAZ und der Bild-Zeitung hatte der Bundesligasechste dem belgischen Nationaltrainer Wilmots kurz vor der Bestätigung des Breitenreiter-Coups abgesagt.

Der frühere Stürmer stand beim Bundesliga-Absteiger Paderborn noch bis 2016 unter Vertrag, konnte den Klub dank einer kolportierten Ausstiegsklausel von 500.000 Euro aber kurzfristig verlassen. Nach dem einjährigen Bundesliga-Intermezzo mit Paderborn hatte er seine Zukunft offen gelassen, am Donnerstag führte Heldt letzte Verhandlungen.

Fotos: Die aktuellen Verträge der Bundesliga-Trainer FOTO: dpa, ms cmm sam lof

"Ich habe hier zwei Jahre lang eine wunderschöne und erfolgreiche Zeit mit tollen Mitstreitern, einer erstklassigen Mannschaft und herausragenden Fans erlebt", sagte Breitenreiter, vom Verein kamen derweil durchaus kritische Töne.

"Herr Breitenreiter hat sich innerhalb der Möglichkeiten des Vertrags bewegt. Und nichts anderes", sagte Paderborns Präsident Wilfried Finke bei Sky Sport News HD und verbarg seinen Frust nicht: "Die Entwicklung kann ich nicht nachvollziehen. Ich bin von unserem Geschäftsführer Sport informiert worden, dass Gespräche stattfinden."

Besonders dieser Umstand stieß den Paderbornern offenbar bitter auf. "Ich denke, dass es richtiger wäre, dass er mich informiert. Das ist eine Bringschuld in dem Fall, wenn es zu einem Vertragsabschluss kommt. Dann erwarte ich seine Nachricht", sagte Finke: "Ob sauber oder unsauber, das will ich nicht kommentieren. Es ist alles im Bereich dessen, was erlaubt ist. Ich glaube, dass Schalke unter Zugzwang geraten ist."

Das ist Horst Heldt FOTO: ddp

Der ehemalige Hamburger und Wolfsburger Bundesliga-Profi dürfte die deutlich billigere Lösung für Schalke sein: Wilmots, der sich als "Willi, das Kampfschwein" beim Uefa-Cup-Triumph 1997 auf Schalke unsterblich gemacht hatte, scheiterte offenbar an seinen Gehaltsforderungen. Der 46-Jährige soll vier Millionen Euro pro Jahr gefordert haben. Außerdem wollte er sein komplettes Trainerteam von der belgischen Nationalmannschaft mitbringen, zudem wäre eine Ablöse in Höhe von zwei Millionen Euro fällig gewesen.

Von einer Absage durch den Verein wollte Wilmots allerdings nichts wissen und wählte überraschend scharfe Worte. "Eines muss man mal festhalten: Schalke ist zu mir gekommen und hat mich gefragt, obwohl ich hier in Belgien eine große Mannschaft trainiere. Ich habe Schalke nie um einen Job gefragt. Deshalb ist es ein schlechter Witz, wenn man meint, mir irgendetwas absagen zu können", sagte Wilmots dem kicker.

In Deutschland seien viele Informationen über diese Trainersuche herausgekommen. "Schalke ist und bleibt mein Herzensverein. Aber die Art und Weise, wie das alles gelaufen ist, das ist nicht Schalke. Das ist eher bedenklich", sagte Wilmots.

Schalke hatte sich nach der enttäuschenden Rückrunde mit dem Absturz auf Platz sechs von Di Matteo getrennt, nach offizieller Darstellung trat der Italiener, der erst im Oktober verpflichtet worden war, zurück.

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