1. Bundesliga 17/18
| 15.29 Uhr

Der HSV im Abstiegskampf
Warum dieses Jahr alles schwieriger ist

Der HSV im Abstiegskampf: Stuttgart lässt grüßen
Aaron Hunt am Boden FOTO: dpa, fdt
Düsseldorf. Für den Hamburger SV ist im Abstiegs-Endspurt dieses Jahr alles anders. Vor allem gefährlicher, weil es die Mannschaft selber in der Hand hat - und verkrampft. Vieles erinnert dabei an den VfB Stuttgart aus der Vorsaison.  Von Daniel Brickwedde

Jens Todt hat dieser Tage einen undankbaren Job. Selbst aus Leistungen, die allen Grund zur Sorge geben, muss der Sportdirektor des Hamburger SV vor den TV-Kameras irgendetwas Versöhnliches ziehen. Nach der trostlosen Leistung am vergangenen Wochenende gegen Mainz 05 war Todt wieder gefordert, lobte den verbesserten kämpferischen Einsatz, musste ansonsten aber auch eingestehen, dass klare Torchancen seiner Mannschaft nicht existent waren. Zumindest bekam er zum Ende noch einmal die Optimismus-Kurve und stellte den Zusammenhalt und die guten Chancen, drinzubleiben heraus. 

Auch Trainer Markus Gisdol bediente größtenteils diesen zuversichtlichen Sprechduktus, sprach von "Möglichkeiten", die das Remis mit sich bringt und betonte, wie "jeder Punkt unglaublich wichtig sein kann". Im Kontext mit dem uninspirierten Beitrag der Mannschaft gegen Mainz wirkt es jedoch wie Schönfärberei. Positives erkennen, wo nichts Positives auszumachen ist - auch das gehört zum HSV. 

Das ist allerdings nicht neu in Hamburg. Nur der Zeitpunkt ist anders. In den Vorjahren war diese Phase im Endspurt der Liga überwunden, trotz deutlich aussichtsloserer Situationen herrschte Aufbruchstimmung. Die Mannschaft hatte nichts mehr zu verlieren und schöpfte daraus Kraft für die jeweilige Last-Last-Minute-Rettung.

Negativerlebnisse in Serie

Im Frühjahr 2017 hat die Mannschaft dagegen plötzlich sehr viel zu verlieren. Nach einem Zwischenhoch lag der HSV nach dem 28. Spieltag bereits vier Punkte vor dem Relegationsplatz. Eine "Wird-schon-gut-gehen-Mentalität" legte sich über Hamburg und Sportvorstand Heribert Bruchhagen orakelte bereits: "Wir müssen in den letzten sechs Spielen noch mindestens sechs Punkte holen. Das traue ich der Mannschaft ohne Weiteres zu".

Chancen gab es dazu genug, doch statt einem Befreiungsschlag wurden seitdem Negativerlebnisse in Serie und nur noch ein Punkt in vier Spielen gesammelt. Gisdol sprach schon vor Wochen von einem "Kopfproblem", der Schalter scheint in der Mannschaft derzeit aber nicht umzulegen zu sein. 

Die Asse im Abstiegskampf hat der Verein bereits verbraucht, Spieler suspendiert und ein Trainingslager zur Stärkung der Gemeinschaft abgehalten - alles Maßnahmen, die offensichtlich verpufften. Zur merkbaren Unsicherheit auf dem Feld kommen zudem spielerische Mängel und das Fehlen eines Plan B. Insgesamt zu viele Problemstellen auf einmal vor den letzten beiden Spielen auf Schalke und gegen Wolfsburg. 

Andere Vorzeichen für eine Relegation 

Vieles in Hamburg erinnert daher an den VfB Stuttgart aus der Vorsaison. Auch die Schwaben fühlten sich im vergangenen Jahr zu früh sicher und kamen aus dem Abwärtstrend zur Unzeit nicht mehr heraus. Auch der Sprachduktus des damaligen Sportdirektors Robin Dutt war größtenteils deckungsgleich: Positives vorschieben, wo höchste Alarmbereitschaft angebracht war. Am Ende verhalf auch kein kurzfristiges Trainingslager mehr zur Kehrtwende - Stuttgart stieg als 17. direkt ab. 

Der direkte Abstieg ist zwar noch möglich, aber unwahrscheinlich für den Hamburger SV. Eher läuft es auf dritte Relegation in vier Jahren hinaus. Anders als zuvor, wäre das Erreichen nach dem Saisonverlauf dieses Mal allerdings kein Erfolg, sondern eine Niederlage. Neue, und nicht unbedingt bessere Vorzeichen. 

(dbr)
 
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