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Langeweile pur
Audi-Dominanz bremst die DTM aus

Audi-Dominanz bremst die DTM aus
Gewohntes Bild in dieser Saison: Ein Audi auf der Pole. FOTO: dpa, bse nic
Klettwitz/Köln. Die Überlegenheit von Audi erdrückt die DTM. Bereits nach dem zweiten Rennwochenende kämpfen BMW und Mercedes mit der eigenen Ratlosigkeit. Der Hersteller des Einheitsreifens muss wohl für Spannung sorgen.

Gähnende Langeweile statt erhoffter Action: Die Audi-Show vom Lausitzring dürfte der DTM mehr geschadet als genutzt haben. Nach dem Vierfach- und Fünffacherfolg der Ingolstädter lautet das Gebot der Stunde, möglichst schnell Spannung zu generieren. Immerhin schwebt der auslaufende Fernsehvertrag mit der ARD wie ein Damoklesschwert über der Tourenwagenserie.

"Kompliment an Audi. So eine Dominanz habe ich in 15 Jahren DTM noch nicht erlebt", sagte Mattias Ekström am Sonntag in der ARD beinahe ungläubig. Ekström ist wohlgemerkt Audi-Fahrer, und der Champion von 2004 und 2007 verfügte in seiner Laufbahn sehr wohl schon über gute Dienstwagen. Doch die momentane Überlegenheit der Ingolstädter mit vier deutlichen Siegen und in den ersten vier Rennen (dreimal Jamie Green, einmal Ekström) ist beinahe einzigartig - und genau darin liegt das Problem.

"Die ersten Runden waren ein Nicht-Angriffspakt. Spannung ist anders", sagte BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt. Von einem "langweiligen Rennen" sprach sogar Audi-Pilot Edoardo Mortara nach seinem zweiten Platz am Samstag. Audi ist so überlegen, dass Green und Co. auf dem Lausitzring nicht einmal ans absolute Limit gehen mussten, um die Konkurrenz von BMW und Mercedes zu distanzieren.

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Über Jahre war es der Trumpf der DTM, dass trotz oder gerade wegen eines überschaubaren Budgets fast jeder Fahrer potenziell siegfähig war. Das neue Reglement mit einem 40-minütigen Rennen am Samstag und einem einstündigen am Sonntag inklusive Pflichtreifenwechsel sollte allein aufgrund der unterschiedlichen Layouts Spannung garantieren.

Doch das Machtgefälle von Audi (265 Punkte in der Markenwertung) zu Mercedes (91) und vor allem zu BMW (48) ist derzeit so eklatant, dass weder das Rennlayout noch bis zu 20 kg Zusatzgewichte die Audis aufhalten konnten. Meisterschaftsspitzenreiter Green fuhr den ersten seiner zwei Siegerpokale in der Lausitz gar mit einer defekten Verstellung am Heckflügel heraus.

Das Problem für Mercedes und BMW: Das technische Reglement ist eingefroren. Die Hersteller müssen mit dem Auto leben, das sie haben. In einem schmucklosen Statement wurde am Sonntagabend die Ratlosigkeit offenkundig: "Die für Dienstag und Mittwoch geplanten Testfahrten auf dem Lausitzring wurden verschoben. Gemeinsam mit dem DMSB und der ITR einigten sich die in der DTM vertretenen Hersteller auf dieses Vorgehen", hieß es. Hintergrund sei, "dass der derzeit eingesetzte Reifen in seinem Verhalten bei einer Vielzahl der Teams von bekannten Erfahrungswerten abweicht."

Reifenpartner Hankook muss nun eine detaillierte Analyse bis zum Audi-"Heimspiel" auf dem Norisring (27./28. Juni) liefern - und wohl gegebenenfalls den Pneu so entwickeln, dass auch die BMW und Mercedes gut damit zurechtkommen. Gelingt das nicht, könnte sich die Prognose von Ex-Formel-1-Pilot Timo Glock bewahrheiten. "So gewinnen wir dieses Jahr kein einziges Rennen", lamentierte der BMW-Pilot bereits vor dem Sonntagsrennen. Von der Audi-Demonstration auf den ersten fünf Plätzen wusste er da noch nichts.

(sid)
 
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