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Gewichtheber unter Doping-Verdacht
Elf von 14 Griechen positiv getestet
Das Blutdoping-ABC
Das Blutdoping-ABC FOTO: AFP
Leipzig (RPO). Gewichtheben gehört ohnehin nicht zu den unumstrittenen Sportarten. Viereinhalb Monate vor den Olympischen Spielen in Peking droht zusätzlich ein Doping-Skandal gewaltigen Ausmaßes. Elf von 14 Athleten der griechischen Nationalmannschaft wurden positiv auf verbotene Substanzen getestet. 

Das teilte der nationale Verband nach einer Trainingskontrolle der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA mit. Die Öffnung der B-Probe von den fünf Männern und sechs Frauen steht noch aus, das Ergebnis dürfte nächste Woche vorliegen. Chefcoach Christos Iacovou reichte bereits seinen Rücktritt ein und wurde obendrein suspendiert.

Dem griechischen Gewichtheber-Verband droht nun der Ausschluss von den Sommerspielen in Peking, für die fünf Männer und drei Frauen qualifiziert sind. Der Weltverband IWF verhängt laut seiner Regularien bei mehreren Dopingfällen pro Nation innerhalb kurzer Zeit eine mindestens einjährige Wettkampfsperre für das gesamte Team, allerdings kann er diese gegen Zahlung einer Strafgebühr auch wieder aufheben. Zudem ist eine juristische Auseinandersetzung bis zum Obersten Sportschiedsgerichtshof CAS um die Olympia-Teilnahme denkbar.

"Das ist für mich eine Riesenenttäuschung, wenn die Griechen positiv sind, zumal ich dort viele Freunde habe - das geht mir persönlich sehr nahe", sagte Claus Umbach. Der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Gewichtheber (BVDG) erklärte weiter: "Wir haben gehofft, dass Europa mit seinen großen Anstrengungen in der Prävention sauber ist. Das ist ein herber Rückschlag."

Schon bei den Spielen 2004 in Athen waren die Gastgeber mit Doping aufgefallen: Leonidas Sampanis wurde die Bronzemedaille im 63-kg-Limit wegen Testosteron-Gebrauchs aberkannt. Irans Verband hatte zuletzt 2006 sein Team gegen Zahlung von 400.000 Dollar nach einer IWF-Sperre "freigekauft", damals waren neun Athleten bei der WM-Vorbereitung überführt worden.

Die Griechen gewannen bei Sommerspielen seit Barcelona 1992 insgesamt 12 Medaillen, darunter fünf goldene. Zuvor hatten die Griechen seit 1904 keine einzige Plakette gewonnen - die Verdächtigungen wegen der plötzlichen Leistungsexplosion waren entsprechend groß. Iacovou, einst selbst Hantelstemmer, trägt seit 1992 die Verantwortung. Das Heimspiel vor vier Jahren endete allerdings nicht nur wegen des "Falls Sampanis" mit einer Pleite, in Athen gab es lediglich einmal Bronze.

Bei der WM 2007 wurden von der IWF sieben Männer und fünf Frauen nach Auswertung der 150 Dopingproben nachträglich wegen der Einnahme unerlaubter Substanzen disqualifiziert. Medaillengewinner waren nicht unter den Sündern.

Quelle: sid
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