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Davis Cup
Debütant Brown erfüllt sich in der Karibik seinen Lebenstraum

Fotos: Dustin Brown – Rasta-Mann, Tattoo-Fan und Nadal-Schreck
Fotos: Dustin Brown – Rasta-Mann, Tattoo-Fan und Nadal-Schreck FOTO: afp, dan
Santo Domingo. Dustin Brown steht im Alter von 30 Jahren beim Relegationsspiel in der Dominikanischen Republik erstmals im deutschen Davis-Cup-Team. Für den "Germaican" geht damit ein Lebenstraum in Erfüllung.

Es ist gar nicht so einfach, Dustin Brown zu übersehen. Und es sind nicht nur die Rastazöpfe, die ihn zu einer Ausnahmeerscheinung in der Tenniswelt machen. Unkonventionell nennen einige Beobachter die Spielweise des Deutsch-Jamaikaners, halsbrecherisch träfe es besser. Auffällig spielt Brown in jedem Fall, ab und an sogar erfolgreich. Dennoch vergaß der Deutsche Tennis Bund (DTB), ihn für das Davis-Cup-Duell gegen Frankreich (2:3) zu melden. Browns Karriere in der deutschen Nationalmannschaft schien beendet, bevor sie überhaupt begonnen hatte.

Sechs Monate später geht sein "Traum" nun doch in Erfüllung, beim Relegationsspiel in der Dominikanischen Republik ab Freitag steht Brown im Aufgebot von Teamchef Michael Kohlmann. "Darauf habe ich meine ganze Karriere lang hingearbeitet", sagte der 30-Jährige vor der Partie in Santo Domingo, die Missklänge der peinlichen Panne zu Jahresbeginn sind längst verhallt.

Sensation! Brown schaltet Nadal aus FOTO: afp, dan

DTB muss Spielgenehmigung neu beantragen

Weil der im niedersächsischen Celle geborene Brown vor zwölf Jahren für seine zweite Heimat Jamaika im traditionsreichen Mannschaftswettbewerb aufgeschlagen hatte, musste der DTB seine Spielgenehmigung beim Weltverband ITF neu beantragen. Als Kohlmann Brown ins Team gegen Frankreich holen wollte, war die Frist verstrichen. Der DTB schob Brown die Schuld in die Schuhe, er hätte seinen Verband über den Einsatz für Jamaika informieren müssen. Brown reagierte verwundert, er kannte diese neue ITF-Regel noch nicht.

Schludrigkeit seitens des Verbandes wollte DTB-Vizepräsident Dirk Hordorff nicht eingestehen, gab allerdings zu: "Das hätte damals besser laufen können." Wie dem auch sei, dem Verhältnis zwischen Kapitän Kohlmann und Brown hat die Episode nicht geschadet. In der Karibik soll der Paradiesvogel helfen, den Abstieg aus der Weltgruppe zu verhindern.

Brown nach Fünf-Satz-Krimi in Runde eins ausgeschieden FOTO: afp, ch

Sensation gegen Nadal

Dafür muss Brown im schwül-heißen Klima der Urlaubsinsel jedoch sein Wimbledongesicht zeigen. Im Juli hatte er am "besten Tag" seines Lebens auf dem Heiligen Rasen Superstar Rafael Nadal geschlagen. Die Tenniswelt stand kopf, die Londoner Times widmete Brown einen Teil ihrer Titelseite und US-Ikone John McEnroe und andere Experten lobten ihn in den Tennis-Himmel. Nur Brown selbst blieb gelassen, er weiß eben am besten, was er auf dem Court zu leisten imstande ist.

"Wenn wir uns Matches von mir ansehen, schwankt es zwischen: 'Okay, das ist ein guter Schlag' und 'das war dumm'", hatte er in Wimbledon erzählt: "Ich muss akzeptieren, dass mein Spiel eine große Spanne hat." Nach dem Erfolg über Nadal verlor Brown beim Challenger in Meerbusch gegen die Nummer 249 der Welt, bei den US Open scheiterte er in Runde eins am Niederländer Robin Haase.

Dennoch ist Brown in der Dominikanischen Republik zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Nicht etwa weil er einen Teil seines Lebens auf der Nachbarinsel Jamaika verbracht und 2003 bei den Pan American Games schon einmal auf den Hartplätzen in Santo Domingo gespielt hat, sondern weil er sowohl im Einzel als auch im Doppel eine Option ist. Steuert der "Germaican", wie er sich gerne selbst nennt, einen Punkt zum Klassenerhalt bei, wird er bestimmt auch vom Deutschen Tennis Bund nie wieder übersehen werden.

(sid)
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