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Rudi Molleker spielt in Hamburg
Ist dieser 16-Jährige Deutschlands neuer Tennis-Star?

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Düsseldorf/Hamburg. Seit Jahren kämpft das einst so angesehene ATP-Turnier in Hamburg um Zugpferde. In diesem Jahr erfüllt nur Altmeister Tommy Haas diese Rolle. Doch in seinem Schatten spielt sich völlig unerwartet ein 16-Jähriger ins Rampenlicht. Von Antje Rehse

Im Netz ist Rudi Molleker schon recht professionell aufgestellt. Neben dem fast schon obligatorischen Instagram-Profil hat der 16-jährige Berliner eine eigene Webseite. Unter "Aktuelle Erfolge" wird dort aufgeführt, dass er bei einem Turnier in Berlin gewonnen hatte. So schaffte Molleker den Sprung in die Top Ten, bei den Junioren wohlgemerkt. Bei den Großen sind die ersten Zehn dagegen noch ein weit entfernter Traum. In der ATP-Weltrangliste wird Molleker derzeit auf Rang 923 geführt.

In der kommenden Woche wird Molleker aber einen großen Sprung machen. Denn schon bevor der erste Ballwechsel im Hauptfeld des Turniers in Hamburg gespielt wurde, hat Molleker in der Hansestadt ein kleines Tennis-Märchen geschrieben. Molleker hat sich sensationell über die Qualifikation, in der er nur dank einer Wildcard starten durfte, in das Hauptfeld gespielt. Völlig überraschend schaltete er Norwegens große Tennis-Hoffnung Casper Ruud, der mit seinen 18 Jahren gut 800 Plätze vor Molleker in der Weltrangliste steht, und Leonardo Mayer aus Argentinien aus. Mayer ist zwar kein großer Star, aber trotzdem nicht irgendwer: 2014 hat er das Turnier am Rothenbaum gewonnen.

Nur zwei Spieler waren jünger

Molleker ist der drittjüngste Spieler, der sich seit dem Jahr 2000 für das Hauptfeld eines ATP-Turniers qualifizieren konnte. Nur Ryan Harrison (USA) und Richard Gasquet (Frankreich) waren jünger. Die beiden zeigen deutlich, dass ein so früher Erfolg noch keine Garantie für eine bemerkenswerte Tennis-Karriere ist. Während Gasquet zwar immer noch und wohl vergeblich auf seinen ersten Grand-Slam-Titel wartet, aber immerhin den nachhaltigen Sprung in die Top Ten schaffte, konnte Harrison die an ihn geknüpften Erwartungen noch überhaupt nicht erfüllen. Er hat es bislang noch nicht einmal in die Top 40 geschafft.

Molleker kam mit drei Jahren aus der Ukraine nach Deutschland. Am mangelnden Ehrgeiz dürfte seine Karriere nicht scheitern: "Er hat einen großen Willen, das ist sehr positiv, manchmal aber auch nicht ganz so einfach", sagte sein Trainer Benjamin Thiele dem "Spiegel". Der 37-Jährige trainiert Rudi schon von Kindesbeinen an.

Am Dienstag wird Thieles Schützling in Hamburg versuchen, dem Märchen ein weiteres Kapitel hinzuzufügen. Gegen den Russen Karen Chatschanow ist Molleker aber noch deutlicher Außenseiter als in der Qualifikation. Turnierdirektor Michael Stich wird nicht wagen, von der Sensation zu träumen. Sie käme der so arg gebeutelten Veranstaltung aber sehr gelegen. 

Neues Märchen nach Zverev?

Seit Jahren leidet Hamburg unter dem ungünstigen Platz im Kalender. Nach Wimbledon und vor der Saison auf den US-amerikanischen Hartplätzen will kaum noch ein Star auf Sand spielen. In diesem Jahr ist kein Spieler aus den Top 20 am Start. Mit viel Geld versuchte Stich kurzfristig noch, Rafael Nadal an die Elbe zu locken. Ohne Erfolg. Hart hatte ihn auch die Absage des gebürtigen Hamburgers Alexander Zverev getroffen.

Zverev war 2014 für die Märchenstunde in Hamburg verantwortlich gewesen. Der damals 17-Jährige stürmte völlig überraschend ins Halbfinale seines Heimturniers, fuhr dabei seine allerersten Siege bei einem ATP-Turnier ein. Zverev hat mittlerweile den Durchbruch geschafft. Und der Rothenbaum passt nicht mehr in seine Turnierplanung.

Von solchen Gedanken ist Molleker noch meilenweit entfernt. Der Teenager wird in den kommenden Monaten wieder die kleinen Futures-Turniere abseits der ATP-Tour spielen, um sich nach und nach in der Weltrangliste nach oben zu arbeiten. Doch nicht nur in Hamburg wird man sich den Namen Rudi Molleker merken.

 
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