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Platte Bälle, laute Nächte und nasse Schuhe
Wie im Profisport sabotiert und getrickst wird

Tom Brady – Star-Quarterback und Rekordhalter:
Tom Brady – Star-Quarterback und Rekordhalter: FOTO: rtr, HB
Düsseldorf. Nicht immer wird im Sport mit sauberen Mitteln gekämpft: Fans und Verantwortliche greifen gerne zu Tricks, um ihrer Mannschaft einen Vorteil zu verschaffen - und überschreiten oft die Grenze des Erlaubten. Von Tim Specks

So ganz wusste Pierre-Emerick Aubameyang nicht, was er von der Sache halten soll. Vor dem WM-Qualifikationsspiel mit der Nationalmannschaft Gabuns in Marokko erklärte der BVB-Stürmer via Twitter, der Orangensaft beim Frühstück im Teamhotel sei nicht in Ordnung gewesen. Versehen war der Tweet allerdings mit einer Menge Emojis - die einen zweifelnd, die anderen lachend. Sein Trainer Jose Antonio Camacho wurde nach der 0:3-Niederlage und dem Aus in der WM-Qualifikation schon deutlicher. Viele Spieler und er selbst hätten vor dem Spiel eine Menge Zeit auf der Toilette verbracht. Zwar wolle er keine Ausreden suchen, aber der gabunische Verband werde wegen des Vorfalls mit der Fifa sprechen. Laut ESPN sei Camacho gar von seinen Spielern vor solchen Vorfällen gewarnt worden. "Sie sagten, wir müssten vorsichtig sein, sie haben in nichts vertraut", sagte Camacho. Hatte man der gabunischen Mannschaft tatsächlich verdorbenen Orangensaft vorgesetzt und wenn ja - war das Ganze Absicht?

Vollständig aufklären lässt sich der Vorfall wohl nicht. Vollkommen unrealistisch allerdings ist das Szenario auch nicht, kam es im Profisport doch schon häufiger zu Tricksereien, die noch im Rahmen des Erlaubten waren - und sogar zu Sabotage.

In die Kategorie "fies, aber erlaubt" dürften vor allem die Tricksereien von Fans fallen. Bekanntest Beispiele für Fälle, in denen sich die Beeinflussung des Gegners noch im Rahmen des Erlaubten bewegen, sind Anhänger, die Gegner um ihre Nachtruhe bringen. Fans der Düsseldorfer EG etwa versammelten sich im Frühjahr vor dem Haus von Kölner Haie-Spieler Philip Gogulla. In der Nacht vor dem Derby in Düsseldorf sangen sie auf der Straße derart laut, dass für Gogulla nicht an eine Spielvorbereitung in aller Seelenruhe zu denken war. Der gebürtige Düsseldorfer nahm die Aktion jedoch mit Humor - und legte beim Derbysieg tags drauf einen Treffer auf.

Musikalischer "Überfall" auf Philip Gogulla vor Derby FOTO: David Young

Sabotage-Vorwürfe hingegen musste sich der VfL Wolfsburg während der Relegationsspiele der vergangenen Saison gefallen lassen. Vor dem Hinspiel gegen Eintracht Braunschweig hatten die Gäste ihre Fußballschuhe durchnässt vorgefunden. Die Aufregung auf Seiten der Braunschweiger war groß - der VfL wies aber alle Vorwürfe zurück. Ein automatischer Spülvorgang aller sanitären Anlagen habe für das nasse Schuhwerk gesorgt, so die Erklärung. Das Spiel endete im Übrigen 1:0 für die Wolfsburger, die nach dem 1:0-Sieg im Rückspiel die Klasse hielten.

Nicht immer versuchen Sportler Tricks, um den Gegner zu schwächen - in manchen Fällen verschaffen sie sich auch einen unerlaubten Vorteil. Zu einem der größten Sabotage-Fälle im US-Sport kam es im Januar 2015 im Zusammenhang mit dem Football-Spiel der New England Patriots gegen die Indianapolis Colts. Nach der Partie stellte sich heraus, dass elf der zwölf eingesetzten Bälle zu wenig Luftdruck hatten. Von weichen Bällen wird angenommen, dass sie einfacher zu halten, zu werfen und zu fangen sind. Die NFL aber gibt Mindestwerte für den Luftdruck der Bälle vor, die im Großteil der eingesetzten Bälle unterschritten wurden. Die New England Patriots gewannen die Partie mit 45:7 und zogen so in den Super Bowl ein, welchen sie später gewannen. Die NFL jedoch belegte die Patriots später mit einer Strafe: Quarterback Tom Brady wurde für vier Spiele gesperrt, der Verein musste eine Million Dollar zahlen und verlor einen Teil seiner Transferrechte für die anschließende Saison.

Immer wieder griffen in der Geschichte des Baseballs Spieler zu einem unerlaubten Trick. Meist mit Hilfe von Kork-Einsätzen im Schläger machten sie diesen Leichter. Der Vorteil: Wiegt der Schläger weniger, lässt er sich einfacher schwingen und der Baseball sich somit weiter schlagen. Sogar Sport-Größe Sammy Sosa, einer der bekanntesten Baseballspieler der Welt, wurde 2003 mit einem manipulierten Schläger erwischt. Sosa gab später an, den Schläger üblicherweise nur im Training zu verwenden. Die MLB testete anschließend 76 weitere Schläger Sosas - keiner von ihnen war mit Kork ausgestattet. Der Dominikaner wurde dennoch für sieben Spiele gesperrt.

Auch in der Formel 1 kommen immer wieder Sabotage-Gerüchte auf. In einem der bekanntesten Fälle soll Nigel Stepney, früherer Chefmechaniker von Ferrari, ein weißes Pulver in den Tank des Ferrari-Piloten Kimi Räikkönen geschüttet haben. Ihm wurde zudem vorgeworfen, geheime Ferrari-Daten an einen McLaren-Angestellten übergeben zu haben. Stepney bestritt die Vorwürfe, wurde aber von einem italienischen Gericht zu 20 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. 2014 kam er bei einem Autounfall ums Leben.

 
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