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Kreis Heinsberg
Atomangst: Jodtabletten ab heute erhältlich

Diese Hilfsmittel für den Notfall gibt es
Diese Hilfsmittel für den Notfall gibt es FOTO: Christoph Reichwein
Kreis Heinsberg. Das belgische AKW Tihange gilt als Risikofaktor. Ab heute erhalten Menschen im Kreis Heinsberg Medikamente, die bei einem Atomunfall schützen sollen. Die Verteilung ist einmalig in Deutschland. Von Michael Heckers

Aus Sorge vor einem Unfall im nur knapp 70 Kilometer Luftlinie entfernten und als marode geltenden belgischen Atomkraftwerk Tihange werden ab heute im Kreis Heinsberg und in der Region Aachen Jodtabletten verteilt. Menschen in Stadt und StädteRegion Aachen und in den Kreisen Düren, Euskirchen und Heinsberg, die jünger als 45 Jahre sind, sowie Schwangere und Stillende unabhängig von ihrem Alter, haben nun die Möglichkeit, sich kostenfrei mit Jodtabletten zu versorgen. Dafür müssen sie aber zunächst online einen Bezugsschein beantragen.

Wer hat Anspruch auf Jodtabletten?

Mehr als 1,5 Millionen Menschen leben in der Region, 600.000 haben einen Anspruch auf Jodtabletten. Für die Abschaltung von Tihange macht sich ein breites gesellschaftliches Bündnis aus Bürgern, Kommunen und Politik stark. Erst im Juni hatten 50.000 Atomkraftgegner aus Deutschland, den Niederlanden und Belgien mit einer 90 Kilometer langen Menschenkette gegen die als marode geltenden belgischen Atomkraftwerke Tihange und Doel demonstriert. Sie verlangten, die Reaktoren abzuschalten. Auch Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) unterstützt die Forderung.

Wie läuft die Verteilung der Jodtabletten?

Die Jodtabletten werden nach Angaben der Kommunen von heute an bis zum 30. November verteilt. Über ein Onlineportal des Kreises Heinsberg (https://jodtabletten.kreis-heinsberg.de) kann pro Haushalt ein Bezugsschein für Jodtabletten beantragt und - nachdem auf digitalem Weg ein ausdruckbarer Bezugsschein ausgestellt wurde - in einer Apotheke kostenfrei eingelöst werden. Eine Übersicht über die teilnehmenden Apotheken gibt es auf der Internetseite der Apothekerkammer Nordrhein (www.aknr.de). Die Apotheken geben nach Auskunft der Heinsberger Kreisverwaltung die entsprechenden Tablettenblister sowie einen Informationsflyer und einen Beipackzettel an die Bezugsberechtigten aus. Die Aktion läuft insgesamt drei Monate, also bis zum 30. November. Anträge auf Bezugsscheine können allerdings nur bis zum 15. November gestellt werden.

Wer hilft bei Fragen?

Mit den kostenfreien Tabletten werden ein Informationsflyer und ein Beipackzettel ausgegeben. Außerdem geben die Apotheker Hilfestellungen. Jodtabletten sind nicht rezeptpflichtig und in Apotheken frei verkäuflich.

Was sollen die Tabletten bewirken?

Die Einnahme von Jodtabletten "sättigt" die Schilddrüse mit (nicht radioaktivem) Jod und verhindert nach einem Atomunfall so die Aufnahme von radioaktivem Jod; Schilddrüsenkrebs soll so verhindert werden. Nach der Strahlenschutzkommission des Bundes dürfen die Jodtabletten aber nur nach entsprechender Aufforderung nach einem atomaren Unfall eingenommen werden. Eine nicht zeitentsprechende Einnahme ist nach Expertenansicht nutzlos und sogar schädlich. Auch für Menschen, die älter als 45 sind, so die Kommission, ist das Risiko durch die Nebenwirkungen der Jodtabletten größer als das Risiko einer zukünftigen Schilddrüsenkrebserkrankung. Wichtig also: Die Jodtabletten dürfen nicht vorsorglich, sondern nur nach entsprechender Aufforderung der Katastrophenschutzbehörde eingenommen werden.

Welche Verhaltensregeln gelten im Ernstfall?

Ergänzend zu der heute beginnenden Vorverteilung der Jodtabletten gibt es seit dem Frühjahr eine Informationsbroschüre. In der Broschüre "Information für die Bevölkerung in der Umgebung des Kernkraftwerkes Tihange (B)" wird erklärt, wie die Katastrophenschutzbehörden im Ernstfall für eine Information der Bevölkerung sorgen und welche Verhaltensregeln empfohlen werden. Und es geht um Vorsorge- und Vorsichtsmaßnahmen, wie zum Beispiel die Vorverteilung von Kaliumiodidtabletten. Viele wissenswerte Aspekte zum Katastrophenschutz sind in der Broschüre zusammengefasst. Fragen wie "Was kann passieren?" oder "Wie wirkt Radioaktivität?" werden beantwortet und auch die sogenannte "Ines-Skala" zur Bewertung der Stärke von nuklearen und radiologischen Ereignissen wird erläutert.

Die von der Koordinierungsgruppe herausgegebene gemeinsame Broschüre "Information für die Bevölkerung in der Umgebung des Kernkraftwerkes Tihange (B)" kann über die Homepage des Kreises Heinsberg (www.kreis-heinsberg.de) herunter geladen werden.

Wer hilft bei weiteren Fragen?

Für Rückfragen zur Onlinebeantragung der Bezugsscheine stehen, ebenfalls ab heute, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Heinsberger Kreisverwaltung unter der Telefonnummer 02452 130 zur Verfügung.

Quelle: RP
 
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