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Langenfeld
Flüchtlingsmädchen Marzije hat hier Fuß gefasst

Langenfeld. Ernst Rindt kümmert sich ehrenamtlich um siebenköpfige Familie aus Afghanistan, spricht von gelungener Integration. Von Stephan Meisel

Als ehrenamtlicher Betreuer kümmert sich Ernst Rindt (77) um Flüchtlinge in Langenfeld. "Viele dieser Menschen benötigen unsere Hilfe und da fühle ich mich zu sozialem Engagement verpflichtet", sagt der Rentner, der früher als Ingenieur weltweit tätig war. Mit seiner Hilfe bei Behördengängen ist eine siebenköpfige afghanische Familie in Langenfeld wieder zusammengekommen.

Und wie vor allem Tochter Marzije Haidary (18) hier Fuß gefasst hat, ist für den 77-Jährigen "ein Beispiel gelungener Integration". Als sie mit Mutter und Schwester 2014 ankam, sprach Marzije kein Deutsch. Jetzt strebt sie Abitur und Medizinstudium an. Die Familiengeschichte erzählt Rindt so: "Nach dem Einmarsch der Russen in Afghanistan floh das Ehepaar Atia und Najibullah Haidary 1984 in den Iran und lebte dort etwa 30 Jahre als Asylanten ohne jede Rechte." Ihren Lebensunterhalt verdienten sie durch illegale Arbeit als Schneider. Aufgrund von Repressalien durch die Behörden mussten sie den Iran verlassen. Da sie bei einem Verwandten in Afghanistan auf Dauer nicht sicher waren, entschlossen sie sich zur Flucht nach Europa. Über die Türkei gelangten sie nach Griechenland. Ziel war Deutschland, wo bereits Verwandte wohnten.

Mutter und Töchter mussten laut Rindt nach der Ankunft in Langenfeld ein halbes Jahr warten, bis der Vater und die Söhne aus Griechenland folgten. "Das Geld für die Schlepper nach Österreich hatte nicht gereicht." Außerdem sei der Vater an der österreichischen Grenze aus einem Schlepperbus heraus festgenommen worden. "Nach vielen Mühen konnte er im Juni 2015 im Rahmen des Dublin-Abkommens zur Familie reisen." Eine Anhörung beim Bundesamt erfolgte erst im August 2016, die Anerkennung als Flüchtlinge im Dezember.

Marzije hatte sich da in der neuen Heimat schon gut eingelebt. Ab Februar 2015 lernte sie in einer Förderklasse (DAZ) für Ausländer und freiwillig zusätzlich bei der Volkshochschule Deutsch, besuchte die Käthe-Kollwitz-Hauptschule, schaffte den Realschulabschluss mit mit einem Notendurchschnitt von 1,8. Sie spricht mittlerweile ausgezeichnet deutsch, beherrscht außerdem neben ihrer Muttersprache Dari noch persisch und englisch. "Mein Lieblingsfach ist Mathematik", sagt Marzije. Aufgrund ihrer hervorragenden Leistung wurde sie am Berufskolleg Opladen für den neu eingerichteten Zweig 'berufliches Gymnasium, Richtung Gesundheit' angenommen. "Mein Ziel ist das Abitur und die Hochschulreife, um Medizin studieren zu können." Marzijes größter Wunsch: "Mehr Platz in der Wohnung." Trotz Anerkennung als Flüchtlinge teilt sich die siebenköpfige Familie zwei Zimmer in der Gemeinschaftsunterkunft an der Theodor-Heuss-Straße. Rindt bedauert, "dass für diese Familie bisher nichts zu finden ist". Unter den beengten Verhältnissen fällt Marzije das Lernen schwer. "Ich gehe oft in den Freizeitpark, da ich mich dort besser konzentrieren kann."

Quelle: RP
 
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