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Lokalsport
HTC leistet sportlichen Offenbarungseid

Lokalsport: HTC leistet sportlichen Offenbarungseid
Das Debakel bahnt sich an: Obwohl in der ersten Hälfte noch zwölf Minuten zu spielen sind, hat der bemitleidenswerte Jonas Radeke im Tor des HTC SW Neuss bereits fünf Treffer kassiert. Am Ende gewinnt Berlin mit 10:1. FOTO: A. Woitschützke
Neuss. Nach unterirdischer Leistung unterliegt der Hockey-Bundesligist aus Neuss dem Berliner HC im Jahnstadion mit 1:10. Von Dirk Sitterle

Der A380, der größte Passagierjet der Welt, am strahlend blauen Himmel. Ein majestätischer Moment. Dummerweise war der Blick auf den 520 Fluggäste fassenden Airbus der arabischen Fluggesellschaft Emirates, der täglich nonstop von Düsseldorf nach Dubai fliegt, zur Halbzeitpause der Partie zwischen dem HTC SW Neuss und dem Berliner HC der einzige Höhepunkt, zumindest aus Sicht der Gastgeber. Da war das Match der Hockey-Bundesliga ohnehin schon entschieden, lagen die Gäste von der Spree bereits mit 6:0 vorne. Am Ende vervollständigte der 10:1-Erfolg des BHC den sportlichen Offenbarungseid des abgeschlagenen Schlusslichts.

Der von Beginn an erstligaunwürdige Auftritt seiner von allen guten Geistern verlassenen Truppe machte selbst den bislang stets überoptimistischen Trainer Omar Schlingemann ratlos: "Komisch. Die Jungs haben gut trainiert, alle waren heiß. Und dann so was. Ich verstehe das nicht ...." Nach kurzer Pause fügte er jedoch hinzu: "Wir wissen schon, woran es liegt. Einige spielen nur für die Bühne, sind gar nicht da - im Hier und Jetzt. Aber das müssen wir erst intern besprechen."

Nur eine Woche nach dem überraschenden 1:1 beim Deutschen Meister RW Köln trat Schwarz-Weiß wie ein Absteiger auf. Der fassungslose Teammanager Stephan Busse ging sogar noch einen Schritt weiter: "Das war noch nicht mal zweitligareif." Schon nach einer Viertelstunde war das Spiel entschieden, weil Berlins Torschützen Fabian Jost-Brinkmann (3.), Jonas Gomoll (8.) und Marian Klink (15.) auf keinen nennenswerten Widerstand trafen. Das naive und von haarsträubenden Fehlern bestimmte Defensivverhalten seiner Schützlinge enttäuschte Schlingemann, der nach dem 0:3 in einer Auszeit vergeblich versucht hatte, sein Team neu zu sortieren, sehr: "Die Mannschaft ist immer optimal vorbereitet. Aber einige Spieler sagen etwas, machen es dann aber nicht und missachten selbst klare Ansagen." Nach Anton Ebelings Doppelschlag (21./23.) zum 0:5 machte Philipp Weide, der mit dem HTC 2007 im DM-Halbfinale gestanden hatte (1:2 nach "Golden Goal" im Mönchengladbacher Hockeypark gegen Alster Hamburg), seinem Frust lautstark Luft. "Wenn Ihr nicht deckt, brauchen wir gar nicht spielen", herrschte er seine Mitspieler an. Besser wurde es indes auch in der Folge nicht. Noch vor dem Seitenwechsel machte wiederum A-Nationalspieler Jonas Gomoll mit seinem zweiten Treffer das halbe Dutzend voll (33.). Der böse im Stich gelassene Jonas Radeke im Kasten der Neusser konnte einem wirklich leid tun. Und Schlingemann schwante: "Das könnte heute zweistellig werden."

Wurde es schließlich auch. Zwar krönte Matthias Gräber nach weiteren Gegentoren durch Gomoll (0:7/43.), Ebeling (0:8/45.) und Martin Zwicker (0:9/49.) die starke Vorarbeit von Sebastian Draguhn mit dem 1:9 (60.), doch da stand für den in Sachen Platzpflege bereits seit 9 Uhr auf der Anlage beschäftigten Teamchef Carlos Navarette längst fest, dass er sich das folgende Hamburg-Wochenende mit den Partien in Harvestehude und Uhlenhorst sparen wird. Gomolls Eckentreffer zum 1:10 (70.) erlebte Busse schon nicht mehr mit, er betrieb im Klubheim aktiven Frustabbau ...

Quelle: NGZ
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