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Flüchtlinge in der EU
Was führt Flüchtlinge nach Ungarn?

Fotos: Flucht zu Fuß von Budapest nach Österreich
Fotos: Flucht zu Fuß von Budapest nach Österreich FOTO: dpa, ase
Budapest. Ungarn hat allein in diesem Jahr bereits mehr als 150.000 Asylanträge registriert. Seit Wochen kommen täglich mehr als tausend weitere Flüchtlinge, vor allem über das Nachbarland Serbien. Viele wollen sich gar nicht erst registrieren lassen, weil sie auf die Weiterreise in den Westen hoffen.

Ein Grund für den starken Anstieg dürfte sein, dass Flüchtlinge aus den Krisenregionen jetzt verstärkt die Balkan-Route statt den gefährlichen Weg über das Mittelmeer nach Europa wählen. Das Auswärtige Amt in Berlin weist darauf hin, dass Ungarn, gemessen an der eigenen Bevölkerungszahl, in Europa am meisten von dem starken Flüchtlingszuzug betroffen ist.

Auf ihrem Weg über den Balkan ist Ungarn eine wichtige Transitstation, weil das Land seit 2007 zur grenzkontrollfreien Schengen-Zone gehört. Die wenigsten Flüchtlinge wollen in Ungarn bleiben. Bis vor drei Monaten konnten sie auch weitgehend ungehindert gen Westen weiterreisen, weil Ungarns Behörden sie kaum kontrollierten.

Fotos: Flüchtlinge fliehen aus Lagern in Röszke und Bicske FOTO: ap

Die jetzige Eskalation hängt nach Ansicht von Ministerpräsident Viktor Orban vor allem damit zusammen, dass Deutschland inzwischen entschieden hat, Flüchtlinge aus Syrien nicht mehr in die europäischen Länder zurückzuschicken, über die sie in die EU eingereist sind. Nach Analysen ungarischer Medien hat aber auch das widersprüchliche Verhalten der örtlichen Behörden dazu beigetragen, die an einem Tag Flüchtlingszüge nach Westeuropa fahren ließen, um sie am nächsten Tag zu stoppen.

Ein Wendepunkt in der ungarischen Asylpolitik kam im Juni dieses Jahres, als mehrere EU-Staaten ankündigten, insgesamt rund 16 000 Flüchtlinge nach Ungarn zurückzuschicken, weil diese bereits dort registriert worden seien. Dies entspricht dem Dublin-III-Abkommen. Daraufhin beschloss Ungarn den Bau eines Zauns an der 175 Kilometer langen serbischen Grenze, der Flüchtlinge abhalten soll. Zudem teilte Budapest mit, die Flüchtlinge aus dem Westen nicht wieder aufnehmen zu wollen.

Fotos: Flüchtlinge stranden am Bahnhof in Bicske FOTO: dpa, ase sh

Druck für den Bau des Grenzzauns hatte vorher bereits die rechtsradikale Oppositionspartei Jobbik gemacht, Ungarns zweitstärkste politische Kraft. Jobbik hatte damit Anfang dieses Jahres auf den damaligen, inzwischen abgeflauten starken Zuzug von Migranten aus dem Kosovo reagiert.

Inzwischen kommen immer mehr Migranten nach Ungarn. Allein am Donnerstag haben 5600 Männer, Frauen und Kinder Mazedonien erreicht, wie das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) am Freitag mitteilte. Ihr Ziel dürfte Westeuropa sein.

(dpa)
 
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