| 22.02 Uhr

71:75 gegen die Niederlande
DBB-Team patzt – EM-Ticket in Gefahr

Deutschland - Niederlande 71:75
Deutschland - Niederlande 71:75 FOTO: dpa, a sab
Oberhausen. Drittes Spiel, dritter Sieg – das war der Plan, dessen Erfüllung einen großen Schritt in Richtung Endrunde der Basketball-EM 2017 bedeutet hätte. Allerdings spielte der Gegner nicht mit. Vor 4686 Zuschauern gewann das Team der Niederlande gegen Deutschland mit 75:71 (40:35) – und der Erfolg war verdient. Von Eckhard Czekalla

Den frühen 4:13-Rückstand steckten die Gäste locker weg (14:13), blieben auch nach dem 18:27 (13.) ruhig. Angetrieben von ihrem überragenden Spielgestalter Charlon Kloof und Center Nicolas de Jong (je 20 Punkte) zogen sie auf 72:60 (38.) davon. Als es für das Team von Bundestrainer Chris Fleming bitter zu werden drohte, verkürzten seine Spieler noch.

Der Weg zur Endrunde ist schwerer geworden. Da Österreich gegen Dänemark gewann, sind drei Teams vor der Rückrunde punktgleich. Nur der Gruppensieger löst direkt das EM-Ticket. Nach dem Auftaktsieg in Kiel gegen Dänemark (101:78) und dem auf den letzten Drücker sichergestellten Erfolg in Österreich (61:59) präsentierten sich die Gastgeber in der Offensive schwach. Zu viele Bälle wurden verloren, zu schlecht war die Wurfausbeute. Paul Zipser (14), Robin Benzing (13), Johannes Voigtmann (11) und Maodo Lo (10) trafen zweitstellig für den enttäuschten und enttäuschenden Verlierer.

Pleiß spielt keine Rolle

Einer, der eigentlich eine feste Größe ist, spielte keine Rolle. "Er ist unser Anker" beschreibt Chris Fleming den 2,18 Meter langen Tibor Pleiß, dessen Hauptaufgabe als Center darin besteht, unter den Körben aufzuräumen. Der in Bergisch Gladbach geborene Profi ist seit knapp zwei Wochen ohne Verein. Vielleicht liegt es daran, dass er derzeit nicht wie gewohnt auftrumpft.

Auch gegen die Niederlande lief es in der Offensive nicht gut. Null Punkte in der ersten Halbzeit, am Ende stand ein Punkt zu Buche, da Pleiß die meiste Zeit auf der Bank verbrachte. Sein Versuch, sich in der nordamerikanischen Profiliga NBA zu behaupten, scheint gescheitert. Im Sommer 2015 hatte er bei den Utah Jazz einen Dreijahresvertrag unterschrieben. Doch während die Stammspieler in der regulären Saison auf maximal 82 Einsätze kamen, war Pleiß gerade zwölf Mal dabei. Insgesamt trug er 82 Minuten das Jazz-Trikot und 19 Punkte. Gleich fünfmal wurde er zu den Idaho Stampede geschickt. Im Farmteam der Jazz, das in der zweitklassigen D-League spielt, zeigte der Nationalspieler gute Leistungen.

Diese aber reichten nicht, die Klub-Verantwortlichen zu überzeugen. Am 26. August gaben die Utah Jazz den Center im Tausch gegen Aufbauspieler Kendall Marshall an die Philadelphia 76ers ab, die in der zurückliegenden Saison das schlechteste aller 30 Teams stellten. Doch auch dort hatte man für den langen Kerl aus Deutschland keine Verwendung. Die Folge: Entlassung. Pleiß, dem aus seinem Dreijahresvertrag für die kommende Saison ein Gehalt von drei Millionen Dollar (2,7 Millionen Euro) zusteht, ist auf Vereinssuche.

Die Chance, doch noch in der NBA unterzukommen, sind sehr schlecht. Eine Option sind Spitzenklubs in Europa. Auch dort kann man viel Geld verdienen. Das weiß Pleiß, der nach seinen Bundesliga-Jahren in Köln (2006 bis 2009) und Bamberg (bis 2012) nach Spanien wechselte. Nun erlebte Pleiß, wie schnell man in der NBA seinen Arbeitsplatz verlieren kann. "Die besten Jahre dieser Generation kommen noch, aber im Moment zählt nur die erfolgreiche Qualifikation", betonte Fleming. Er stellte aber klar: "Unser Anspruch ist, jedes Spiel zu gewinnen." Das gelang am Mittwoch nicht.

Quelle: RP
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