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Bremen
Bremen feiert Joker Pizarro

Bremen. Mit seinem Tor ebnet der 37-Jährige den Weg zum Sieg in Augsburg und beweist, dass er das Toreschießen nicht verlernt hat.

Nur ganz kurz stutzte Claudio Pizarro, als er den rundum gelungenen Bremer Fußball-Abend beim FC Augsburg und sein erstes Saisontor kommentierte. Der Stürmer-Oldie erzählte nach dem 2:1 gerade von der anstehenden Länderspielreise mit Peru, als er gefragt wurde, ob sein Flug wegen des Lufthansa-Streiks nicht gestrichen sei. Pizarro riss die Augen auf, blickte fragend zu den Journalisten und sagte leicht schmunzelnd: "Das ist die schlechte Nachricht heute." Augenblicke später fiel dem 37-Jährigen dann ein, dass er mit einer anderen Fluglinie gen Südamerika reisen wird - und schon war das Werder-Wochenende wieder komplett gelungen. Vor allem für Pizarro, der nach zwei Monaten im Dress von Werder Bremen sein erstes Saisontor erzielt hat.

Der Südamerikaner, der bei Rekordmeister FC Bayern im Sommer keinen neuen Vertrag mehr bekommen hatte und zum dritten Mal an die Weser gezogen war, machte um die Bedeutung des ersten Saisontores keinen Hehl. "Das war ein enorm wichtiger Treffer für mich", sagte er und räumte ein, große Probleme mit der Fitness gehabt zu haben. "Ich habe hart gearbeitet. Das Tor war der Lohn dafür." Dabei hatte der Routinier auch persönlich turbulente Wochen hinter sich.

Zunächst wurde er als vermeintlicher Heilsbringer zurück an die Weser geholt und leitete in seinem ersten Match als Joker gleich den Sieg in Hoffenheim mit einer Vorlage ein. Dann aber folgten fünf Niederlagen - und Pizarro war als Bankdrücker nicht mehr der Hoffnungsträger, sondern der untrainierte, alternde Ex-Star. In dieser Phase wurde er von einem peruanischen Journalisten sogar als "schwangere Schildkröte" verhöhnt. In Augsburg präsentierte sich diese "Schildkröte" nun wieder recht flink und technisch versiert, als sie sich in der 58. Minute frei lief und per Volleyschuss zum 1:0 den Sieg einleitete. Auch Augsburgs Trainer Markus Weinzierl lobte den Stürmer: "Pizarro ist eiskalt, effektiv. Das ist Qualität."

"Für diese Sachen haben wir ihn geholt", meinte Bremens Coach Viktor Skripnik. "Wir sind glücklich, dass er wieder gezeigt hat, dass er nicht nur ein großer Name, sondern auch ein wichtiger Spieler für uns ist." Die Bremer haben nun drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang und Schlusslicht Augsburg erstmal klar distanziert. "Das gibt Selbstvertrauen für die Mannschaft", sagte Claudio Pizarro nach seinem 177. Bundesligator.

Bremens Manager Thomas Eichin hofft, dass für Pizarro endlich "der Knoten geplatzt" ist. Allerdings übte sich der erleichterte Sportchef erneut als Mahner. Wir wollen nicht wieder den Fehler machen und völlig ausflippen", sagte Eichin und ergänzte in Richtung Pizarro: "Wir wissen, was wir an ihm haben, aber wir haben noch viel vor." Seit Sonntagabend ist die Hoffnung aber wieder gestiegen, dass der Rekord-Ausländer der Liga im Spätherbst seiner Karriere noch einmal zu einem wichtigen Faktor für Werder werden kann. Der Treffer erinnerte an den alten Pizarro, der je sechsmal Meister und Pokalsieger wurde, dazu mit Bayern die Champions League und den Weltpokal gewann. "Das ist es, was er kann, nämlich eiskalt treffen", sagte Teamkollege Fin Bartels, der mit dem zweiten Tor (69.) den Auswärtserfolg festmachte.

(dpa/sid)
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