| 15.33 Uhr

Real setzt gesperrten Spieler ein
Vertuschungsversuch: Benitez peinlich wie einst Rehhagel

Real droht nach 3:1 Disqualifikation
Real droht nach 3:1 Disqualifikation FOTO: ap
Cadiz. Blamage für Real Madrid und besonders Trainer Rafael Benitez: Der Coach setzte beim 3:1-Sieg in Cadiz den nicht spielberechtigten Russen Dennis Tscheryschew ein, die "Königlichen" dürften nun aus dem Königspokal ausgeschlossen werden

Beißender Spott, viel Häme und eine Menge Ärger: Mit seinem peinlichen Wechselfehler hat sich der ohnehin in der Kritik stehende Trainer Rafael Benitez bei Real Madrid selbst noch mehr in die Schusslinie gebracht. Der 55-Jährige ist nach der Pokalposse von Cadiz und dem bislang sportlich unbefriedigenden Saisonverlauf bei den Königlichen praktisch schon zum Abschuss freigegeben.

Zwar setzte sich der spanische Rekordmeister im Viertrunden-Hinspiel des spanischen Pokals beim Drittligisten FC Cadiz mit 3:1 (1:0) durch, doch dieser Pflichtsieg wird wertlos bleiben. Denn der Real-Coach nominierte den Russen Dennis Tscheryschew für die Startformation, obwohl der 24-Jährige nach drei Gelben Karten in der vergangenen Saison im Pokal gar nicht spielberechtigt war.

"Benitez, schau mal auf Twitter", spotteten die Cadiz-Fans schon während der Partie und auch die Sport-Tageszeitungen kippten am Morgen danach gleich eimerweise Häme über Benitez aus. "Benitez ist die Witznummer von Cadiz", hieß es bei As, Konkurrent Marca schlug in die gleiche Kerbe: "Ein Drittligist lacht über Benitez und Real." Die italienische Gazzetta dello Sport titelte von einem "galaktischen Durcheinander bei Real". Die Klubverantwortlichen tauchten zunächst ab, kündigten aber zumindest eine spätere Erklärung an.

Twitter amüsiert sich über gesperrten Spieler in Reals Startelf

Weder Benitez noch der Spieler selbst wussten angeblich, dass Tscheryschew als Ausleihe beim FC Villarreal dreimal verwarnt worden war. "Weder Villarreal noch der Verband haben uns gewarnt", sagte der konsternierte Coach nach der Partie mit weinerlicher Stimme und der Attitüde eines Beleidigten.

Tscheryschew gelang sogar der Führungstreffer für die Gäste, ehe er in der 46. Minute ausgewechselt wurde. "Um unseren guten Willen zu demonstrieren", sagte Benitez gönnerhaft nach der Partie.

Barcelona schießt Villanovense ab FOTO: afp, tg/llg/tg

Erinnerungen wurde dabei wach an die Bundesliga-Saison 1998/99. Damals hatte Otto Rehhagel als Trainer des 1. FC Kaiserslautern vier Nicht-Europäer eingesetzt und damit einen zuviel. Um den Fehler zu vertuschen, täuschte der Ägypter Hany Ramzy eine Verletzung vor und humpelte vom Feld. Lautern verlor das Spiel dennoch am Grünen Tisch.

Nützen wird der Wechsel auch Real nichts. Cadiz legte fristgerecht Einspruch gegen die Wertung der Partie ein und dürfte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch ohne Rückspiel das Achtelfinale im Königspokal erreichen. Erst im September war Zweitligist CA Osasuna wegen eines ähnlichen Fauxpas mit sofortiger Wirkung aus dem laufenden Wettbewerb verbannt worden.

Eine zusätzliche Warnung von dritter Seite drang angeblich nicht bis zum Chefcoach oder die Vereinsspitze vor. Dies jedenfalls behauptete der ehemalige spanische Spitzenschiedsrichter Emilio Rosanes in einem Interview mit dem Hörfunksender Cadena Cope.

"Ich kontrolliere gern Spielberechtigungen und habe sofort gesehen, dass es für Real gefährlich werden könnte, Tscheryschew in den Kader zu nehmen", sagte der Ex-Referee. Er habe den Klub umgehend per Telefon und via Fax über das Problem informiert, offensichtlich jedoch vergeblich.

Überdies ist Benitez Wiederholungstäter. Bereits in der Saison 1991/92 hatte er als junger Fußball-Lehrer in Diensten des FC Valencia den Rumänen Dennis Serban als vierten Nicht-EU-Ausländer eingewechselt, was seinerzeit nicht erlaubt war.

Aber auch in Deutschland sind mehreren Trainer derartige Patzer unterlaufen. Hennes Weisweiler, Otto Rehhagel und Christoph Daum waren dabei nur die Prominentesten ihrer Zunft.

(sid)
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