| 17.38 Uhr

DFB-Gegner im Porträt
Joachim Löw trifft auf sein Südkorea-Double

WM 2018: Deutschlands Gegner Südkorea im Porträt
Eine gewisse Ähnlichkeit ist durchaus vorhanden: Südkoreas Trainer Shin Tae-Yong gilt als der asiatische Joachim Löw. FOTO: rtr, KHJ/MMA /MJB
Seoul. Zum neunten Mal in Folge ist Südkorea bei einer Fußball-WM dabei. Doch Probleme gibt es reichlich. Nach der Entlassung ihres deutschen Trainers Ulli Stielike im Sommer ringen die Asiaten um ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Bräuchte Joachim Löw ein Double für den asiatischen Markt, Shin Tae-Yong würde auch ohne Casting engagiert. Das ebenholzfarbene Haar, die leichten Furchen im Gesicht: Die Ähnlichkeit zwischen dem Nationaltrainer Südkoreas und dem deutschen Weltmeister-Macher sind verblüffend. Doch das war es auch fast schon mit den Gemeinsamkeiten. Während Löw bei der WM in Russland mit Deutschland zu den absoluten Titel-Favoriten gehört, kämpft Shin bei den Asiaten um deren fußballerische Identität. Bei der WM kommt es zum Abschluss der Gruppe F zum Aufeinandertreffen zwischen Original-Jogi und seinem asiatischen Pendant.

"Wir müssen beweisen, dass der südkoreanische Fußball nicht tot ist. Ich versuche, ein Team zusammenzustellen, das dies hinbekommt", sagte Shin. So lange hat der 48-Jährige noch gar nicht das Sagen. Erst im Juni hatte sein deutscher Vorgänger Ulli Stielike gehen müssen. Die WM-Teilnahme war nach Qualifikations-Pleiten im Iran, China und Katar (!) stark gefährdet.

Mit Ach und Krach (zweimal 0:0 gegen den Iran und Usbekistan) hievte Shin die Mannschaft noch auf Rang zwei ihrer Gruppe. Das direkte WM-Ticket war gesichert. Zum neunten Mal in Folge; seit 1986 war Südkorea immer dabei. Doch mit einem Überraschungscoup wie 2002, als bei der Heim-WM sensationell Platz vier rausgesprungen war, kann nicht gerechnet werden. Das Team ist 59. der Weltrangliste - und dort gehört es auch hin.

"Jede Mannschaft bei der WM ist stärker als wir", sagte Kapitän Ki Sung-Yong von Swansea City. Tatsächlich mangelt es den Südkoreanern an Klasse. Doch Shin gibt sich kämpferisch: "Wenn wir nicht mit Talent mithalten können, müssen wir unsere Gegner kaputtarbeiten."

Ex-Bundesliga-Profi Heung-Min Son von Tottenham Hotspur ist der unangefochtene Star der Taeguk Warriors, wie die Mannschaft daheim genannt wird. "Son könnte in einem System mit zwei Stürmern spielen und mit seinen Fähigkeiten die gegnerische Abwehr auseinandernehmen", sagte Shin. Unterstützung bekommt Son dabei von den Augsburgern Ja-Cheol Koo und Dong-Won Ji.

Südkorea gehört in Russland zu den Außenseitern. FOTO: ap, JM FP

Und obwohl nicht zum Besten gehört, was in Russland für Südkorea über den Rasen rennen wird: Shin ist für seine Spieler voll des Lobes: "Ich denke, das ist die beste Mannschaft, die ich bisher als Trainer betreut habe". Generell steht für den Trainer die Entwicklung seiner Mannschaft im Vordergrund. "Wir sind nicht die Besten der Welt, aber müssen zeigen, dass wir Schritt für Schritt besser werden können", sagte Shin.

Diesen Satz hatte bestimmt auch Joachim Löw zu Beginn seiner Ära gesagt.

(sid)
 
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