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Olympia
So lief die Nacht in Rio

Phelps tritt mit 23. Goldmedaille ab
Phelps tritt mit 23. Goldmedaille ab FOTO: afp
Rio de Janeiro. Der achte Wettkampftag war aus deutscher Sicht erfolgreich. Christoph Harting und Schütze Christian Reitz holten die Goldmedaille, der Deutschland-Achter und Angelique Kerber Silber. Michael Phelps gewann in seinem letzten Olympischen Rennen noch einmal eine Goldmedaille. Das wichtigste aus der Nacht zum Nachlesen.

+++ Rekord-Olympiasieger Michael Phelps (USA) holt in seinem letzten Rennen mit der Lagenstaffel seine 23. Goldmedaille. "Ich bin glücklich, wie es endet. Ich habe die Tür so zugemacht, wie ich es wollte", sagt er.

+++ Der britische Superstar Mo Farah stürzt über 10.000 m und wiederholt seinen Olympiasieg von London 2012 doch. "Es nach vier Jahren wieder zu schaffen, ist umwerfend", sagt er. In London gewann er auch über 5000 m. Jetzt will er als zweiter Mann beide Strecken bei zwei aufeinander folgenden Spielen gewinnen. Das schaffte bisher nur der große Finne Lasse Viren (1972 und 1976).

+++ Während Außenseiterin Monica Puig überglücklich das erste olympische Gold für Puerto Rico feierte, packte die enttäuschte Angelique Kerber nach einem frostigen Handschlag in Windeseile ihre Tasche und stürmte vom Centre Court. Verpasst war die große Chance, erneut in die Fußstapfen von Steffi Graf zu treten. In einem spannenden Endspiel unterlag die favorisierte Kielerin dem Shootingstar überraschend mit 4:6, 6:4, 1:6 und musste sich mit Silber trösten. Graf hatte 1988 Gold gewonnen.

+++ Zur neuen schnellsten Frau der Welt wird Elaine Thompson. Im 100-Meter-Showdown setzt sich die 24-Jährige in 10,71 Sekunden gegen die US-Amerikanerin Tori Bowie (10,83) durch. Auf Platz drei verpasst es Weltmeisterin Shelly-Ann Fraser-Pryce aus Jamaika (10,86), als erste Leichtathletin in derselben Disziplin dreimal Olympia-Gold in Serie zu holen. Tatjana Pinto (Paderborn) scheitert im Halbfinale.

+++ Als bei der Siegerehrung die deutsche Fahne für Christoph Harting hochgezogen wurde, benahm sich der Goldmedaillengewinner im Diskuswerfen daneben. Er verschränkte die Arme vor der Brust, pfiff vor sich hin und machte Faxen. Der DOSB ließ verlauten, er finde das Verhalten "nicht gut". Sportlich war Christoph Harting unantastbar, sein Sieg sogar sensationell: Mit dem letzten Wurf überholte er Weltmeister Piotr Malachowski (Polen). Bronze holte sich Daniel Jasinski (Wattenscheid).

+++ Christian Reitz lächelte. Mehr nicht. Den Jubelsturm über das dritte deutsche Schützengold binnen drei Tagen überließ er seinem Team auf der Tribüne. In einem Herzschlagfinale hatte sich Reitz mit der Schnellfeuerpistole zum Sieg geschossen und damit das beste Abschneiden einer deutschen Mannschaft seit 40 Jahren perfekt gemacht. "Ich kannte die Goldmedaille bislang nur von Bildern. Wenn man sie dann einmal hat, will man sie gar nicht mehr loslassen", sagte er.

+++ Völlig ausgepumpt saßen die Ruderer des Deutschland-Achters minutenlang auf ihren Rollsitzen. Ihr großer Kampf wurde nicht wie erhofft mit Gold, aber immerhin mit Silber belohnt. Gegen den bärenstarken Weltmeister Großbritannien war einfach kein Kraut gewachsen. "Es gibt zwei Flieger nach Hause. Einen mit und einen ohne Medaillengewinner. Wir sitzen im richtigen Flieger", sagte Andreas Kuffner.

+++ Die deutschen Fußballer sind durch ein hochverdientes 4:0 (1:0) gegen Portugal eindrucksvoll ins Halbfinale gestürmt – und nur noch einen Schritt vom Endspiel im Maracana entfernt. Am Mittwoch in Sao Paulo (16.00 OZ/21.00 MESZ) ist Nigeria Gegner im Kampf ums Finalticket.

+++ Der überragende Andreas Wolff zeigte die Siegerfaust, Bundestrainer Dagur Sigurdsson klatschte zufrieden Beifall: Die deutschen Handballer sind in die Erfolgsspur zurückgekehrt und haben mit dem dritten Sieg im vierten Spiel den Einzug ins olympische Viertelfinale sicher. Die Europameister besiegten Slowenien mit 28:25 (11:12) und schürten Hoffnungen auf weitere große Würfe.

Der 8. Tag in Rio – die anderen Deutschen

+++ Die Hockey-Frauen unterlagen nach einer enttäuschenden Leistung gegen die Niederlande 0:2 (0:1) - hatten allerdings schon schon zuvor das Viertelfinale erreicht. Dort treffen sie am Montag auf die USA.

+++ Erstmals seit 1992 findet das Finale im Stabhochsprung ohne Deutsche statt. Der frühere Stabhochsprug-Weltmeister Raphael Holzdeppe, 2012 in London noch Olympia-Dritter, scheiterte nach einer verkorksten Saison ebenso in der Quali wie die Leverkusener Tobias Scherbarth und Karsten Dilla (alle 5,45 m).

+++ Carolin Schäfer aus Friedrichstein verpasste eine Medaille im Siebenkampf knapp. Die 24-Jährige sammelte 6540 Punkte und musste sich mit Rang fünf begnügen - 113 Zähler fehlten zu Vizeweltmeisterin Brianne Theisen-Eaton (Kanada) auf dem Bronze-Rang. "Ich bin ziemlich durch. Vielleicht gibt es eine Sitz-Party auf dem Zimmer", sagte sie. Jennifer Oeser wurde Neunte, Claudia Rath 14.

+++ Auch am letzten Wettkampftag im Olympic Aquatics Stadium waren die Deutschen nur Zuschauer, als es um die Medaillen ging. Die Lagenstaffel um Marco Koch (Darmstadt) wird Siebte. In nur sieben Endläufen waren deutsche Schwimmer im Wasser - beim London-Debakel waren es noch acht.

+++ Der Siegeszug von Laura Ludwig und Kira Walkenhorst geht weiter: Die Beachvolleyballerinnen setzen sich gegen die Schweizerinnen Isabelle Forrer/Anouk Vergé-Depré 2:0 (21:19, 21:10) durch und erreichen souverän das Viertelfinale an der Copacabana. Dort warten am Sonntag Sarah Pavan und Heather Bansley (Kanada).

+++ Die deutschen Tischtennis-Männer stehen im Viertelfinale. Fahnenträger Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov und Bastian Steger setzten sich 3:1 gegen Taiwan durch. In der Runde der letzten Acht wartet am Sonntag (15.00 Uhr OZ/20.00 Uhr MESZ) Europameister Österreich. Einen Schritt weiter sind die Frauen, die am Sonntag im Halbfinale auf Japan treffen.

+++ Bahnrad-Sprinterin Kristina Vogel hofft auf Gold, wird im Keirin aber nur Sechste. "Die goldene Ananas ist meine, nicht die Kirsche", sagt die Erfurterin.

+++ Badminton-Rekordmeister Marc Zwiebler (Bischmisheim) ist bei seinen dritten Olympischen Spielen vorzeitig in der Gruppenphase gescheitert.

(seeg/sid)
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