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Krefeld
2000 Flüchtlinge ohne einen Asylantrag

Das Flüchtlingslager in Krefeld-Forstwald
Das Flüchtlingslager in Krefeld-Forstwald FOTO: Carola Puvogel
Krefeld. Ein Großteil der in Krefeld lebenden rund 3600 Flüchtlinge konnte noch keinen Asylantrag stellen. Der Bund kommt nicht nach. Damit stockt auch die Integration: Die Flüchtlinge können keine Sprachkurse besuchen. Zugleich hat sich die Zahl der Menschen, die in Turnhallen untergebracht sind, deutlich reduziert. Von B. Kleinelsen und J. Voss

Weil der Bund die Masse der Asylanträge nur langsam abarbeitet, beherbergt eine Stadt wie Krefeld 2000 von 3600 Flüchtlingen, die noch nicht ihren Asylantrag haben stellen können. Damit stockten auch die Bemühungen um Integration. Sprachkurse bei der VHS zum Beispiel sind nur mit Zulassungspapieren des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) möglich. Zugleich hofft die Stadt aufgrund der gesunkenen Flüchtlingszahlen, eine der gesperrten Turnhallen wieder freigeben zu können.

So ist die Koerverhalle des Ricarda-Huch-Gymnasiums nicht mehr voll ausgelastet: Dort sind aktuell 128 Flüchtlinge untergebracht; die Halle kann knapp 200 Menschen aufnehmen. In den anderen Turnhallen leben laut Stadt zurzeit rund 450 Flüchtlinge. Die Zahl der Flüchtlinge in Turnhallen hat sich damit deutlich reduziert: Anfang Juni hieß es noch, es seien etwa 800 Personen in den Hallen untergebracht, nun sind es knapp 580.

Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können FOTO: dpa, rwe jai

Rund 1.600 Personen der 2000 Flüchtlinge, die noch keinen Asylantrag gestellt haben, stammen aus den Ländern Iran, Irak, Eritrea und Syrien, teilte die Stadt weiter mit - Personen also, deren Asylanträge nicht aussichtslos sind, weil sie nicht aus sogenannte Sicheren Herkunftsstaaten kommen. Dazu zählen bislang die EU-Staaten, die Balkanländer Kosovo, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Mazedonien, Montenegro und Albanien sowie die afrikanischen Staaten Ghana und Senegal. Nach Vorstellung der Bezirksregierung Arnsberg sollen in den nächsten Wochen alle Asylsuchenden in NRW einen Asylantrag gestellt haben und erkennungsdienstlich erfasst worden sein, teilte die Stadt mit.

Bearbeitungsstaus gibt es auch bei den Anträgen für Sprachkurse. An der Volkshochschule warten die Dozenten der Integrationskurse in sehr vielen Fällen noch immer auf die Zulassungspapiere ihrer künftigen Schüler. Erst wenn die Papiere des Bundesamtes für Migration vorliegen, können die Asylsuchenden unterrichtet werden.

Hintergrund: Flüchtlinge in Turnhallen

"Doch es gibt dort einen Bearbeitungsstau, der alle Weiterbildungsinstitute betrifft, die solche Kurse anbieten", erklärt Volkshochschulleiterin Inge Röhnelt und betont: "Wir stehen bereit und haben unsere Aufgaben erledigt. Sobald die Zulassungen vorliegen, kann es losgehen." Inzwischen hat sich sogar der Dachverband der Volkshochschulen mit dem Bundesamt für Migration kurzgeschlossen, um in den Fällen eine beschleunigte Bearbeitung zu erwirken, in denen Flüchtlinge, die mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Anspruch auf die Kurse haben, bereits länger als zwölf Wochen auf ihre Zulassung warten. Anspruch auf diese Kurse haben Flüchtlinge aus Syrien, Iran, Irak und Eritrea. Zwischen 600 und 900 Deutschstunden werden je nach Bedarf durch Bundesmittel gefördert. Im vergangenen Jahr gaben allein die Dozenten der VHS Krefeld 17.000 Unterrichtsstunden in Integrationskursen. "Am Anfang waren es nur 10.500 Unterrichtsstunden. Und die Tendenz ist weiter steigend", sagt Inge Röhnelt.

Das Problem an den langen Wartezeiten durch den Bearbeitungsstau: Können die ersten Deutschkurse nicht starten, fehlen auch Teilnehmer für die Folge-Kurse, in denen es dann unter anderem um die vorzeitige Eingliederung in den deutschen Arbeitsmarkt geht.

Quelle: RP
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