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Der BV zeigt, wie Inklusion im Fußball geht

Lokalsport: Der BV zeigt, wie Inklusion im Fußball geht
Im Fachgespräch: Schirmherr und Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe mit Fußballern des FC Basel. Auch Weckhovens Jugendleiter Markus Bausch (r.) hat aus seiner Praxis eine Menge zum Thema Inklusion beizutragen. FOTO: Andreas Woitschützke
Weckhoven. Die zweite Auflage des internationalen Turniers in Weckhoven hatte am Ende mehr Sieger als Hansa Rostock und den FC Oda/Holland. Von Dirk Sitterle

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat in seinen 21 Landesverbänden aktuell fast 6,9 Millionen Mitglieder. Die erst im April gegründete Inklusions-Abteilung des BV Weckhoven ist Heimat für genau 38 Sportler - und ist trotzdem ein wahrer Gigant. "Wir gehören zu den Größten in Deutschland", sagt Abteilungsleiter Holger Trappen stolz.

Weil der Ballspielverein von 1927 damit nicht nur bundesweit eine Lücke besetzt, ist die zweite Auflage seines Turniers "Fußball mit Handicap" mittlerweile ein echter Euro-Hit. 26 Mannschaften kamen am Samstag auf die großzügige Bezirkssportanlage an der Karl-Gördeler-Straße, um in Neuss miteinander zu kicken - darunter renommierte Vereine wie der FC Basel, Rapid Wien, Werder Bremen und Hansa Rostock. Dass die angebotenen Altersklassen unter (U)16 und über (Ü)16 dabei ziemlich weit gefasst waren, zeigt, wie neu der Gedanke, behinderte und nichtbehinderte Menschen miteinander Fußball spielen zu lassen, für den DFB noch immer ist. "Es gibt einfach kaum Mannschaften", weiß Trappen, der sich daher gut vorstellen könnte, die Zusammenarbeit zu intensivieren. Die Gespräche laufen bereits.

Er und Macher wie BV-Jugendleiter Markus Bausch sind auf jeden Fall bereit, ihre Erfahrungen zu teilen. "Es gibt im Rhein-Kreis Neuss derzeit 17 Vereine, die sich für die Inklusion engagieren. Damit sind wir sehr stark", erklärt Thomas Lang, Vorsitzender sowohl des BV Weckhoven als auch des Sportbundes Rhein-Kreis Neuss (KSB). "Fußball-Inklusion ist im Moment noch unser Alleinstellungsmerkmal im Kreis, aber wir haben bereits Gespräch mit dem BV Wevelinghoven aufgenommen. Als weitere Sportart soll demnächst Rollstuhl-Tischtennis dazukommen." Allerdings fehlen gerade in diesem Bereich ausgebildete Jugendleiter.

Dabei bringt der Umgang mit den ansteckend offenen "Handicaps" die fast immer ehrenamtlich tätigen Übungsleiter auch persönlich weiter. Karl-Heinz Kobus (SVG Weißenberg) zum Beispiel ist im Fußball seit mehr als vier Jahrzehnten als Schiedsrichter unterwegs, aber seit er Partien der am Niederrhein erst im November an den Start gegangenen Handicap-Liga leitet, fühlt er sich wie nach einer Frischzellenkur. "Da kommt so viel Freude zurück, das ist fast wie früher, als wir selber noch gespielt haben." Prompt stibitzte ihm ein von hinten durch seine Beine geschlüpfter Spaßvogel die Kugel - und fragte dann listig: "Hast Du auch Deine Karten dabei?"

Der kleine Balldieb kam natürlich ungeschoren davon, aber ganz ohne Vorgaben ging es nicht: Neben Kobus kümmerte sich während der Finalrunde (jedes Match dauerte 1x14 Minuten) in Justin Jerzy (SF Vorst) noch ein weiterer Kollege um die Einhaltung der Spielregeln. Jedes Team bestand aus sieben Akteuren, von denen höchstens zwei nicht behindert sein durften. Ihr Geschlecht spielte ebenso keine Rolle wie der Grad der Beeinträchtigung. So jagten geistig behinderte Fußballer Seite an Seite mit ihren körperlich gehandikapten Kameraden dem runden Leder hinterher. "Das ging nicht anders, weil es, wie gesagt, viel zu wenige Mannschaften gibt, aber wir wollen es auch nicht anders", stellte Trappen klar und bekannte: "Ich finde das sehr charmant."

Und weil am Ende der von André Scheidt, Stadionsprecher bei Fortuna Düsseldorf, moderierten Finalspiele irgendwie alle gewonnen hatten, bekam in Florian "Badewanne" Müller (Rapid Wien) der Gewinner des "Fairness-Pokals" auch den mit Abstand größten Applaus.

Quelle: NGZ
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