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Alice Weidel verlässt Sendung
Die 7 denkwürdigsten Talkshow-Abgänge

Alice Weidel Abgang aus Wahlsendung: Die 7 schrägsten Talkshow-Abgänge
Wolfgang Bosbach verlässt die Sendung von Sandra Maischberger. FOTO: WDR/Melanie Grande
Düsseldorf. Erst neulich machte der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach den gekonnten Abgang aus einer Talkshow vor, jetzt hat es ihm Alice Weidel nachgetan. Wir haben die sieben denkwürdigsten Momente aufgelistet, in denen Gäste die Sendung verließen. 

Dass man auch weiter diskutieren kann, wenn einer mit einer Axt auf den Tisch kloppt, machte 1971 der Bandmanager von "Ton Steine Scherben", Nikel Pallat, vor. Ihm passte die "scheiß liberale" Sendung nicht und holte plötzlich eine Axt heraus, mit der er versuchte, den massiven Holztisch im Studio zu zertrümmern. Klappte aber nicht. "So, jetzt können wir weiter diskutieren", sagte Pallat, nachdem er mit dem Tisch fertig war. 

Wenn heute im Fernsehen jemand auf den Tisch haut, verlässt danach meistens irgendein Gast die Sendung. Wir haben die sieben denkwürdigsten Abgänge aufgelistet.  

1. Nachdem CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer den thüringischen AfD-Vorsitzenden Björn Höcke als "Rechtsradikalen" bezeichnet hatte, verließ die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel die Wahlsendung von Marietta Slomka. Weidel warf der Moderatorin später bei Facebook vor, sich "parteiisch" und "unprofessionell" verhalten zu haben. 

2. Im Juli 2017 verließ CDU-Politiker Wolfgang Bosbach die Sendung von Sandra Maischberger. Das Thema war der wenige Tage zuvor beendete G20-Gipfel in Hamburg. Während des Gipfels hatte es Ausschreitungen von Linksextremisten gegeben. Bosbach geriet mit der Linksaktivistin Jutta Ditfurth über die Rechtmäßigkeit des Polizeieinsatzes aneinander. Der CDU-Politiker fand Ditfurths Argumentation "unerträglich". Sie bezeichnete ihn als "Mimose". 

3. Der damalige AfD-Sprecher Bernd Lucke verließ 2014 das "Studio Friedman" auf n24. Moderator Michel Friedman hatte ihn zuvor gefragt, ob er hinter einer Aussage von Beatrix von Storch stehe. Storch hatte damals mit einem Zitat für Aufsehen gesorgt, weil sie behauptet hatte, "Multikulti" habe die Aufgabe, Völker religiös und kulturell auszulöschen. Lucke wollte sich nicht klar distanzieren, Friedman hielt ihm die Frage aber immer wieder vor - solange bis beide ihre Stimme erhoben und Lucke kurzer Hand das Studio verließ. 

4. Nicht nur in politischen Talkshows verlieren Gäste oder Moderatoren schon mal die Nerven. 2012 vergraulte Moderatorin Charlotte Roche ihren Gast Max Herre aus ihrer gemeinsamen Talksendung mit Jan Böhmermann auf ZDF.kultur. Roche provozierte Herre unter anderem damit, dass sie die Texte seiner damals aktuellen Platte als "schöne Schlager" bezeichnete. Ein Affront für den Deutsch-Rapper, der ihr vorwarf, das Album nicht gehört zu haben und anschließend das Studio verließ. Co-Moderator Jan Böhmermann hatte noch in der Sendung versucht, Roche zu stoppen. Er fand, dass Roche zu weit gegangen sei. 

5. Ein Klassiker unter den Talkshow-Abgängen ist Eva Herman. Die ehemalige Tagesschau-Moderatorin wurde 2007 von Johannes B. Kerner aus dessen Sendung hinauskomplimentiert. Herman hatte kurze Zeit vorher das Buch "Das Prinzip Arche Noah" vorgestellt. Bei der Vorstellung hatte sie das Frauenbild des Dritten Reiches glorifiziert. Dafür wurde sie heftig kritisiert, Herman verlor daraufhin auch ihre Stelle beim NDR. Bei Kerner wurde sie genau danach gefragt. Als Herman keine Einsicht zeigte, platzte der Schauspielerin Senta Berger der Kragen. Sie war ebenfalls zu Gast in der Sendung. Als sie gehen wollte, entschied Kerner, lieber Eva Herman aus dem Studio zu schicken. 

6. Campino geriet 1997 in einer NDR-Talkshow mit der mittlerweile verstorbenen Schauspielern Maria Schell aneinander. Die beiden stritten sich über "die Jugend". Schell beklagte sich, die Jugend interessiere sich nicht genug. Der Frontsänger der Toten Hosen nannte das "Bullshit". Maria Schell nannte ihn im Verlauf der Diskussion "Burschi" und provozierte ihn. Campino sprach daraufhin von "nekrophilen Kampfgelüsten". Irgendwann hatte er keine Lust mehr. "Ich will mich nicht streiten heute, ich möchte mich verabschieden, bevor ich mich im Ton vergreife", sagte er und ging. Schell rief ihm noch ein "Sie sind feige" nach. 

7. Auch die Bundeskanzlerin war schon einmal an einem Talkshow-Abgang beteiligt. 1992 als Bundesfamilienministerin stritt sie sich mit der Abtreibungsgegnerin und DDR-Schriftstellerin Karin Struck über Sexualaufklärung bei Jugendlichen. Struck geriet aus der Fassung und verließ die Sendung. Bei dem Versuch, ihr Mikrofon auszuziehen, entblößte sie vor den Studiogästen noch ihre Unterhose. Dann pfefferte sie das Mikrophon ins Publikum. Merkel ließ sich nicht davon aus der Ruhe bringen - das Teflon-Gen hatte sie damals schon. 

Hier lesen Sie mehr über den Abgang von Alice Weidel aus der ZDF-Wahlsendung.

(heif)
 
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