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Athen/Berlin
Griechen wollen nicht zahlen

Porträt: Varoufakis – Medienexperte und Ex-Finanzminister
Porträt: Varoufakis – Medienexperte und Ex-Finanzminister FOTO: dpa, el ase
Athen/Berlin. Die Auswirkungen der bevorstehenden Staatspleite zeigen sich weltweit. Es kommt zu einem Kursrutsch an den Börsen. In Griechenland bleiben die Banken bis zum Ende der Woche geschlossen.

Die Regierung in Athen hat gestern angekündigt, eine fällige Schuld von 1,6 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht zu begleichen. Die Rate müsste bis morgen sechs Uhr unserer Zeit gezahlt werden. Damit entfalle auch jede künftige Zahlung durch den IWF, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Die Auswirkungen der bevorstehenden griechischen Staatspleite zeigten sich weltweit. Am ersten Tag der Bankenschließung kam es zu einem Kursrutsch an den Börsen. Der deutsche Leitindex Dax fiel kurz nach Handelsstart um 4,6 Prozent unter 11 000 Punkte. Der befürchtete Börsencrash blieb aber aus.

Die Europäer gaben sich entschlossen, ihre Linie gegenüber Griechenland beizubehalten. Der Bitte des griechischen Premierministers Alexis Tsipras an die Geldgeber, die Hilfsprogramme bis zum Referendum am Sonntag zu verlängern, kamen Kanzlerin Angela Merkel und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker nicht nach. Auch die Europäische Zentralbank lehnte eine Bitte der Griechen ab, die Notkredite erneut aufzustocken.

Die Euro-Staaten hatten am Samstag die Verhandlungen mit Griechenland abgebrochen. Zuvor hatte die griechische Regierung das letzte Angebot der Euro-Gruppe für eine Verlängerung des Hilfsprogramms abgelehnt und eine Volksabstimmung über die Forderungen der EU angekündigt. Sie empfiehlt für das Referendum am Sonntag ihren Bürgern ein Nein.

In einer wohl abgestimmten Aktion machten EU-Politiker deutlich, dass die Griechen auch über ihre Mitgliedschaft in der Währungsunion abstimmen. Neben Frankreichs Staatschef François Hollande, Juncker und Europaparlamentspräsident Martin Schulz äußerten sich auch Merkel und Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) in diesem Sinne. Juncker rief die Griechen auf, gegen ihre Regierung zu stimmen. Er verbarg seinen Ärger nicht: "Der Versuch, eine Demokratie gegen 18 andere der Euro-Zone auszuspielen, steht Griechenland nicht."

Merkel zeigte sich für Verhandlungen offen, aber frühestens nach dem Referendum. Sie erklärte zugleich, dass es keine neuen Angebote geben werde. "Wir könnten vielleicht sagen, geben wir einfach mal nach. Aber ich sage: Langfristig werden wir damit Schaden nehmen", betonte die Kanzlerin. Allerdings rief US-Präsident Barack Obama Europa auf, noch vor dem Referendum wieder mit Athen zu sprechen. Es sei wichtig, ein Reformpaket zu schnüren, das es Griechenland erlaube, zu Wachstum innerhalb der Eurozone zurückzukehren, sagte sein Sprecher nach einem Telefonat von Obama mit Hollande.

In Griechenland bleiben Börsen und Banken bis Ende der Woche geschlossen, um einen Bankensturm zu verhindern. Jeder Grieche darf derzeit täglich nur 60 Euro vom Bankautomaten abheben. Die Regierung erwägt, am Donnerstag die Banken zu öffnen, damit diese Renten und Pensionen auszahlen.

Die Opposition im Bundestag warf der Regierung vor, die Risiken der Krise zu unterschätzen. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte: "Die Gefahr ist größer, als sie vielen im Moment erscheint." Linken-Fraktionschef Gregor Gysi forderte weitere Verhandlungen.

(anh/jd/may-/qua)
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