1. Bundesliga 17/18
| 20.13 Uhr

BVB-Rückschlag in Frankfurt
"Ich weiß auch nicht, was wir noch machen sollen"

Nuri Sahin trifft gegen Franfurt zum 1:0
Nuri Sahin trifft gegen Franfurt zum 1:0 FOTO: afp
Frankfurt. Nur 2:2 nach 2:0: Für Borussia Dortmund ist eine ernüchternde Woche mit der nächsten Enttäuschung zu Ende gegangen. Bei Eintracht Frankfurt verspielte der BVB einen scheinbar sicheren Sieg.

Noch lange nach dem Schlusspfiff standen die Spieler von Borussia Dortmund tief enttäuscht auf dem Rasen herum. Diskussionen über eine Krise erstickten sie beim Gang in die Kabine jedoch im Keim. "Wenn hier auch nur einer danach fragt", sagte Mittelfeldspieler Nuri Sahin nach der nächsten Enttäuschung mit fester Stimme, "gehe ich sofort!"

Unangenehme Fragen musste sich der Dortmunder Torschütze dennoch stellen lassen. Zum zweiten Mal in nur einer Woche war der BVB an einem der besten Spiele der bisherigen Bundesliga-Saison beteiligt. Zum zweiten Mal warfen sie 90 packende und chancenreiche Minuten in ihren Ambitionen weit zurück. Erst ein 2:3 gegen RB Leipzig am vergangenen Samstag, jetzt ein 2:2 (1:0) nach 2:0-Führung bei Eintracht Frankfurt an diesem Samstag. Das peinliche 1:1 bei APOEL Nikosia am Dienstag mit eingerechnet, hat der BVB eine ernüchternde Woche hinter sich, die einen komfortablen Vorsprung in der Bundesliga-Tabelle und wohl auch alle Chancen in der Champions League gekostet hat.

"Wir führen 2:0 und spielen nur 2:2 - das darf uns nicht passieren", sagte Sahin. Und auch Trainer Peter Bosz haderte: "Ein bisschen Glück fehlt uns im Moment. Wenn man zum richtigen Zeitpunkt 2:0 vorne liegt und dann auch noch diese Chancen besitzt, muss man gewinnen." Anstatt die teilweise herausragenden Möglichkeiten aber zu nutzen und wie zu Saisonbeginn einfach mal locker und leicht drei, vier, fünf Tore zu erzielen, "haben wir erneut nicht den Fußball gezeigt, den wir normalerweise spielen können", monierte er.

Die Verunsicherung nach den beiden Rückschlägen gegen Leipzig und Nikosia hat der BVB in Frankfurt nie ablegen können. Nicht einmal nach den beiden Toren von Nuri Sahin in der 19. und Maximilian Philipp in der der 57. Minute. Denn danach brauchte die Eintracht nur vier Minuten, um durch ein Elfmeter-Tor von Sebastien Haller (64.) und den Treffer von Marius Wolf (68.) wieder auszugleichen.

Frankfurt - Dortmund: Bilder des Spiels FOTO: rtr, RC

51 500 Zuschauer konnten sich daran erfreuen, "eine Schlacht bis zur letzten Sekunde" gesehen zu haben, wie Frankfurts Verteidiger David Abraham sagte. "Das war ein Leckerbissen, da war alles mit dabei: Kampf, Offensivfußball, tolle Fans", meinte auch Kevin-Prince Boateng. "Das war ein überragendes Spiel ohne Wenn und Aber."

Beide Teams vergeben beste Möglichkeiten

Nur für die Dortmunder war das kein Trost. Die Zweifel, ob diese Mannschaft für ein Spitzenteam nicht viel zu abwehrschwach und ausrechenbar ist, haben an diesem Tag neue Nahrung erhalten. Zehn klare Torchancen ließ der Bundesliga-Spitzenreiter gegen ein Bundesliga-Durchschnittsteam zu. Allein nach dem 2:2 hätten Mijat Gacinovic (70.) und Haller (79.) dieses Spiel komplett drehen können.

Auch für Torwart Roman Bürki verdichtete sich das Auf und Ab der vorangegangenen Tage in nur 90 Minuten. Schwerer Patzer am Dienstag, neuer Vertrag am Freitag: So war der Schweizer in dieses Spiel gegangen. Da rettete er dann drei Mal gegen Wolf (31.), Rebic (33.) und Haller (79.) - verursachte aber auch den Elfmeter vor dem 1:2.

Allerdings stand Bürki diesmal auch hinter einer durch mehrere Verletzungen und die Sperre von Sokratis erheblich geschwächten Abwehrreihe. Die Innenverteidigung bildeten der Mittelfeldspieler Julian Weigl und der zum ersten Mal seit März 2016 wieder in Schwarz-Gelb aufgelaufene Neven Subotic."Wir sind mit dem Ergebnis nicht zufrieden", sagte nach Schlusspfiff Subotic, dem die fehlende Spielpraxis in einigen Situationen anzumerken war. 

9. Spieltag: Reaktionen FOTO: dpa, mb gfh

Bosz: "Ich weiß auch nicht, was wir noch machen sollen"

Auf der anderen Seite versiebte auch die Borussia beste Gelegenheiten. Allein dreimal galt das für den ansonsten sehr unauffälligen Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang (42./50./53.). In der 90. Minute rettete Makoto Hasebe nach einem Schuss von Sahin auf der Frankfurter Torlinie. "Nur ein einziger Spieler stand da auf der Linie", meinte Bosz. Das war das, was er mit fehlendem Glück meinte.

Rasche Besserung ist anscheinend nicht in Sicht, zumindest hat Bosz die Lösung für die ausgelassenen Großchancen (noch) nicht parat. "Die Jungs versuchen es ja", sagte er, "ich weiß auch nicht, was wir noch machen sollen."

(cbo/sid/dpa)
 
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