1. Bundesliga 16/17
| 07.27 Uhr

Bundesliga
Die Bayern-Jäger

Die Meistertipps der Bundesliga-Trainer
Die Meistertipps der Bundesliga-Trainer FOTO: dpa, jai
Düsseldorf/München. Auch in dieser Saison ist der Rekordmeister wieder der ganz große Titelfavorit. Dortmund und Leverkusen wird am ehesten zugetraut, die Münchner zu ärgern. Schalke und Gladbach möchten ebenfalls eine gute Rolle spielen. Von Robert Peters

Alle Jahre wieder, wenn der Spätsommer anbricht, sagt Rudi Völler diesen Satz: "Wenn die Bayern mal schwächeln, dann muss man da sein." Man kann die Uhr nach Völlers Saisonausblick stellen. Es gab Zeiten, da bezog Bayer Leverkusens Sportdirektor sein Team ausdrücklich ein in die kleine Gruppe der Mannschaften, die da sein könnten, wenn der Branchenführer aus dem Tritt kommen sollte. In den vergangenen Jahren war er da nicht so optimistisch. In diesem Jahr überlässt er Trainer Roger Schmidt vor dem Start der Bundesliga die bescheidenen Töne. "Die Wiederholung unseres dritten Platzes aus der Vorsaison ist eine Herausforderung", erklärt der Coach.

Bayer hat sich gut verstärkt

Für völlig ausgeschlossen hält der für gewöhnlich sehr selbstbewusste Trainer es nicht, dass sein Team diese Herausforderung besteht. Es wäre dann zumindest eine Mannschaft, die sich im Verfolgerfeld der Münchner ansiedelt. Das ist kein übertriebener Anspruch an sich selbst. Schließlich hat sich Bayer durch Stürmer Kevin Volland von der TSG Hoffenheim, den Mittelfeldstrategen Julian Baumgartlinger von Mainz 05 und am Dienstag noch mit Innenverteidiger Aleksandar Dragovic verstärkt. Der 25 Jahre alte österreichische Nationalspieler verlässt Dynamo Kiew und unterschrieb einen Fünfjahresvertrag. Und Völler wehrte die Bemühnungen anderer Klubs um die Verpflichtung des Angreifers Chicharito und des Verteidigers Ömer Toprak ab. Das war ein Zeichen an die Konkurrenz.

Mitbewerber auf der vielzitierten Augenhöhe sieht Völler zunächst mal nicht in den Münchner Serienmeistern. "Ich kann keine Anzeichen für ein mögliches Schwächeln erkennen", erklärte er beim Fußballgipfel unserer Redaktion. Den Bayern gesteht er die Ausnahmerolle im deutschen Fußball weiterhin zu, "weil sie die letzte Schwachstelle, die des linken Innenverteidigers, beseitigt haben". Der Titelträger holte Weltmeister Mats Hummels von Borussia Dortmund. Damit schwächte er gleichzeitig den Vizemeister und erlegte so zwei Fliegen mit einer Klappe. Borussia Dortmund, das darüber hinaus den Abgang der Mittelfeldspieler Henrich Mchitarjan und Ilkay Gündogan verkraften muss, ist schon eher das Team, das Völler als Konkurrenten sehen möchte. Vorerst geht es da um den Platz hinter den Bayern.

Personeller Umbruch in Dortmund

Damit wird sich der BVB auf lange Sicht nicht zufrieden geben. Einnahmen und Ansprüche sind zu hoch, als dass die westfälische Borussia sich mit einem jahrelangen Wettbewerb um Rang zwei begnügen darf. Noch aber befindet sich Dortmund in einem personellen Umbruch. Es ist noch nicht heraus, wie lange es dauern wird, bis Trainer Thomas Tuchel ein mannschaftliches Gefüge gebastelt hat, das den Verlust großer Fußballer und großer Persönlichkeiten ausgleicht.

Zarte Hinweise darauf, dass es auch ohne Hummels, Mchitarjan und Gündogan sehr bald erstklassigen Fußball in Gelb und Schwarz geben wird, lieferte die Mannschaft im Spiel um den Supercup. Sie brachte die Bayern mit ordentlich Tempo und viel Angriffsschwung über weite Strecken der Begegnung in echte Verlegenheit. Dass sie am Ende mit 0:2 verlor, lag ebenso an nachlassender Kraft wie an Bayern Münchens Torwart Manuel Neuer und einem verschwenderischen Umgang mit den Torchancen, der an ganz große Dortmunder Zeiten bei den Meistertiteln 2011 und 2012 erinnerte. In Spielen gegen die Bayern bieten allerdings auch andere Mannschaften ihre beste Leistung. Wer oben wirklich mitspielen will, der benötigt eine zumindest vergleichbare Konstanz in den anderen Partien. Ob Dortmund bereits so weit sein kann, ist fraglich.

Dennoch sind der BVB und Bayer die Teams, deren Substanz dafür ausreicht, München einigermaßen das Wasser zu reichen. Für die Mannschaften dahinter kommt es allein darauf an, sich für die internationalen Plätze in Stellung zu bringen. Schalke sieht sich durch die Verpflichtung von Manager Christian Heidel und Trainer Markus Weinzierl gerüstet, in diesem Wettlauf eine gute Rolle spielen zu können. Es kommen sehr zuversichtliche Töne aus Gelsenkirchen. Aber das ist auch in jedem Spätsommer so. Die Mönchengladbacher gehören ebenfalls zu den Kandidaten für Europa. Sie haben sich, wie die Fußballer so unnachahmlich sagen, in der Spitze breiter aufgestellt. Und sie boten bereits in der vergangenen Saison sehr ansehnlichen und erfolgreichen Fußball.

Eine echte Wundertüte ist der VfL Wolfsburg, der sich noch vor zwölf Monaten als natürlicher Anwärter auf die Bayern-Verfolgung betrachtete. Ein enttäuschendes Jahr später halten sich die Bosse im VW-Klub mit mutigen Prognosen zurück.

Das ist klug.

Quelle: RP
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