1. Bundesliga 17/18
| 12.15 Uhr

Darmstadt ist heiß auf Bundesliga
Das Unmögliche irgendwie doch möglich machen

Erndtebrück - Darmstadt
Erndtebrück - Darmstadt FOTO: dpa, hak
Aufsteiger Darmstadt 98 wird sich in der kommenden auf einem schmalen Grat bewegen. Mit unbändigem Willen soll dennoch der Klassenerhalt gelingen.

Himmel oder Hölle, Wunder oder Misserfolg: Die Aufstiegs-Helden von Darmstadt 98 wandern in ihrer ersten Bundesliga-Saison seit 33 Jahren auf einem ganz schmalen Grat - und das wissen sie. "Natürlich wollen wir Kampfzonen errichten und von der Euphorie getragen werden", sagte Trainer Dirk Schuster und brachte ungeachtet aller Bescheidenheit die Vorfreude vor dem Auftakt gegen Hannover 96 am Samstag (15.30 Uhr/Live-Ticker) auf den Punkt: "Wir sind einfach geil auf das erste Spiel und müssen mit heißem Herz und kühlem Kopf zu Werke gehen."

Der Appell von Schuster ist ganz nach dem Geschmack von Stürmer Dominik Stroh-Engel: "Wenn wir versuchen, mit den anderen Teams Fußball zu spielen", warnte der Stürmer nämlich, "dann werden wir das zweite Tasmania Berlin."

Kampf, Leidenschaft, Aufopferung - wie in den Jahren zuvor wollen die Lilien mit diesen Tugenden das Unmögliche irgendwie doch möglich machen. Als eigentlich sportlicher Absteiger war in der Saison 2013/14 in der 3. Liga ebenso wie ein Jahr später als Aufsteiger im Bundesliga-Unterhaus nur der Klassenerhalt das erklärte Ziel gewesen. "Dieses Jahr wird es sehr haarig", sagte der für seinen Rauschebart bekannten Marco Sailer der Bild-Zeitung:
"Aber wir versuchen alles."

Leicht dürfte das Unterfangen naturgemäß dennoch nicht werden. Bei Eintracht Braunschweig oder dem SC Paderborn können die Darmstädter ja mal nachfragen, oder beim hessischen Nachbarn Eintracht Frankfurt. Dessen Vorstandsboss Heribert Bruchhagen bezeichnete die Lilien nämlich "als krassen Außenseiter", und er warnte sogar: "Schuster wird im März 2016 infrage gestellt."

All das ist aber noch Zukunftsmusik, ohnehin sind die Darmstädter nach ihrem feuchtfröhlichen Partymarathon längst wieder im Hier und Jetzt angelangt. "Für uns ist es immens wichtig, den Schalter umzulegen und nun jede Woche hart zu arbeiten", sagte Kapitän Aytac Sulu. Der 29 Jahre alte Innenverteidiger ist der verlängerte Arm des Trainers, wird in zahlreiche Planungen eingebunden.

Ob Sulu auch an der Zusammenstellung des Kaders beteiligt war, ist nicht überliefert. Jedenfalls gestaltete sich diese angesichts des begrenzten finanziellen Spielraums äußerst schwierig. "Wir brauchen ja auch nicht versuchen, mit den anderen Bundesligisten auf einer Höhe zu pinkeln. Dafür sind wir zu klein", sagte Schuster, der am Donnerstag noch zu Vertragsgesprächen unterwegs war. Am Freitag wurde der Transfer des österreichischen Rechtsverteidigers György Garics vom italienischen Serie-B-Klub FC Bologna unter Dach und Fach gebracht; der 31-Jährige erhielt einen Vertrag bis 2017.

Ebenso wie die Neuzugänge Konstantin Rausch (VfB Stuttgart), Mario Vrancic (SC Paderborn), Peter Niemeyer, Sandro Wagner (beide Hertha BSC Berlin), Luca Caldirola (Werder Bremen) und Junior Diaz (FSV Mainz 05) müsste der Neue noch die "Lilientugenden" verinnerlichen. Und da kommt wieder Sulu ins Spiel.

"Ich muss ihnen das Darmstadt- 98-Blut injizieren", sagte Sulu, "als Underdog haben wir ja nichts zu verlieren, wir können nur gewinnen." Zumindest theoretisch.

Dass seine Schützlinge auch mal drei oder vier Spiele nacheinander ohne Punktgewinn absolvieren werden, "darauf stellen wir uns sein", sagte Schuster und hat die Hoffnung auf den Klassenerhalt noch nicht aufgegeben: "Ich habe den festen Glauben, dass wir am letzten Spieltag noch die Möglichkeit haben, in der Liga zu bleiben und den Relegationsplatz zu erreichen."

Und dann dürfte Tasmania Berlin auch das schlechteste Team der Bundesliga-Historie bleiben...

(sid)
 
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