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Washington/Berlin
Die Wahl - und wie die Welt sie sieht

Washington/Berlin. Mit dem Sieg von Donald Trump ist einer der emotionalsten Präsidentschaftswahlkämpfe der USA zu Ende gegangen. Der Kandidat der Republikaner brachte nach vorläufigen Angaben mindestens 289 Wahlleute hinter sich, seine demokratische Gegenkandidatin Hillary Clinton kam auf 218. Nötig sind 270. Aufgrund des US-Wahlsystems nutzte es Clinton nichts, dass sie insgesamt mehr Stimmen (47,6 Prozent) bekam als Trump (47,5 Prozent).

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Der designierte 45. US-Präsident bot anderen Ländern Partnerschaft an. "Wir werden großartige Beziehungen pflegen", versprach der 70-jährige Trump. Amerika gehe aber vor. Dort wolle er das Wirtschaftswachstum verdoppeln.

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Die Börsen reagierten mit starken Kursschwankungen. Allerdings verkrafteten die Märkte den Schock schneller als das Brexit-Votum. Der Dax drehte zum Handelsende sogar ins Plus. Besonders profitieren konnten der Pharmariese Bayer und der Rüstungskonzern Rheinmetall.

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US-Präsident Barack Obama kommentierte die Niederlage seiner Parteikollegin Clinton mit den Worten: "Wir lecken unsere Wunden und gehen zurück in die Arena."

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In Mexiko wächst die Angst vor einer drastischen Verschlechterung der Beziehungen zwischen beiden Ländern. Der mexikanische Peso sank auf einen historischen Tiefstand. Das Land bekräftigte, es werde sich nicht an den Kosten des Baus einer Mauer beteiligen.

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Russlands Präsident Wladimir Putin, der früh seine Sympathien für Trump durchblicken ließ, gratulierte als einer der Ersten. Er hoffe nun auf bessere Beziehungen zwischen den beiden Atommächten.

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Putin-Berater Sergej Markow räumt nach der Wahl erstmals ein: "Vielleicht haben wir mit Wikileaks ein bisschen geholfen." Dies berichtet der britische Journalist Shaun Walker und bestätigt gegenüber "Bild", Markow habe ihm das Zitat im Gespräch persönlich gegeben.

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Die Türkei, Südkorea und der Irak richteten als militärische Verbündete prompt Forderungen an den künftigen Staatschef der Supermacht USA. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg rief Trump auf, das Engagement der Vereinigten Staaten im Bündnis nicht zu reduzieren.

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Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif betonte, dass Trump als Präsident das Atom-Abkommen von 2015 umzusetzen habe. Trump hatte sich im Wahlkampf davon distanziert.

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Die radikalislamischen Taliban forderten den künftigen US-Präsidenten zum Abzug aller US-Truppen aus Afghanistan auf. Trumps Regierung solle den Afghanen erlauben, "eine freie Nation zu werden".

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Die EU-Außenminister beraten am Sonntag in Brüssel über die Folgen der Trump-Wahl. Der österreichische Außenminister Sebastian Kurz sagte, wichtig sei nun, dass die EU künftig in besonderem Maß eine eigenständige europäische Politik ohne Vorabsprachen mit Washington formuliere.

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Rechtspopulisten in aller Welt feierten den Ausgang der Wahl. Der Vizepräsident des französischen Front National, Louis Aliot, erklärte, die US-Wähler hätten "einer arroganten Elite den Stinkefinger gezeigt". Nigel Farage, Ex- Chef der rechtspopulistischen Ukip, der Großbritannien mit aus der EU führte, meinte: "Es scheint, als würde 2016 zum Jahr zweier großer politischer Revolutionen." Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders twitterte: "Die Amerikaner holen sich ihr Land zurück." Auch die AfD äußerte sich erfreut.

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Der Vatikan wünscht Trump alles Gute bei der Führung der USA. Man werde dafür beten, dass Gott ihm Erleuchtung bringe, sagte Vatikan-Außenminister Kardinal Pietro Parolin.

Quelle: RP
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