| 19.13 Uhr

Die "Königlichen" in der Krise
Trainer bei Real Madrid – ein Traumjob?

Die Trainer von Real Madrid
Die Trainer von Real Madrid FOTO: dpa, jrp sam
Düsseldorf (RPO). Der Trainerjob bei Real Madrid scheint auf den ersten Blick das Paradies zu sein. Es winkt ein üppiges Gehalt, der Kader der "Königlichen" besteht fast nur aus Superstars und genügt das Personal dennoch nicht den Ansprüchen, tauscht man es einfach aus, da Geld in Madrid keine Rolle spielt. Die Realität sieht jedoch ein wenig anders aus. Von Denis Canalp

Manuel Pellegrini kann ein Lied davon singen, was es bedeutet, Trainer bei Real Madrid zu sein. Seit Beginn dieser Saison ist der Chilene für das Starensemble verantwortlich und bekommt den immensen Druck zu spüren. Druck aus dem Umfeld, Druck von den Fans, Druck von den Medien und schließlich Druck vom mächtigen Präsidenten Florentino Perez, der mit Millionen die Superstars regelmäßig nach Madrid lotst.

Tanz auf einer Hochzeit

In der Meisterschaft läuft alles nach Plan für Real, das vor der Saison über 250 Millionen Euro in neue Spielerbeine investierte. Punktgleich mit dem Erzrivalen und Champions-League-Sieger FC Barcelona grüßen die Königlichen von der Tabellenspitze, doch nach dem peinlichen Aus im Pokal gegen Drittligist Alcorcon und dem jüngsten Scheitern im Achtelfinale der Champions League steht Pellegrini bereits vor dem Aus. Selbst der mögliche Meistertitel ist keine Garantie für seinen Verbleib im Santiago Bernabeu – Jupp Heynckes, der heutige Trainer von Bayer Leverkusen, wurde 1998 sogar nach dem Gewinn der Champions League gefeuert.

Von der Wiederholung solcher Triumphe träumt Real nun schon seit 2002. Damals schlugen Zinedine Zidane und Co. Leverkusen im Endspiel in Glasgow 2:1 und die "Königlichen" feierten den neunten und bislang letzten Erfolg im Landesmeister-Pokal und Champions League. Seit 2004/2005, also nunmehr sechs Mal in Folge, kam Madrid nicht mehr über die Runde der letzten 16 Teams in der Königsklasse hinaus. Eine Ohrfeige für den Klub, der in diesem Zeitraum mehr als 700 Millionen Euro in den Kader steckte.

Ein Grund für die ausbleibenden Erfolge könnte die mangelnde Kontinuität auf der Trainerbank sein. Pellegrini ist seit Beginn der finsteren Serie bereits der achte Übungsleiter, der sein Glück in der spanischen Hauptstadt versucht. Lediglich Bernd Schuster durfte seitdem länger als zwölf Monate werkeln – nach 17 Monaten war jedoch auch für den "blonden Engel" Schluss bei Real. Kein anderer europäischer Top-Klub tauscht so oft seine sportliche Leitung aus.

Wenger, Mourinho und Benitez

Nun werden die Rufe nach einem neuen Trainer in Madrid wieder laut. Und obwohl Generaldirektor Jorge Valdano öffentlich für einen Verbleib Pellegrinis wirbt, werden auch schon Namen gehandelt und natürlich sind es nur die Großen im Geschäft, die für die Mission "Champions-League-Sieg" infrage kommen. Arsene Wenger vom FC Arsenal, Rafa Benitez vom FC Liverpool und Jose Mourinho von Inter Mailand – nur das Beste ist für Madrid gerade gut genug. Doch die Frage bleibt, ob ein neuer Trainer – und sei er noch so erfolgreich – mit neuem Personal sofort die Champions League gewinnt.

Mourinho scheiterte schon beim FC Chelsea mit den Millionen von Roman Abramowitsch im Rücken an diesem ehrgeizigen Projekt, Wenger steht zwar für modernen und attraktiven Fußball und die Förderung junger Spieler, jedoch nicht für Titel. Benitez gewann zwar schon 2005 mit Liverpool die Champions League, läuft aber in der Meisterschaft regelmäßig der Musik hinterher.

Präsident Perez hat die Qual der Wahl. Der Auserwählte – wer auch immer den Zuschlag erhält – kann sich jedenfalls schon auf neue Spieler freuen. Wayne Rooney von Manchester United und Steven Gerrard vom FC Liverpool stehen angeblich ebenso auf der aktuellen Wunschliste für die kommende Saison wie Bayern Münchens Franck Ribery. Denn sicher ist: Real bleibt sich treu. Das gilt jedoch auch für den Verschleiß von Trainern.

(can)
 
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