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Confed Cup 2017
Vorspielen für Löw

DFB-Elf schuftet für Auftaktspiel gegen Australien
DFB-Elf schuftet für Auftaktspiel gegen Australien FOTO: dpa, chc
Düsseldorf. Deutschland tritt mit einem "Perspektivteam" an. Für Russland ist der Confed Cup eine WM-Generalprobe. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Turnier. Von Robert Peters

In der vermeintlich fußballfreien Zeit erfreut der Weltverband Fifa seine Kundschaft mit dem Pokal der Konföderationen, kurz Confed Cup, in Russland. Vom 17. Juni bis zum 2. Juli spielen acht Teams um einen Titel, dessen sportlicher Wert zumindest umstritten ist. Es passt zur Veranstaltung, dass auch über die Politik im Ausrichter-Land gestritten wird. Kritische Äußerungen hat sich aber gerade gestern Russlands stellvertretender Ministerpräsident Vitali Mutko in seiner Eigenschaft als Chef des Fußball-Verbands verbeten. "Wir haben in diesem Land eine stabile Situation. Wir haben Gesetze, wir haben eine Vorgehensweise", sagte er.

Fragen und Antworten zum Confed Cup:

Was ist der Confed Cup? Vorläufer des Konföderationen-Pokals, in dem Mannschaften aus allen Konföderationen des Weltverbands aufeinandertreffen, ist der König-Fahd-Pokal. Er wurde 1992 und 1995 in Saudi-Arabien ausgetragen. 1997 übernahm die Fifa die Veranstaltung und stockte das Teilnehmerfeld von sechs auf acht Teams auf. Seit 2001 dient das Turnier als Vorbereitung auf die im Jahr darauf folgende WM, seither wird der Confed Cup alle vier Jahre ausgespielt. Teilnehmer sind die Meister der Kontinentalverbände, der Gastgeber der nächsten WM und der Weltmeister.

Deutsche Erfolge? Fehlanzeige. Die ruhmreiche DFB-Auswahl nahm zweimal am Confed Cup teil. 1999 in Mexiko schied das von Trainer Erich Ribbeck betreute Team in der Vorrunde aus, nachdem es sich zu einem 2:0 gegen Neuseeland, einem 0:2 gegen das damalige Entwicklungsland USA und einem 0:4 gegen Brasilien gerumpelt hatte. Viel besser lief es 2005 bei der Veranstaltung im eigenen Land. Deutschland bekam eine Ahnung vom Sommermärchen, das folgen sollte. Die DFB-Auswahl wurde durch ein 4:3 nach Verlängerung gegen Mexiko Dritter. Seither war die Mannschaft nicht mehr qualifiziert.

Die Aussichten der DFB-Auswahl? Schwer zu sagen, weil Bundestrainer Joachim Löw seinen Stars Urlaub gönnt und ein sogenanntes Perspektivteam auflaufen lässt. Statt der Weltmeister Mesut Özil und Toni Kroos stellen sich in Russland die Weltmeisterchen Shkodran Mustafi und Julian Draxler vor. Das gefällt den Ausrichtern nicht. Aber das "Perspektivteam" hat beim Test in Dänemark angedeutet, dass es aus dem Stand mit europäischer Konkurrenz mithalten kann. Ob es gegen Australien zum Auftakt (Montag, 17 Uhr/MESZ) oder gegen Chile (Donnerstag, 20 Uhr) einen ähnlich positiven Eindruck hinterlassen kann, ist nicht heraus. Der Anspruch der Spieler ist allerdings weltmeistertauglich. "Wenn wir hinfahren, wollen wir auch gewinnen", erklärte Joshua Kimmich, der Verteidiger von Bayern München.

Wer ist der Favorit? Alle sagen Chile, nur die Chilenen nicht. "Für mich sind wir keine Favoriten, das sind Deutschland und Portugal", sagte der ehemalige Bundesligaprofi Gonzalo Jara (Mainz 05). Er verwies darauf, dass auch die vergleichsweise unbekannten deutschen Spieler in den Spitzenklubs beschäftigt sind. Damit kann jedoch auch Chile dienen. Ihre Topstars Alexis Sanchez (Arsenal) und Arturo Vidal (Bayern München) haben nicht gerade die unbedeutendsten Arbeitgeber. Löw rühmt die taktische "Variabilität auf allerhöchstem Niveau". Und er weiß aus eigener Anschauung, in welche Probleme das Tempospiel der Chilenen einen Gegner stürzen kann. Deutschland gewann ein paar Monate vor der WM 2014 ein Testspiel in Stuttgart mit 1:0. Bis heute weiß aber niemand, wie das geschehen konnte.

Die Bedeutung für Russland? Es ist einerseits die Chance, den Ernstfall WM organisatorisch zu üben. Andererseits will sich Russland vor der Welt natürlich ins beste Licht rücken. Politische Kundgebungen sind noch weniger erwünscht als ohnehin schon. Die Ordnungskräfte werden deshalb dafür sorgen, dass die Mini-WM ungestört bleibt - mit den bekannt rigorosen Mitteln. Präsident Wladimir Putin verlangt von der russischen Mannschaft "aufzutreten wie Krieger". Nach einem netten Image klingt das nicht.

Ist es das letzte Confed-Cup-Turnier? Darüber wird vor allem in Deutschland laut diskutiert. "Ich glaube, dass sich der Wettbewerb überlebt hat", urteilte DFB-Präsident Reinhard Grindel. Löw hat bereits in seiner Kader-Zusammenstellung nachgewiesen, was er von der Veranstaltung hält. Die deutschen Klub-Oberen kritisieren die übertriebene Belastung ihrer Spieler. Die Fifa hat die Klagen gehört. Letzten Endes entscheidet der wirtschaftliche Erlös über den Fortbestand der Mini-WM.

Quelle: RP
 
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