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Handball-Champions-League
Im Finale um die Handball-Krone gibt es keinen Favoriten

Handball-Champions-League: Kein Favorit im Finale
FOTO: dpa, yv sam nic
Köln. Vardar Skopje hat sich im Halbfinale der Handball-Champions League überraschend gegen den FC Barcelona durchgesetzt. Im Finale geht es gegen Paris Saint-Germain um Nationalspieler Uwe Gensheimer. Einen Favoriten gibt es im Endspiel nicht. Von Eckhard Czekalla

Luka Cindric hatte keine Chance. Seine Mitspieler rannten hinter dem Playmaker aus Kroatien hinterher, fingen den 23-Jährigen ein - und in der sich bildenden Spielertraube war Cindric nicht mehr zu erkennen. In der letzten Sekunde das Halbfinales gegen den FC Barcelona hatte der Handballprofi von Vardar Skopje den Ball zum 26:25 in Netz gedonnert und mit seinem vierten Treffer die Überraschung perfekt gemacht.

Der Meister aus Mazedonien spielt am Sonntag (18 Uhr) in Köln um die europäische Handballkrone. Gegner ist Frankreichs Champion Paris St. Germain, der sich im ersten Halbfinale ebenfalls nur knapp mit 27:26 (11:11) gegen den ungarischen Topklub Telekom Veszprem durchsetzte.

Der Jubel beim Team aus der französischen Hauptstadt fiel nüchterner aus, weil er nicht so unerwartet kam. "Wir haben gesagt, es ist noch nicht vorbei. Wir haben nur den ersten Schritt geschafft", sagte Uwe Gensheimer. Der vor Saisonbeginn vom alten und neuen Deutschen Meister Rhein-Neckar Löwen nach Paris gewechselte Kapitän der deutschen Nationalmannschaft war wie der ehemalige Welthandballer Mikkel Hansen (Dänemark) siebenmal erfolgreich. Beide führen auch die Torschützenliste der Champions League an. Linksaußen Gensheimer traf 113 Mal, Rückraumspieler Hansen kam bislang auf 95 Treffer. Da ist dem 30 Jahre alten Deutschen die Torjägerkrone bereits sicher.  

Einen Favoriten gibt es im Finale nicht. Alle vier Klubs, das zeigen die knappen Ergebnisse, sind auf Augenhöhe. "Wir hatten am Ende auch etwas Glück", sagte Alex Dujshebaev. Mit sieben Toren hatte der Rückraumspieler großen Anteil daran, dass Skopje bei seiner ersten Teilnahme das Endspiel erreichte. 20 Sekunden vor Abpfiff hatte Kiril Lazarov, der ab Sommer Teamkollege den deutschen Linksaußen Dominik Klein beim französischen Erstligisten Nantes wird, gegen seinen Landsleute zum 25:25 getroffen. Fünf der letzten sieben Treffer seiner Mannschaft hatte der 37-Jährige erzielt. Eine Verlängerung drohte. Skopjes spanischer Trainer Raul Gonzalez Gutierrez nahm eine Auszeit. Und wenig später jubelten die Fans aus Mazedonien und jeder war froh, dass Cindric sich als 15-Jähriger gegen Fußball bei Dinamo Zagreb und für den Handball entschieden hatte.

Auch in der ersten Partie versuchte ein Trainer kurz vor Schluss mit einer Auszeit der Partie noch eine Wende zu geben. Der Spanier Xavier Sabate, der vom Flensburger Chefcoach Ljubomir Vranjes abgelöst wird, schwor seine Profis auf einen Spielzug ein, der letztlich aber erfolglos blieb. Statt der erhofften Verlängerung und der Chance auf den Einzug ins Endspiel blieb für Veszprem nur das Spiel um Platz drei gegen Barcelona (15.15 Uhr ) und der Kampf um die Prämie von 150.000 Euro (der Vierte kassiert noch 100.000). Doch das Geld ist kein Trost für die verpasste Chance. Auch beim vierten Auftritt in Folge in Köln reichte es nicht zum großen Wurf. Im Vorjahr, bei der einzigen Finalteilnahme, hatte Veszprem gegen den polnischen Meister Kielce in den letzten 14 Minuten der regulären Spielzeit einen Neun-Tore-Vorsprung  verspielt und letztlich im Siebenmeterwerfen verloren. Diesmal war erneut schon wieder  in der Vorschlussrunde Schluss.

"Es fühlt sich schlecht an", sagte Barcelonas Kapitän Victor Tomas. Nur zwei ihrer 14 Spiele hatten die Katalanen auf dem Weg nach Köln verloren, eine souveräne Saison gespielt -  aber im entscheidenden Moment den Kürzeren gezogen. Sieben Tore wie Dujshebaev erzielte auch Rechtsaußen Ivan Cupic für Skopje und kann nun davon träumen, wie im Vorjahr mit Kielce die Champions League zu gewinnen.

Vor einem Jahr war Paris im Halbfinale an Kielce gescheitert. Im zweiten Anlauf will das Starensemble die Trophäe sichern. Für Torhüter Thierry Omeyer wäre es nach 2003 (Montpellier), 2007, 2010, 2012 (jeweils Kiel) der fünfte Triumph, für Nikola Karabatic der vierte mit vier Klubs (Montpellier/2003), Kiel (2007), Barcelona (2015) und für den ehemaligen Kieler Coach Zvonimir "Noka" Serdarusic der Erfolg, der ihm in seiner erfolgreichen Karriere noch fehlt. Welthandballer Karabatic, der gegen Veszprem nur ein Tor erzielte, allerdings das vorentscheidende zum 27:25, Gensheimer  und Co. werden versuchen, dem 66-Jährigen und sich selbst einen Traum zu erfüllen.

 
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