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St. Petersburg
Gazprom und Eon erweitern Pipeline

Ostsee-Pipeline Nord Stream: Russland will die Ukraine umgehen
FOTO: dpa
St. Petersburg. Russland will die Ukraine umgehen. Eon und Metro sind in St. Petersburg dabei.

Die Ostsee-Pipeline Nord Stream soll nun doch verlängert werden. Der Gazprom-Konzern vereinbarte mit dem Düsseldorfer Eon-Konzern, Shell und OMV den Bau zweier weiterer Röhren nach Deutschland. An dem Konsortium, das die Stufen drei und vier des Nord-Stream-Projekts bauen soll, will sich Gazprom mit 51 Prozent beteiligen. Die Firmen unterzeichneten auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg ein Memorandum.

Mit der Erweiterung soll die Energieversorgung der EU-Staaten abgesichert und die krisengeschüttelte Ukraine als bisher wichtigstes Transitland für russisches Erdgas umgangen werden. Die neuen Stränge sollen 55 Milliarden Kubikmeter Gas zusätzlich in die Europäische Union leiten.

Russland plant zudem die neue Leitung Turkish Stream durch das Schwarze Meer in die Türkei und bis nach Griechenland. Sie soll eine Kapazität von 63 Milliarden Kubikmetern Gas im Jahr haben. Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras, der gestern ebenfalls in St. Petersburg war, hofft, dass die Russen ihm milliardenschwere Vorauszahlungen auf die Pipeline gewähren. Das würde die Finanznot seines Landes etwas mildern.

"Der Bau der zusätzlichen Röhren wird zur Erhöhung der Sicherheit und Zuverlässigkeit der Lieferungen beitragen", sagte Gazprom-Chef Alexej Miller zur Erweiterung der Ostsee-Pipeline. Russland hält die Ukraine für unzuverlässig und hatte dort in der Vergangenheit illegales Abzapfen von Gas beklagt. Die beiden Länder streiten zudem über Lieferpreise und Gasschulden. Um unabhängiger von Kiew zu werden, hatte Moskau auch bereits die bestehenden Nord-Stream-Stränge bauen lassen.

Doch nicht nur die Pipeline war Thema beim Internationalen Wirtschaftsforum. Hunderte Topmanager aus dem Ausland reisten nach St. Petersburg, um Geschäfte zu machen und auch in Zeiten von Sanktionen den Dialog mit den russischen Geschäftspartner zu pflegen.

Unter anderem dabei ist Klaus Schäfer, Chef der vor der Abspaltung stehenden Eon-Tochter Uniper. Auch Metro-Chef Olaf Koch nimmt teil. "Russland ist ein wichtiger Markt für uns, daher ist der Dialog in Petersburg für uns wichtig", sagte ein Sprecher des Düsseldorfer Handelskonzerns, der in Russland 20 000 Mitarbeiter hat.

Insgesamt bewerten die europäischen Unternehmer die Lage in Russland derzeit wegen der Wirtschaftskrise pessimistisch. "In den nächsten ein bis zwei Jahren erwarten wir nur wenig positive Entwicklung", sagte Frank Schauff, Chef des Unternehmerverbands.

Quelle: RP
 
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