Düsseldorf (RP)
17.500 Impfdosen hatte die Stadt Düsseldorf für diese Woche bestellt, weil die Nachfrage so groß war. Nun bleiben die Patienten aus. In der kommenden Woche soll es neue Sprechstunden geben. Auch die ersten niedergelassenen Ärzte werden der Impfung überdrüssig.
Gerade einmal 426 Düsseldorfer haben sich gestern in der zentralen Impfstelle der Stadt gegen die Schweinegrippe immunisieren lassen – so wenige wie am Anfang der Kampagne. Entsprechend groß ist die Ratlosigkeit in der Impfstelle. Nur noch drei Ärzte sind vor Ort und auch sie nicht mehr ausgelastet.
Der einzig positive Effekt für Patienten: Sie müssen nicht mehr Schlange stehen. Zufrieden aber ist niemand mit dem Einbruch. Ratlos zucken die Verantwortlichen des Gesundheitsamtes mit den Schultern. Sie denken bereits über eine neue Logistik nach.
Ab Montag soll es geänderte Sprechstunden für die zentrale Impfstelle geben, die sich stärker an den Bedürfnissen der Bürger orientierten. Am Samstag soll die Sprechstunde sogar ausfallen.
Auch die Verteilung der Impfdosen wird neu diskutiert. "Wir werden eine Lösung finden, bei der keine Vorräte gehortet werden", erklärt Gesundheitsamts-Chef Heiko Schneitler zuversichtlich. Allen voran hatte er sich beim NRW-Gesundheitsministerium dafür eingesetzt, dass die Stadt mehr Impfstoff erhält, weil der Andrang bisher so groß war. 17.500 Dosen Pandemrix kamen daraufhin am vergangenen Donnerstag an. Wie bisher wurden sie zur Hälfte an die niedergelassenen Ärzte verteilt und zur Hälfte an die zentrale Impfstelle gegeben. Mehr als 6500 Dosen sind dort noch übrig, und morgen kommt bereits die nächste Lieferung.
"Ich glaube, dass die Leute Angst haben", sagt Schneitler. Es seien zu viele Bedenken geschürt worden. "Jeder kann erzählen, was er will und muss nichts belegen", kritisiert er. Gemeint sind unter anderem Mediziner in einigen Krankenhäusern der Stadt und manche Kinderärzte, die weiterhin vor der Impfung warnen. "Ich rate diesen Kollegen, dass sie ihre Staatsexamen noch einmal wiederholen", sagt Hausarzt Collin Blume, der die Kampagne seit Beginn als niedergelassener Arzt unterstützt.
Immer wieder kommen Patienten zu ihm in die Praxis, die mit anderen Ärzten gesprochen haben und nun auf Verdacht Tamiflu horten wollen. Die Einnahme der starken Arznei erscheint ihnen weniger riskant als der Impfstoff. Sie alle versucht Blume vom Gegenteil zu überzeugen.
Gerade erst kam eine Brustkrebspatienten zu ihm, deren Gynäkologe sowohl ihr als auch dem Partner von der Impfung abgeraten hatte. "Gerade für diese Patienten aber ist die Ansteckung gefährlich", sagt Blume. Ihr Immunsystem sei geschwächt, aber die Impfung deshalb nicht riskant. Ganz im Gegenteil würden diese Patienten eine weniger starke Immunreaktion zeigen.
Die Aufklärungsarbeit belastet die Impfärzte derzeit sehr. Zudem ist der Andrang in den meisten ihrer Praxen nach wie vor hoch. Blume will dennoch weitermachen, weil er es als seien Pflicht ansieht. "Viele Patienten rechnen den Einsatz hoch an", sagt er.
Blume weiß aber auch: "Alle Kollegen, die nicht impfen, sind sehr froh, dass sie sich dagegen entschieden haben." Manche andere geraten ins Grübeln. Hautarzt Andreas Brand sagt, er habe sich noch nicht entschieden, ob er weitermache. Bis zum Jahresende wolle er aber durchhalten.
Quelle: RP