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Goch
42 Tage Abenteuer auf der Seidenstraße

Goch: 42 Tage Abenteuer auf der Seidenstraße
Der Weezer Hans-Willi Holz erfüllte sich mit der 42-Tage-Abenteuer auf der Seidenstraße seinen großen Traum. FOTO: privat
Goch. Der Weezer Hans-Willi Holz erfüllte sich seinen Traum und fuhr die legendäre Route entlang. Es ging über 14 300 Kilometer. Er kehrte jetzt mit vielen Erlebnissen und neuen Eindrücken an den Niederrhein zurück. Von Monika Kriegel

Der Weezer Hans-Willi Holz erfüllte sich gemeinsam mit einem Wiener Freund Robert Schmidt seinen Lebenstraum. "Einmal die Seidenstraße entlang fahren. Von Wien aus bis Istanbul und dann nur bis Ulan Bator, weil wir uns die Strapazen in China ersparen wollten", erzählt der 62-Jährige. Ein Jahr dauerte allein die Vorbereitung: Visa für alle Länder beantragen, Fahrtrouten abstecken, geeignete Allradfahrzeuge kaufen, umrüsten, mit allerlei Ersatzteilen ausrüsten.

"14 300 Kilometer, also über Österreich, Slowenien, Kroatien, Serbien, Bulgarien, Türkei, Georgien, Aserbeidschan, Tukumenistan, Usbekistan, Tadschikistan, Krigistan, Kasachstan, Sibirien und Mongolei sind wir gefahren. Für mich haben diese Länder jetzt alle ein Gesicht", berichtet der Globetrotter. Anfangs habe man sich sogar noch teils Englisch verständigt. Weiter gen Osten seien Dolmetscher hinzugebucht worden, um die Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Kurios gestaltete sich die Durchfahrt anfangs in Aserbeidschan, wo ein Geländewagen ständig von Offiziellen "kassiert" wurde. Nach 180 Dollar "Lehrgeld" änderte die Gruppe die Taktik bei Kontrollen, indem stets alle ausstiegen und freundlich grüßten.

"Der Kontrast zwischen Arm und Reich auf der alten Handelsroute konnte extremer nicht sein. Wir haben am Straßenrand Frauen in der Gluthitze gesehen, die für wenige Cent Kirschen verkauften. Dann, in den Metropolen wie Tiflis und Baku ungeheuren Überfluss. Eine Fußgängerbrücke allein für 24 Millionen Dollar", so Holz. "May-Be-Fähre" haben wir das Schiff genannt, das uns über das Kaspische Meer nach in einen Hafen Turkmenistans brachte, wo wir tagelang vor Anker liegen mussten." Diese Verzögerung habe zur Folge gehabt, dass die Touristen nur einen Tag und 1100 Kilometer Strecke für das Land hatten, weil sonst ihre Visa abgelaufen wären.

Tadschikistan bleibt in Erinnerung mit dem Tunnel des Todes. "Fünf Kilometer Verkehrschaos, ohne Beleuchtung und Lüftung, voller Schlaglöcher und Fahrzeug an Fahrzeug", zollt dem Weezer dieses Stück Wegs heute noch Respekt. Die nächste Herausforderung folgte: Weiter landeinwärts hatte dann ein reißender Fluss die Fahrbahn unterspült. Da war Off-Road-Erfahrung gefragt. Neun Autoreifen blieben auf der Strecke. In Usbekistan dann gab es keinen Diesel zu kaufen. Der Gartenbautechniker: "Wir hatten auf jedem Fahrzeug zwei Ersatzkanister dabei, aber es reichte nicht." In Turkmenistan durfte die Blechkarawane von der vorgegebenen Route nicht abweichen. Die Ausreise aus Usbekistan zog sich viele Stunden hin, weil die Zöllner jeden Laptop auf pornografische Fotos kontrollierten.

"Da lernt man die freien Grenzen Europas zu schätzen", waren sich die Reisenden einig. Kontakt zur Familie in der Heimat hielten die Fahrer via Internet und Handy. "Davon hat jeder eins, egal welche Schicht und wie abgelegen", beobachtete der Weezer. So auch der Schamane Bayaraa, der die Gruppe durch die Mongolei führte.

Das Navigationsgerät zeigte längst keine Koordinaten mehr an, sondern nur noch die Himmelsrichtung, als die Kolonne abends bei Jurten mitten in der Steppe ankam. "Es war lausig kalt, wir hatten Hunger. Das Gesetz der Steppe besagt, dass alle Gäste aufgenommen werden", erinnert sich der 62-Jährige an die bedingungslose Gastfreundschaft. "In Windeseile wurde mit Kuhdung das Ofenfeuer entfacht und die Hausfrau knetete wie von Zauberhand einen Teig, dazu gab es Schafsfleisch."

"Wie strapaziös die Reise war, habe ich erst hinterher wahrgenommen, in Ulan Bator und auf dem Rückflug", spricht Heinz-Willi Holz über seine 42-tägige Auszeit. "Meine Erfahrung von der Tour: Die Ärmsten, denen ich begegnet bin, waren die freundlichsten. Wir sind mit vielen Menschen ins Gespräch gekommen, haben viel über Religionen, hingegen wenig über Politik diskutiert. Die Erlebnisse wirken immer noch nach. Ich habe noch viel nachzudenken. Meine Einstellung wird liberaler und ich bin zufriedener."

Die drei Fahrzeuge werden in Ulan Bator wieder fit gemacht für die Rückfahrt. "Dann aber die kurze Strecke durch Russland", schmiedet Heinz-Willi Holz die nächsten Pläne für eine weitere Reise.

Quelle: RP
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