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Borussia Mönchengladbach
Partygast oder Partycrasher in München?

Alle Meisterschafts-Entscheidungen seit 1963
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Mönchengladbach. Wenn einer feiert, muss der andere zuschauen – oder mitfeiern. Auf beides legt Borussia Mönchengladbach vor dem Gastspiel beim FC Bayern keinen gesteigerten Wert. Die Mannschaft von Trainer André Schubert will in München punkten. Von Jannik Sorgatz

Borussia Mönchengladbach darf folgenden Hinweis als gutes Omen werten, mindestens einen Punkt beim FC Bayern zu holen: Seit 2005 spielt der Rekordmeister in der Allianz-Arena, keinen seiner sechs Meistertitel hat er seitdem im neuen Stadion unter Dach und Fach gebracht. Zweimal passierte es in Berlin, je einmal in Kaiserslautern, Wolfsburg und Frankfurt, im vergangenen Jahr saßen die Bayern sonntags auf dem Sofa, als der VfL Wolfsburg vorentscheidend in Gladbach verlor.

In der Allianz-Arena jedoch war das Jahr 2010 das höchste der Gefühle, als die Bayern nach dem 3:1 gegen den VfL Bochum am 33. Spieltag drei Punkte und 17 Tore vor dem FC Schalke lagen. Das reichte für Feierstimmung, aber die Weißbiergläser blieben noch trocken. Für die Borussia geht es am Samstag also darum, ob sie zum vierten Mal in ihrer Bundesliga-Geschichte zum Partygast wird: 1981 holten die Bayern auf dem Bökelberg den Titel, 1986 im Olympiastadion blamierte sich der VfL mit einem 0:6, wodurch die Bayern noch an Werder Bremen vorbeizogen, und 2012 machte Borussia Dortmund im eigenen Stadion gegen Gladbach alles klar.

Borussias denkwürdigste Duelle mit dem FC Bayern FOTO: dpa

Es wäre auch ein Kompromiss möglich: Drei Punkte für Gladbach, Party für die Bayern, allerdings müsste in diesem Fall der BVB zu Hause gegen den VfL Wolfsburg verlieren. Das ist dann doch eine Gleichung mit zu vielen Unbekannten. Die Rolle des Feier-Verhinderers kennt Gladbach aus dem Jahr 1991, als die gesamte Pfalz dem Meistertitel des 1. FC Kaiserslautern entgegenfieberte, der aber gegen die Borussia am 33. Spieltag verlor und stattdessen erst eine Woche später beim 1. FC Köln jubeln durfte.

Mit dem Aufstieg des FC Ingolstadt ist die Ewige Tabelle auf 54 Mannschaften angewachsen, davon sind in 52 Spielzeiten insgesamt 22 mindestens einmal Partygast gewesen. Bochum hält den Rekord mit 34 Jahren ohne Meisterfeier, der MSV Duisburg und Hannover 96 folgen mit 28 Jahren.

  • Fünfmal Partygast (1): Hamburger SV
  • Dreimal Partygast (11): Bayern München, Borussia Mönchengladbach, Eintracht Braunschweig, Werder Bremen, Eintracht Frankfurt, Hertha BSC, 1. FC Kaiserslautern, 1. FC Nürnberg, Kickers Offenbach, Schalke 04, VfL Wolfsburg
  • Zweimal Partygast (2): VfB Stuttgart, FC St. Pauli, niemand (1989, 2015)
  • Einmal Partygast (8): 1860 München, Arminia Bielefeld, Borussia Dortmund, Energie Cottbus, Karlsruher SC, 1. FC Köln, Bayer Leverkusen, Bayer Uerdingen
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Der HSV hat in fünf verschiedenen Jahrzehnten fünf verschiedene Vereine zum Meister gemacht, einmal auch Gladbach. Der erste Titelgewinn der Borussia in der Bundesliga jährt sich am Samstag zum 46. Mal.

Selbst wenn die Borussia die Meisterschaft der Bayern nicht verhindert, kann sie danach immerhin noch behaupten, häufiger selbst eine Meisterfeier organisiert zu haben als auf einer zu Gast gewesen zu sein. Die in der Bundesliga notorisch titellosen Schalker reisten 1972 mit der Verlockung nach München, bei einem Sieg selbst Meister zu werden. Es gab eine 1:5-Klatsche, die Bayern blieben Erster.

Den Spieß umzudrehen und in München den Titel klarzumachen, das schafften bislang drei Vereine: 1968 der 1. FC Nürnberg, 2004 Werder Bremen und 1977 Borussia Mönchengladbach. Einen Punkt benötigte die Mannschaft von Trainer Udo Lattek noch im Olympiastadion, bis zur 90. Minute führte sie 2:1, dann unterlief Jürgen Wittkamp ein Eigentor. Es reichte, aber auf den ersten Sieg bei den Bayern musste Gladbach nach 18 weitere Jahre warten.

Falls Pep Guardiola und Co. noch eine Woche warten müssen, bis zum 33. Spieltag, was dem Audi-Sportpark in Ingolstadt im ersten Bundesliga-Jahr die erste Meisterfeier bescheren würde, dann wäre das zwar das erste Mal seit sechs Jahren, dass die Meisterschaft so spät entschieden wird. Aber es ist der wahrscheinlichere Fall, in zwei Drittel aller Saisons fällt die Entscheidung frühestens am vorletzten Spieltag. Die Bayern haben in dieser Hinsicht alle Superlative auf ihrer Seite: 2014 machten sie den Titel bereits am 27. Spieltag klar, 2001 erst in der 94. Minute des 34. Spieltags.

"Wir wollen uns nicht nur das schöne Stadion anschauen", hat André Schubert auf der Pressekonferenz am Donnerstag gesagt. 'Das, bis auf den Supercup 2012, noch titellose!', möchte man hinzufügen, denn 2012 verloren die Bayern in der Allianz-Arena schließlich das "Finale dahoam" in der Champions League. Das soll sich gegen Gladbach aus Sicht des Rekordmeisters nun ändern. Im eigenen Stadion durfte der zuletzt 2000 feiern, als Leverkusen in Unterhaching sein Waterloo erlebte.

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