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Hahn
Chinesen auf Einkaufstour in Europa

Hahn. Der Fußballverein Inter Mailand fällt genau wie der Flughafen Frankfurt-Hahn an Investoren aus der Volksrepublik.

Immer mehr europäische Fußballclubs geraten in chinesische Hände. Im bislang größten Coup sicherte sich der Elektronikhändler Suning Commerce nun die Mehrheit am italienischen Traditionsverein Inter Mailand. Suning zahlt für knapp 70 Prozent der Aktien rund 270 Millionen Euro, wie beide Seiten auf einer Pressekonferenz in der ostchinesischen Stadt Nanjing bekanntgaben.

Der Konzern, der teilweise dem Internethandelsriesen Alibaba gehört, verspricht sich durch den Deal Rückenwind für die Expansion im Ausland. "Das wird Suning dabei helfen, international zu wachsen", sagte Zhang Jindong, der dem Verwaltungsrat der Suning-Holding vorsitzt. Inter Mailand erhofft sich mehr Fans auf dem wichtigen asiatischen Markt. Der spanische Club Espanol Barcelona und Aston Villa aus England gehören bereits mehrheitlich Eignern aus der Volksrepublik. Minderheitsbeteiligungen halten chinesische Investoren an Manchester City und Atletico Madrid. Auch Inters Lokalrivale AC Mailand wird von Interessenten aus dem kommunistischen Land umworben.

Auch in anderen Branchen sind die Chinesen auf Einkaufstour: Der Baukonzern Shanghai Yiqian Trading nimmt den chronisch-defizitären Ryanair-Flughafen Frankfurt-Hahn unter seine Fittiche. Der neue Besitzer will den Airport mit 320 Mitarbeitern im strukturschwachen Hunsrück zum Drehkreuz für Passagiere aus China und für Luftfracht ausbauen. "Im Cargogeschäft erwarten wir mit dem Transport von Lebensmitteln nach Asien gute Geschäfte", sagte Yu Tao Chou, Manager des neuen Besitzers. Die chinesische Mittelschicht habe großen Appetit auf westliche Waren wie etwa Fleisch, doch könnten die Anbieter vor Ort mit der steigenden Nachfrage nicht mithalten. Gestärkt werden soll auch das stark schrumpfende Passagiergeschäft. Insbesondere Pauschalreisende aus Asien sollen nach Hahn gelockt werden. Wann der rund 120 Kilometer von Frankfurt entfernte Airport mit der Strategie schwarze Zahlen schreiben wird, wollte er nicht verraten.

Shanghai Yiqian Trading zählt zu den führenden Bauunternehmen Chinas. Für Freude sorgt der Investor in Rheinland-Pfalz: Das Bundesland kann vorläufig einen Schlussstrich unter das Subventionsprojekt ziehen. Für den Airport-Anteil von 82,5 Prozent erhält die Regierung in Mainz einen niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag.

(rtr)
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