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| 18.31 Uhr

Ancelotti soll Nachfolger werden
Zehn Gründe, warum Guardiola den FC Bayern verlässt

Fotos: Bayern feiern Weihnachten im Zirkus
Fotos: Bayern feiern Weihnachten im Zirkus FOTO: dpa, ah fdt
Düsseldorf. Die Entscheidung soll bereits gefallen sein, die Verkündung naht: Inzwischen deutet viel darauf hin, dass Pep Guardiolas Zeit als Trainer des FC Bayern im Sommer 2016 nach drei Jahren endet. Das sind die Gründe. Von Jannik Sorgatz

Das Symbolfoto-Motiv für den Aufruhr um seinen mutmaßlich bevorstehenden Abschied lieferte Guardiola am Mittwochabend selbst. Der Bayern-Coach sah sich eine Vorstellung im Circus Krone an, wo der FC Bayern Weihnachten feierte. Schirmherr war Ex-Präsident Uli Hoeneß, rund 3500 Flüchtlingskinder waren eingeladen. Doch nach dem 1:0 im DFB-Pokal gegen den SV Darmstadt, nach der Weihnachtsfeier und vor dem letzten Bundesligaspiel des Jahres bei Hannover 96 interessiert nur ein Thema: Geht Guardiola wirklich? Die "Marca" nennt in ihren Berichten über den Spanier und seinen möglichen Nachfolger Carlo Ancelotti keine Quellen. Wir haben zehn Gründe gesammelt, warum trotzdem alles auf einen Abschied hindeutet.

1. Nicht denselben Fehler wie in Barcelona machen

Drei Jahre sind in Guardiolas Trainerleben epochal. Der 44-Jährige ist nicht der einzige auf der Welt mit riesigem Aufwand und pedantischer Akribie. Man kann jedoch sagen, er schlaucht sich selbst. Sein viertes Jahr beim FC Barcelona, an dessen Ende er sich mit dem spanischen Pokal zufrieden geben musste, bezeichnete Guardiola in einer Biografie als seinen bis dato größten Fehler. Selbst beim FC Bayern wäre eine vierte Saison ungewöhnlich. Nur fünf von Guardiolas 19 Vorgängern seit dem Bundesliga-Aufstieg 1965 brachten so viele Spielzeiten am Stück zu Ende: Ottmar Hitzfeld (sechs), Udo Lattek (fünf, vier), Jupp Heynckes (vier) und Pal Csernai (vier).

2. Champions League ist so oder so ein Argument zu gehen

Was winkt Guardiola noch bis zum Sommer? Er könnte die historische vierte Meisterschaft in Folge mit dem FC Bayern gewinnen, doch im Zentrum der Zielsetzung steht die Champions League. Ein vorzeitiges Aus gegen alle Teams außer Real Madrid und den FC Barcelona würde als Enttäuschung eingeordnet. Scheitern die Bayern erneut an einem der beiden anderen Weltvereine, wäre es allerdings ähnlich bitter. Und wenn Guardiola die Champions League gewinnt? Wäre seine Mission ohnehin erfüllt.

Fotos: Die aktuellen Verträge der Bundesliga-Trainer FOTO: dpa, ms cmm sam lof

3. Die Insel ruft

Mitte Dezember führt Leicester City sensationell die Premier League an. Der Fast-Absteiger des Vorjahres benötigt also keinen Trainer, beim FC Arsenal überdauert Arsene Wenger jeden Misserfolg, und der FC Liverpool hat sich in Jürgen Klopp einen der wenigen "Supertrainer" geschnappt. Bleiben noch Manchester United, Manchester City und der FC Chelsea – so wie es aussieht, könnten alle drei Schwergewichte mittelfristig (also im Sommer) einen Trainer suchen. Obwohl sich Chelsea nun bereits von Jose Mourinho getrennt hat und Louis van Gaals United-Spieler gegen ihn meutern sollen, ist Manchester City wohl der Guardiola-Favorit. Dass deren profilloser Coach Manuel Pellegrini noch zweieinhalb Jahre Vertrag hat, ist – so moralisch fragwürdig das klingt – allenfalls eine formale Angelegenheit.

4. Neue Maßstäbe der Macht

Guardiola ist ein Machtmensch, allein über die Ausmaße dieses Wesenszuges herrscht im achten Jahr seiner Profitrainer-Laufbahn noch keine Einigkeit. In England ist der Gestaltungsspielraum der sogenannten Teammanager größer als der eines Bundesliga-Coaches. Bei Manchester City käme der Faktor Finanzen hinzu. Mit den Scheich-Milliarden aus den Vereinigten Arabischen Emiraten gäbe es weder bei Transfers noch beim Ausbau der Klub-Infrastruktur Grenzen für Guardiola. Ach ja, und Sportdirektor ist der Katalane Txiki Begiristain, Geschäftsführer Ferran Soriano ist ein weiterer Barca-Bekannter.

Das ist Pep Guardiola FOTO: dpa, Peter Kneffel

5. Das Geld steht nicht im Zentrum

Dass Guardiola sein Gehalt egal ist, wäre wohl als Aussage nicht haltbar. Ein Faktor bei der Beantwortung seiner Zukunftsfrage ist es aber auch nicht. Angeblich hat ihm der FC Bayern 20 Millionen Euro pro Jahr geboten, aber das ist nebensächlich. Auch wenn man berechtigterweise fragen kann, in was für einer Welt wir eigentlich leben: Sollte Guardiola in München noch mehr wollen, würde er es halt bekommen, und in England wären sie wohl bereit, jede Summe aufzurufen, die nur solange ins Reich der Fantasien gehört, bis sie wahr wird.

6. Coman und Costa sind nur kleine Faktoren

Dabei ist der FC Bayern Guardiolas Wünschen entgegengekommen wie wohl keinem seiner Trainer zuvor. Er hat es sogar geschafft, ein mögliches Zukunftsproblem zu lösen, bevor es eins werden konnte. Franck Ribéry ist 32 Jahre alt, Arjen Robben 31 – die Karriere der zwei Flügelflitzer und prägenden Figuren der Triplesieger-Epoche geht auf die Zielgerade. Michael Reschke, Bayerns Technischer Direktor, hat in Douglas Costa und Kingsley Coman bereits zwei Nachfolger gefunden, eine echte Meisterleistung. Aber mal ehrlich: Ein Argument für einen Verbleib Guardiolas wird das nicht sein.

7. Der Streit mit den Ärzten

Franck Ribérys Rückkehr nach mehr als achtmonatiger Verletzungspause geriet märchenhaft. In Mönchengladbach wurde er für 15 Minuten eingewechselt, erzielte sofort ein Tor – nur die Niederlage der Bayern erschien als Makel. Doch das Comeback nach nur zwei Trainingseinheiten mit der Mannschaft soll nach Angaben des "Kicker" einen weiteren Schatten werfen. Vier Tage später stand Ribéry in Zagreb sogar in der Startelf, musste aber verletzt raus. Ein Muskelbündelriss stoppt den Franzosen nun erneut wochenlang. Die medizinische Abteilung um Dr. Volker Braun soll Guardiola davor gewarnt haben, Ribéry zu früh wieder einzusetzen, der habe die Warnungen ignoriert. Deshalb soll es erneut zum Streit gekommen sein. Aufgrund einer ähnlichen Konstellation zog sich Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt im Frühjahr bereits entnervt zurück.

8. Hoeneß kehrt zurück

Noch mächtiger könnte Guardiola beim FC Bayern nur werden, wenn ihm auch weitreichende Befugnisse im Jugendbereich erteilt würden. Doch genau das soll, voraussichtlich schon im Frühjahr 2016, der Job von Ex-Präsident Uli Hoeneß nach dessen Haftentlassung werden. Fraglich bleibt, ob Guardiola jemals so mächtig geworden wäre beim Rekordmeister, wenn Hoeneß nicht ins Gefängnis gemusst hätte.

9. Logischer Nachfolger

Wenn ein Klub einen Trainer verliert, von dem Spieler sagen, er sei "der beste der Welt", dann bleibt als Nachfolger maximal der zweitbeste. Das Magazin "11 Freunde" widmete den "Supertrainern" in diesem Jahr eine Titelstory. Neben Klopp, Guardiola, Mourinho und dem Atletico-Coach Diego Simeone war Carlo Ancelotti dabei, der nach der Saison 2014/15 bei Real Madrid entlassen wurde. An dieser Stelle sei der ehemalige Bayern- und heute Real-Profi Toni Kroos aus der Wochenzeitung "Die Zeit" zitiert: "Er konnte die Erfolgsbedingungen am besten mixen: die taktische Idee, das Menschliche, was gerade bei Real Madrid nicht so einfach ist." In gewisser Weise ähneln sich Real und die Bayern in dieser Hinsicht. Wie passend, dass "Marca" berichtet, Ancelotti habe den Bayern "sein Wort gegeben" und werde für drei Jahre unterschreiben. Klingt realistisch.

10. Keine Nachrichten sind schlechte Nachrichten

Am Dienstag verabschiedete sich der FC Bayern mit einer Lasershow und Dankesplakaten von den eigenen Fans. Die Entscheidung in der Causa Guardiola soll nach dem letzten Auswärtsspiel in Hannover bekanntgegeben werden, dem Vernehmen nach per Pressemitteilung. Hand aufs Herz: Würde der FC Bayern eine schnöde Mitteilung herausgeben, wenn es ihm gelungen wäre, mit dem begehrtesten Trainer der Welt zu verlängern?

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