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Wimbledon
Kerber verteilt Höchststrafe an Witthöft: 6:0, 6:0

Fotos: Kerber demütigt Witthöft
Fotos: Kerber demütigt Witthöft FOTO: dpa, ed
London. Einen Tag nach ihrer Freundin Andrea Petkovic hat auch Angelique Kerber einen 6:0, 6:0-Erfolg gefeiert. Bei den Herren schaffte Dustin Brown den Einzug in die zweite Wimbledon-Runde. Mona Barthel dagegen verlor ein schon gewonnen geglaubtes Spiel in drei Sätzen.

Angelique Kerber hat ihrer norddeutschen Kollegin Carina Witthöft die Tennis-Höchststrafe verpasst und nach einer Demonstration der Stärke in Wimbledon die zweite Runde erreicht. "Ich habe gut gespielt, das gebe ich zu", sagte die Weltranglisten-Zehnte aus Kiel am Dienstag nach dem 6:0, 6:0 in nur 45 Minuten gegen die bedauernswerte Hamburgerin. Zum ersten Mal seit acht Jahren schickte Kerber wieder eine Gegnerin mit dem demütigendsten aller Ergebnisse vom Platz - was tags zuvor bereits ihrer Freundin Andrea Petkovic gelungen war. Im Kampf um den Einzug in die dritte Runde trifft die 27-Jährige am Donnerstag auf die Russin Anastasia Pawljutschenkowa.

Die Nummer 42 im Damen-Tennis verhinderte durch ihren 6:7 (3:7), 7:6 (7:4), 6:2-Erfolg gegen Mona Barthel ein weiteres deutsches Wimbledon-Duell. Die 24-Jährige aus Neumünster vergab im zweiten Satz beim Stand von 5:4 einen Matchball und schied als dritte Deutsche nach Witthöft und Annika Beck am Eröffnungstag aus.

Qualifikantin Laura Siegemund aus Metzingen schied als vierte von zehn deutschen Tennisspielerinnen in der ersten Runde aus. Die 27-Jährige verlor bei ihrem Grand-Slam-Debüt gegen die Russin Swetlana Kusnezowa 3:6, 4:6. Siegemund hatte sich nach zehn vergeblichen Anläufen erstmals für eines der vier Majors qualifiziert. Die Weltranglisten-128. studiert neben ihrer Tennis-Karriere Psychologie an der Fernuni Hagen und hat den A-Trainerschein als Jahrgangsbeste abgelegt.

Brown jetzt gegen Nadal

Bei den Herren erreichte Dustin Brown als dritter Deutscher nach Tommy Haas und Alexander Zverev die zweite Runde. Der 30 Jahre alte Qualifikant aus Winsen/Aller setzte sich gegen Lu Yen-Hsun aus Taiwan mit 3:6, 6:3, 7:5, 6:4 durch. Sein nächster Gegner ist der Spanier Rafael Nadal, den er im vergangenen Jahr in Halle besiegt hatte. Nadal setzte sich 6:4, 6:2, 6:4 gegen den Brasilianer Thomaz Bellucci durch.

"Das war damals das Spiel meines Lebens", sagte Brown, der ankündigte, erneut "Alles-oder-Nichts" zu spielen: "Ich will Spaß gegen ihn haben. Er ist ein großer Champion, aber auf Rasen habe ich die beste Chance gegen ihn."

Auch Roger Federer hat seine erste Hürde problemlos genommen. Der siebenmalige Titelträger gewann gegen den Bosnier Damir Dzumhur 6:1, 6:3, 6:3. Im vergangenen Jahr hatte Federer im All England Club im Finale gegen seinen serbischen Dauerrivalen Novak Djokovic in fünf Sätzen verloren. In der zweiten Runde trifft der 33-Jährige am Donnerstag auf den Amerikaner Sam Querrey oder Igor Sijsling aus den Niederlanden.

Mit mehr Mühe, aber ebenfalls ohne Satzverlust, gewann Mitfavorit Andy Murray sein Auftaktmatch. Der Schotte, der mit seinem Sieg 2013 die 77-jährige Durststrecke der Briten in Wimbledon beendet hatte, setzte sich gegen Michail Kukuschkin (Kasachstan) 6:4, 7:6 (7:3), 6:4 durch.

In der Damen-Konkurrenz feierte die Vorjahressiegerin Kvitova einen ungefährdeten 6:1, 6:0-Erfolg gegen die Niederländerin Kiki Bertens. Einen Tag nach ihren Auftaktsiegen im Einzel zogen Serena und Venus Williams in der Doppel-Konkurrenz zurück. Gründe für die Absage nannten die Organisatoren des Rasenturniers zunächst nicht.

Die Krise des kanadischen Tennis-Sternchens Eugenie Bouchard hält dagegen weiter an. Die Vorjahresfinalistin scheiterte bereits in der ersten Runde an der Weltranglisten-117. Duan Ying-Ying aus China. Bouchard unterlag 6:7 (3:7), 4:6 und kassierte ihre achte Auftaktpleite in diesem Jahr. Nach dem Viertelfinale bei den Australian Open in Melbourne kam die 21-Jährige nur noch in Indian Wells über die zweite Runde hinaus.

Bouchard, Juniorensiegerin in Wimbledon 2012, fällt nach dem Saisonhöhepunkt aus den Top 20 der Weltrangliste. Im Oktober des vergangenen Jahres stand sie noch auf Platz fünf. Beim Vorbereitungsturnier im südenglischen Eastbourne hatte Bouchard wegen einer Muskelverletzung aufgegeben.

Überraschend ausgeschieden ist auch die Weltranglistendritte Simona Halep. Die 23 Jahre alte Rumänin, im vergangenen Jahr noch Halbfinalistin im All England Club, verlor gegen die Slowakin Jana Cepelova, Nummer 106 im Ranking, 7:5, 4:6, 3:6. Schon bei den French Open in Paris war die dreimalige Turniersiegerin dieses Jahres ungewöhnlich früh in der zweiten Runde gescheitert.

Tatjana Maria steht zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder in der zweiten Runde. Die 27-Jährige aus Bad Saulgau setzte sich am Dienstag gegen die Serbin Bojana Jovanovski mit 7:6 (7:2), 7:5 durch. Nach 1:49 Stunden nutzte sie ihren neunten Matchball und zog als vierte deutsche Tennisspielerin in die zweite Runde ein. Dort trifft Maria auf Bouchard-Bezwingerin Duan Ying Ying.

"Angie spielt beeindruckend gut"

"Angie spielt beeindruckend gut. Es war eigentlich keine leichte Runde gegen Carina, die nichts zu verlieren hatte. Aber die Art und Weise, wie sie auftritt, zeigt, dass sie voller Selbstvertrauen ist", sagte Bundestrainerin Barbara Rittner. Vom Dach des Fernsehzentrums aus beobachtete die Fed-Cup-Chefin das überraschend einseitige Geschehen und erneuerte ihre Prognose für den weiteren Turnierverlauf. "Wenn sie den Kopf behält und gesundbleibt, ist sie eine Riesenfavoritin, in ihrer Hälfte durchzugehen", sagte Rittner.

Die Weltranglisten-Erste und Top-Favoritin Serena Williams befindet sich auf der anderen Seite des Tableaus – doch noch ist ein mögliches Duell mit der 20-maligen Grand-Slam-Championesse sehr, sehr weit entfernt. "Ich fühle mich sehr gut und spiele im Moment richtig gutes Tennis. Aber das war erst die erste Runde und weiter geht's", sagte die Halbfinalistin von 2012 und Viertelfinalistin des Vorjahres.

Im direkten Vergleich zwischen Kerber und Pawljutschenkowa steht es zwar 3:3, doch wenn die Norddeutsche auch nur annähernd so auftritt wie am bislang heißesten Tag des Jahres in England, kann es an einem weiteren Sieg keine Zweifel geben. Das letzte Aufeinandertreffen entschied sie im April im Fed-Cup-Halbfinale auf Sand in Sotschi 6:1, 6:0 für sich. "Das hat nichts zu bedeuten", betonte Kerber und sagte ihren Lieblingssatz: "Egal gegen wen ich spiele, ich muss zuerst auf mich schauen." Das klappte zuletzt so gut, dass sie in Birmingham ihren ersten Titel auf Rasen und den dritten in diesem Jahr feierte. Und für Wimbledon mittlerweile als ernstzunehmende Kandidatin gilt.

(dpa)
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