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Flüchtlingsdrama
Ein Tag in Europa

Fotos: Flucht zu Fuß von Budapest nach Österreich
Fotos: Flucht zu Fuß von Budapest nach Österreich FOTO: dpa, ase
Berlin. Das Flüchtlingsdrama ist das alles beherrschende Thema in Europa. Wir dokumentieren Nachrichten von nur einem einzigen Tag. Sie sind oft erschütternd, mitunter anrührend. Nachdenklich machen alle.

02.25 Uhr, Heppenheim In einer Flüchtlingsunterkunft im hessischen Heppenheim bricht ein Feuer aus. Wie die Polizei mitteilte, wohnen in dem vierstöckigen Gebäude etwa 65 Menschen. Es scheine, dass es bisher keine Schwerverletzten gebe, sagt ein Polizeisprecher. Die Löscharbeiten sind noch voll im Gange.

04.03 Uhr, Heppenheim Bei dem Brand in der Flüchtlingsunterkunft ist ein Bewohner nach Polizeiangaben schwer verletzt worden. Er habe sich bei einem Sprung aus dem zweiten Stockwerk ins Freie retten wollen. Weitere Menschen hätten leichte Rauchgasvergiftungen erlitten. Das Feuer sei rasch gelöscht worden. Die Brandursache ist zunächst nicht bekannt.

Fotos: Flüchtlinge fliehen aus Lagern in Röszke und Bicske FOTO: ap

05.11 Uhr, Berlin Zur besseren medizinischen Versorgung der vielen Flüchtlinge fordert der Verband der Kinder- und Jugendärzte dringend ein bundesweit einheitliches Vorgehen. Impfaktionen, Krankenversicherungskarten und sogenannte Laufzettel, auf denen Untersuchungen dokumentiert werden, gebe es bislang nur punktuell, sagte Verbandspräsident Wolfram Hartmann.

07.34 Uhr, München Zwei Wochen vor Beginn des Oktoberfests sorgt sich Innenminister Joachim Herrmann (CSU) angesichts der Flüchtlingszüge um die Sicherheit am Münchner Hauptbahnhof. Während der Wiesn herrsche dort ohnehin Ausnahmezustand, sagte er dem "Münchner Merkur". "Würde auf diese Situation auch noch ein so großer unerwarteter Zustrom von Flüchtlingen treffen wie am Dienstag, würde es eng."

Fotos: Flüchtlinge stranden am Bahnhof in Bicske FOTO: dpa, ase sh

07.54 Uhr, Düsseldorf Lesermail an die Chefredaktion der "Rheinischen Post": "Sehr geehrter Herr Bröcker, ich danke Ihnen und Ihrer Redaktion für den journalistischen Mut, das Foto Aylans zu veröffentlichen. Ihre Kommentierung und der nachfolgende Bericht trieben meiner Frau und mir Tränen in die Augen. Mit freundlichen Grüßen Reiner Gehrke, Mönchengladbach."

08.00 Uhr, Frankfurt/M. "Diese Zeitung hat sich dagegen entschieden, aus Achtung vor der Würde dieses jungen Menschen, die über seinen Tod hinausreicht", begründet FAZ-Herausgeber Berthold Kohler die Nichtveröffentlichung des Fotos des toten Jungen am Strand.

Flüchtlingskinder: "Ich muss nach Deutschland, um zu leben" FOTO: afp, ak-iw

08.09 Uhr, Arnsberg Die Bezirksregierung Arnsberg rechnet damit, dass allein in dieser Woche insgesamt 7000 Flüchtlinge nach NRW kommen. "Wie viele nächste Woche kommen, kann keiner genau wissen", sagte ein Sprecher. Weil die Zahl unkalkulierbar sei, gehöre es momentan zum Tagesgeschäft, neue Notunterkünfte einzurichten. Insgesamt gibt es zurzeit 120 Notunterkünfte des Landes.

08.47 Uhr, Köln Eine klare Mehrheit der Bundesbürger ist dafür, dass Deutschland weiterhin mindestens genauso viele Flüchtlinge aufnimmt wie derzeit. Dass die Aufnahmezahl in etwa gleich bleiben sollte, finden 37 Prozent, wie eine in Köln veröffentlichte ARD-Umfrage ergibt. Gut jeder fünfte Befragte (22 Prozent) meint, dass Deutschland mehr Flüchtlinge aufnehmen sollte, jeder Dritte (33 Prozent) wünscht sich dagegen die Ankunft von weniger Flüchtlingen.

08.55 Uhr, Berlin Die Hetze gegen Flüchtlinge führt nach Beobachtungen des Verfassungsschutzes zu einer Radikalisierung der rechtsextremistischen Szene. Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, sagt dem Berliner "Tagesspiegel", die rechtsextreme Szene schrumpfe zwar insgesamt. Zugleich nehme aber der Anteil der gewaltorientierten Rechtsextremisten zu, zuletzt auf etwa 50 Prozent. In einer derart aufgeheizten Stimmung sei nicht auszuschließen, "dass sich Gruppen bilden, die dazu bereit sind, rechtsterroristische Anschläge zu verüben", so der Verfassungsschutzpräsident.

09.00 Uhr, Dormagen Die Stadt Dormagen gibt bekannt, dass sie sich beim Land als zentrale Aufnahmestelle bewerben will, nachdem der Hauptausschuss am Donnerstag Abend einstimmig dafür gestimmt hat. Dafür will die Stadt ein landeseigenes, 3,6 Hektar großes Areal kaufen und dort eine Unterkunft für bis zu 800 Flüchtlinge errichten. Nach Angaben der Stadt kostet die vorhandene Notunterkunft, die die Stadt auf die Schnelle einrichten musste, zurzeit 800.000 Euro. Die Politik spricht sich zwar für eine dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen aus, die sei aber nicht finanzierbar und personell nicht machbar.

09.04 Uhr, Budapest Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban hat erneut vor den Folgen eines wachsenden Flüchtlingszustroms nach Europa gewarnt. "Und ganz plötzlich sind wir eine Minderheit auf unserem eigenen Kontinent", sagt Orban in einem Rundfunkinterview. Europa müsse beim Schutz seiner Grenzen Härte demonstrieren. "Derzeit sprechen wir über Hunderttausende Flüchtlinge, aber nächstes Jahr werden wir schon über Millionen sprechen, und es wird kein Ende geben."

09.10 Uhr, Wien Laut österreichischer Polizei verkehren weiterhin keine Fernzüge von Budapest nach Wien. Auf alternativen Routen seien am Donnerstag bis zum späten Abend rund 200 Flüchtlinge an den beiden größten Wiener Bahnhöfen angekommen, sagt ein Sprecher der Polizei Wien. Ein Großteil der Flüchtlinge befinde sich bereits auf der Weiterreise Richtung Westen.

09.21 Uhr, New York Die EU muss ihre Haltung in der Flüchtlingskrise nach Einschätzung des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR grundlegend ändern. Es müsse mehr Flüchtlingen eine legale Einreise erlaubt werden, sagt UN-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres. Die derzeitige Uneinigkeit unter den EU-Staaten spiele nur Schleusern und Schlepperbanden in die Hände.

09.29 Uhr, Genf Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, António Guterres, hat an die EU appelliert, sich auf die Verteilung von bis zu 200.000 Flüchtlingen auf die Mitgliedstaaten nach verbindlichen Quoten zu einigen. Zugleich müssten ausreichende Erstaufnahmezentren geschaffen werden. Dabei brauche insbesondere Griechenland Hilfe.

09.53 Uhr, Berlin Beim Treffen der Koalitionsspitzen von CDU, CSU und SPD am Sonntagabend im Kanzleramt wird es nach SPD-Angaben ausschließlich, um Flüchtlinge gehen. "Am Sonntag werden wir weder über das Betreuungsgeld noch über ein Einwanderungsgesetz verhandeln", sagt Fraktionschef Thomas Oppermann.

09.59 Uhr, Mainz Die SPD im Bundestag ist offen für eine Änderung des Grundgesetzes zur schnelleren Unterbringung von Flüchtlingen. "Wenn wir 100 000 zusätzliche Plätze in der Erstaufnahme in kurzer Zeit schaffen wollen, dann brauchen wir mindestens für einen befristeten Zeitraum eine Abweichung von den komplizierten Standards im Baurecht, im Umweltrecht, im Vergaberecht", sagt SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann.

11.03 Uhr, Berlin Als Reaktion auf die steigende Flüchtlingszahl wollen die Bundesländer zum Schulbeginn insgesamt mehr als 3100 zusätzliche Deutschlehrer beschäftigen. Die Stellen seien ausgeschrieben und größtenteils schon besetzt, ergibt eine Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters bei den Kultusministerien.

11.21 Uhr, Hamburg Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) pocht auf die bundesweite Einführung der Gesundheitskarte für Flüchtlinge. "Zur Gesundheitskarte gibt es die klare Zusage der Bundeskanzlerin, dass dafür die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden", sagt Kretschmann Spiegel-Online.

11.45 Uhr, Berlin Deutschland und Frankreich drängen die EU-Kommission, mit den Herkunfts- und Transitländern Rückführungsabkommen zu vereinbaren. In Niger und anderen Staaten sollten Zentren eingerichtet werden, in denen auch entschieden werden könne, wer etwa als Bürgerkriegsflüchtling in der EU aufgenommen werden könne, sagt Regierungssprecher Steffen Seibert.

11.47 Uhr, Kobane Der auf der Flucht nach Europa ertrunkene dreijährige Aylan ist in seiner nordsyrischen Heimatstadt Kobane beigesetzt worden. Auch sein ebenfalls ums Leben gekommener Bruder und seine Mutter seien bestattet worden, erklärte Kurden-Sprecher Idriss Nassan. Vater Abdullah Kurdi sagte: "Ich hoffe, dass meine Geschichte die Menschen dazu bringt, den Flüchtlingen mehr zu helfen." Der leblose Körper von Aylan war an einem Strand im türkischen Bodrum angespült worden.

11.50 Uhr, Neuss Die Stadt gibt bekannt, dass die Zentrale Unterbringungseinrichtung des Landes Nordrhein-Westfalen im ehemaligen Alexianer-Krankenhaus in Neuss in den vergangenen drei Wochen ihre Plätze von 500 auf 1000 verdoppelt hat. Nächste Woche sollen weitere 150 hinzukommen. Dazu werden zurzeit nicht mehr genutzte Gebäude auf dem Krankenhausgelände hergerichtet. Erste Containerbauten sollen Ende Oktober in Betrieb gehen - sofern die Container rechtzeitig da sind. Die Lieferzeit beträgt laut Sozialdezernent Stefan Hahn mittlerweile sieben bis acht Monate. Die Container wurden im Frühjahr bestellt, als sich abzeichnete, dass viele Flüchtlinge kommen.

11.54 Uhr, Lissabon Der britische Premierminister David Cameron kündigt an, "Tausende weitere" Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen. Sein Land habe bisher etwa 5000 Bürgern aus dem Land im Rahmen von bestehenden Programmen Zuflucht gewährt, sagt Cameron bei einem Besuch in Lissabon. Großbritannien steht europaweit in der Kritik, weil es vergleichsweise wenige Flüchtlinge aufnimmt. So sind nach Deutschland allein in den vergangenen Monaten Zehntausende Syrer gekommen.

11.59 Uhr, Genf Die Zahl der Flüchtlinge, die über den Balkan nach Mitteleuropa fliehen, ist auf einen Rekordstand gestiegen. An der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien seien am Donnerstag 5600 Asylsuchende registriert worden, sagt eine Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR. Dies sei nach ihrer Kenntnis die bislang höchste Zahl an einem Tag und nahezu doppelt so viel wie vor einer Woche.

12.06 Uhr, Heppenheim Nach dem Brand in der Flüchtlingsunterkunft kann ein technischer Defekt den Ermittlern zufolge ausgeschlossen werden. Ob das Feuer vorsätzlich gelegt oder durch Fahrlässigkeit ausgelöst wurde, wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft Darmstadt noch ermittelt.

12.13 Uhr, Rom Der italienische Außenminister Paolo Gentiloni fordert eine Überarbeitung der EU-Asylregeln. Wenn man das sogenannte Dublin-Abkommen nicht ändere, müsse man über das Schengen-Abkommen für die Personenfreizügigkeit in der Union neu verhandeln, sagt er. "Das wäre eine Niederlage für die europäische Politik."

12.23 Uhr, Budapest Ungarn durchsucht Züge Richtung Westgrenze, um Flüchtlinge an der Weiterreise zu hindern. In der Stadt Bicske - knapp 40 Kilometer westlich von Budapest - verbrachten etwa 500 protestierende Flüchtlinge die Nacht in einem Zug. Sie wehren sich seit Donnerstagmittag gegen ihren geplanten Transport in ein Flüchtlingslager.

12.23 Uhr, Kos Dutzende Bewohner der griechischen Insel Kos haben den stellvertretenden EU-Kommissionspräsidenten Frans Timmermans und den für Migration zuständigen EU-Kommissar Dimitris Avramopoulos beschimpft. "Verräter! Raus Verräter! Ihr habt unsere Insel zerstört", rufen die Versammelten den beiden zu. Tausende Flüchtlinge versuchen, über Kos nach Westeuropa zu gelangen.

12.41 Uhr, Rostock Das durch ihre Tränen während einer Diskussion mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Juli weithin bekanntgewordene Palästinensermädchen Reem hat gute Chancen auf eine gesicherte Existenz in Deutschland. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, haben das 14-jährige Mädchen und ihr Vater zunächst eine bis März 2016 befristete Aufenthaltserlaubnis erhalten.

12.54 Uhr, Remscheid In einem Brief an die Stadt Remscheid entschuldigt sich die Bezirksregierung Arnsberg "ausdrücklich" für die kurzfristige Verlegung von Asylbewerbern. Dieser Schritt sei "unvermeidlich" gewesen, weil die Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes überlastet seien. Damit reagiert die Behörde auf massive Proteste aus Remscheid. Am Donnerstagnachmittag gegen 16 Uhr hatte die Stadt den Auftrag bekommen, die 150 Flüchtlinge aus der Notunterkunft in einer leerstehenden Schule im Stadtteil Lennep umgehend in Busse zu setzen und zu vier Unterbringungseinrichtungen in Hemer, Kerken, Straelen und Rüthen zu bringen.

13.03 Uhr, Röszke Etwa 300 Flüchtlinge fliehen aus dem Erst-Registrierungslager Röszke an der ungarisch-serbischen Grenze. Sie sind unzufrieden mit den langen Wartezeiten in der eingezäunten Einrichtung. Sie hätten den ungarischen Behörden ein Ultimatum von zwei Stunden zur Erfüllung ihrer Forderungen gestellt. Andernfalls wollten sie weitere Flüchtlinge zum Verlassen des Lagers auffordern.

13.31 Uhr, München Die Deutschen sind in ihrer Einschätzung gespalten, was die Auswirkungen des derzeitigen Flüchtlingsandrangs auf den hiesigen Arbeitsmarkt angeht. 50 Prozent glauben, der Fachkräftemangel in Deutschland werde sich dadurch nicht verringern, wie eine im Auftrag des Münchner Magazins "Focus" von Emnid durchgeführte Erhebung ergeben hat.

13.34 Uhr, Berlin Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD) will jährlich 20 000 Arbeitssuchenden aus dem Westbalkan eine Tätigkeit oder Ausbildung in Deutschland erlauben. "Das wäre eine Möglichkeit, den Kreislauf von Einreise und Abschiebung zu durchbrechen", sagt sie dem "Spiegel".

13.34 Uhr, Brandenburg/Havel Der Deutsche Städtetag fordert einen raschen Ausbau der Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge. Die Zahl solcher Plätze in winterfesten Quartieren müsse bundesweit dringend auf 150 000 erhöht werden, sagt Hauptgeschäftsführer Stephan Articus nach einer Konferenz der ostdeutschen Oberbürgermeister in Brandenburg/Havel. Zudem müssten die Flüchtlinge dort künftig bis zu einem halben Jahr statt bisher nur drei Monate lang bleiben können.

13.36 Uhr, Frankfurt/M., Arbeitgeber-Präsident Ingo Kramer spricht sich dafür aus, Flüchtlinge möglichst schnell in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren. Da Deutschland in den nächsten 20 Jahren viel mehr Arbeitskräfte benötige, als es selbst hervorbringen könne, müsse diese Lücke durch Fachkräfte aus dem Ausland und auch durch Flüchtlinge geschlossen werden.

14.02, Brüssel Mit einer Soforthilfe von 33 Millionen Euro will die EU-Kommission Athen bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise auf den griechischen Inseln unterstützen. "Menschen in Kos und Menschen in Griechenland brauchen unserer Solidarität. Kos kann das nicht alleine schaffen", sagt EU-Kommissions-Vizepräsident Frans Timmermans.

14.03 Uhr, Krefeld Die Stadt Krefeld teilt mit, dass die Belegung der Koerver-Turnhalle mit Flüchtlingen begonnen hat. Es sollen dort nur Familien untergebracht werden - und nicht allein reisende Männer. Vorbereitet werde auch die Belegung der Turnhalle Lübecker Weg. Wann dort Flüchtlinge kommen, weiß die Stadt noch nicht. In dieser Woche kamen in Krefeld 96 Flüchtlinge an.

14.06 Uhr, Eisenstadt Die 71 toten Flüchtlinge, die vergangene Woche in einem Lastwagen in Österreich entdeckt wurden, sind nach ersten Ermittlungsergebnissen bereits in Ungarn gestorben. "Wir gehen davon aus, dass der Erstickungstod innerhalb kürzester Zeit eingetreten ist", sagt Landespolizeichef Hans Peter Doskozil im österreichischen Eisenstadt. Nach bisherigen Erkenntnissen fuhr der Kühllastwagen am Mittwoch vergangener Woche südlich von Budapest los. Er sei luftdicht verschlossen gewesen, auch die Kühlung sei nicht angeschlossen worden. Die 59 Männer, 8 Frauen und 4 Kinder waren laut Doskozil innerhalb von etwa anderthalb Stunden tot. Bei einem ähnlichen Fall seien 81 Personen in einem baugleichen Fahrzeug nach Österreich gebracht und hinter der Grenze ausgesetzt worden. Doskozil sprach von einer "beinahe lebensbedrohlichen Situation". Es sei den Flüchtlingen jedoch gelungen, während der Fahrt mit einem Brecheisen zweimal die Seitentür zu öffnen und damit wohl ihr Leben zu retten.

14.09 Uhr, Luxemburg Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) fordert angesichts der Flüchtlingskrise erneut die Solidarität aller Länder der Europäischen Union. Europa müsse "in einen anderen Modus der Zusammenarbeit kommen", verlangt Steinmeier zum Auftakt eines Treffens der 28 EU-Außenminister in Luxemburg.

14.26 Uhr, London Der Vorsitzende der rechtspopulistischen britischen Ukip, Nigel Farange, wirft Bundeskanzlerin Angela Merkel das Anheizen der Flüchtlingskrise vor. Mit ihrer Ankündigung, Deutschland werde mehr Asylsuchende aufnehmen, habe sie mehr Menschen dazu animiert, sich auf den lebensgefährlichen Weg nach Europa zu machen.

14.26 Uhr, Berlin Prominente deutsche Musiker rufen zum Engagement gegen rechtsextreme Angriffe auf Flüchtlinge auf. Unter dem Titel "Zeit zum Handeln" erscheint ihr Aufruf auch im Internet. Er wird von über 20 deutschen Bands unterstützt, darunter Die Ärzte, Die Toten Hosen, Sportfreunde Stiller, Tocotronic, Beatsteaks, Deichkind, Jan Delay, Fettes Brot, Madsen, Marteria, Antilopen Gang.

14.49 Uhr, Johannesburg Die südafrikanische Regierung plant, 2000 angolanische Flüchtlinge abzuschieben. Ihr Flüchtlingsstatus wurde bereits aufgehoben, wie die Zeitung "Times Live" berichtet. Zudem werde der Status von Menschen aus Liberia, Ruanda und Sierra Leone überprüft, sagt ein Sprecher des südafrikanischen Innenministeriums laut dem Bericht. Nach den Richtlinien der Vereinten Nationen seien alle vier Länder sichere Herkunftsstaaten. Insgesamt leben etwa 230.000 Asylsuchende in Südafrika.

15.00 Uhr, Berlin Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer fordert eine schnelle Integration von Flüchtlingen in den deutschen Arbeitsmarkt. Man müsse dafür sorgen, "dass Asylbewerber nicht viele Monate vom Arbeitsmarkt ferngehalten werden", sagt Kramer der "Süddeutschen Zeitung". Er fordert Deutschkurse vom ersten Tag an und ein Bleiberecht für junge Menschen in Ausbildung. Die steigenden Flüchtlingszahlen wertet Kramer als Chance für den deutschen Arbeitsmarkt. Die Hauptgeschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbandes, Ingrid Hartges, verlangt im Magazin "Focus", den Beruf des Kochs in die Liste der Mangelberufe aufzunehmen. Auch der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, sieht auf dem deutschen Arbeitsmarkt viele Jobchancen für Flüchtlinge und fordert ein Gesetz mit klaren Regeln für qualifizierte Zuwanderung. Der "Bild" sagt er: "Wer gut Deutsch spricht und qualifiziert ist, wird schnell eine Stelle finden."

15.01 Uhr, Prag Tschechien und die Slowakei können sich nach Angaben ihrer Innenminister vorstellen, einen Bahnkorridor für Flüchtlinge von Ungarn nach Deutschland einzurichten. Dies könne geschehen, wenn sich die Regierungen in Budapest und Berlin einig seien.

15.11 Uhr, Bonn Die Hilfsorganisation Care fordert, intensiver an einer Lösung des Syrien-Konflikts zu arbeiten: "Die Regierungen müssen Druck auf die Konfliktparteien ausüben. Wir müssen dringend wieder über Frieden sprechen", sagt Karl-Otto Zentel, Generalsekretär von Care Deutschland-Luxemburg, in Bonn. "Der Syrien-Konflikt geht uns nicht erst etwas an, seit die Not in unserer unmittelbaren Nachbarschaft angekommen ist." Care fordert, die Nachbarländer Syriens stärker zu unterstützen. Diese hätten seit Beginn des Konflikts mehr als vier Millionen Menschen aufgenommen, europäische Länder hingegen nur rund sechs Prozent der Flüchtlinge. In den vergangenen Tagen hatte das Bild der Leiche eines toten syrischen Jungen an einem türkischen Strand weltweit Empörung ausgelöst. "Der Schock muss in konkrete politische Maßnahmen umgewandelt werden, sonst wird die Empörung irgendwann unglaubwürdig", so Zettel.

15.13 Uhr, Berlin/Brüssel In einem Brief an die EU-Institutionen dringen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Präsident François Hollande auf eine europäische Lösung der Flüchtlingskrise. Es müssten nun alle zusammenstehen in Europa, sagt Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Nach seinen Angaben fordern Merkel und Hollande die Einrichtung sogenannter Hotspots in Griechenland und Italien, in denen Flüchtlinge registriert und dann weiterverteilt oder bei negativem Asylentscheid wieder zurückgeschickt werden. Zudem sprechen sie sich für "Multifunktionszentren" in Herkunfts- und Transitländern von Flüchtlingen aus, in denen unter anderem Informationen über das Asylrecht gegeben werden sollen.

15.15 Uhr, Athen Auf der griechischen Insel Lesbos gehen Flüchtlinge und die Polizei aufeinander los. Rund 200 noch nicht registrierte Migranten hätten im Hafen versucht, auf eine Fähre zu kommen, sagt ein Sprecher der Küstenwache. Sie seien von der Polizei und der Küstenwache zurückgedrängt worden. Auf Fernsehbildern sind Flüchtlinge zu sehen, die Steine auf die Polizisten werfen. Diese setzten Tränengas ein. Über griechische Inseln kommen derzeit Tausende Flüchtlinge aus der Türkei, von denen die meisten dann über die sogenannte Balkanroute nach Deutschland und Schweden weiterreisen. Anders als auf der Insel Kos war die Lage auf Lesbos bisher aber ruhig geblieben.

15.16 Uhr, München Am Münchner Hauptbahnhof ist die Zahl der ankommenden Flüchtlinge stark gesunken. "Derzeit kommen nur noch 50 bis 80 Flüchtlinge mit jedem Zug in München an", sagt Simone Hilgers, Sprecherin der Bezirksregierung von Oberbayern. Auch die Polizei erwartet nicht, dass an diesem Wochenende viele Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof ankommen."Allerdings können wir keine Prognose für das Wochenende abgeben", so ein Polizeisprecher. Die Polizei habe daher ihre Einsatzkräfte am Bahnhof verstärkt.

15.18 Uhr, Budapest In Ungarn gilt illegaler Grenzübertritt vom 15. September an nicht mehr nur als Ordnungswidrigkeit, sondern als Straftat. Das beschließt das Parlament in Budapest im Eilverfahren. Schlepper sollen mit bis zu 20 Jahren Haft bestraft werden. Das insgesamt zehnteilige Gesetzespaket zur Verhinderung der illegalen Einwanderung beinhaltet unter anderem auch die Einrichtung von Transitzonen für Flüchtlinge direkt an der Grenze. Sie sollen zur serbischen Seite hin offen sein und auf der ungarischen Seite geschlossen. Die Transitzonen sind als größere Flächen geplant, auf denen sich Flüchtlinge bis zum Ende ihres Asylverfahrens aufhalten dürfen.

15.31 Uhr, ungarisch-österreichische Grenze An einer ungarischen Autobahn durchbrechen Flüchtlinge einem Augenzeugen zufolge eine Absperrung der Polizei. Danach laufen sie weiter in Richtung Österreich.

15.32 Uhr, Straßburg Europarats-Menschenrechtskommissar Nils Muiznieks kritisiert Ungarns Position in der Flüchtlingskrise. "Ungarn hat wie alle europäischen Staaten die Pflicht, Hilfsbedürftigen Schutz zu geben - unabhängig von deren Religion oder anderen persönlichen Eigenschaften", erklärt Muiznieks in Straßburg. Die jüngsten Gesetzesinitiativen zielten darauf ab, Einwanderung zu verhindern.

15.39 Uhr, vor der Küste Libyens Vor der Küste Libyens werden nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration 30 bis 40 Flüchtlinge vermisst. In ihrem Schlauchboot hätten sich insgesamt bis zu 140 Menschen befunden. Die Vermissten stammen demnach vor allem aus Somalia.

15.41 Uhr, Bochum Vizekanzler Sigmar Gabriel will den EU-Mitgliedern den Geldhahn zudrehen, die sich gegen die Aufnahme von Flüchtlingen sperren. "Ich finde, dass der österreichische Bundeskanzler Faymann absolut recht hat, wenn er sagt, wenn es hier nicht zu einer gemeinsamen Flüchtlingspolitik kommt, dann gibt es auch kein Geld mehr", sagt Gabriel in Bochum. Österreichs Regierungschef Werner Faymann hatte erklärt, denjenigen Ländern, die Flüchtlingshilfen verweigerten, könnten die EU-Förderungen entzogen werden.

15.49 Uhr, Hamburg Fußball-Zweitligist FC St. Pauli lädt rund 1000 nach Deutschland geflüchtete Menschen zum Testspiel gegen Bundesliga-Tabellenführer Borussia Dortmund ein. Die Partie am Dienstag stehe unter dem Motto "Refugees Welcome", teilt der Verein mit. Die Kiezkicker möchten so "ein sichtbares Zeichen setzen", heißt es. Vor der Partie sind Anwohner und Fans eingeladen, Flüchtlinge kennenzulernen. Auch die Einlaufkinder kommen allesamt aus einer Erstaufnahmeeinrichtung in der Hamburger Messehalle.

15.55 Uhr, Berlin Die Grünen im Bundestag äußern scharfe Kritik an der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung und insbesondere an Innenminister Thomas de Maiziére (CDU). Was die große Koalition bisher gezeigt habe, sei ein "kompletter Totalausfall", sagt die Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt nach einer Klausur des Fraktionsvorstands. "Große Enttäuschung" gebe es vor allem über den Innenminister. Er habe einen "gigantischen Stau" beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zu verantworten, wo 250.000 Asylanträge unbearbeitet seien.

15.59 Uhr, Budapest In Budapest wird bekannt, dass Ungarn allein in diesem Jahr bereits mehr als 150.000 Asylanträge (Stand 31. August) registriert hat. Im Jahr 2004, als Ungarn der Europäischen Union beitrat, waren es weniger als 100. Seit Wochen kommen täglich mehr als tausend weitere Flüchtlinge, vor allem über das Nachbarland Serbien. Viele wollen sich gar nicht erst registrieren lassen, weil sie auf die Weiterreise in den Westen hoffen.

16 Uhr, Duisburg Die Stadt Duisburg plant in Walsum eine weitere Unterkunft für Flüchtlinge zu errichten. In einer ehemaligen Schule und der dort angrenzenden Turnhalle sollen etwa 160 neue Plätze geschaffen werden. Detaillierte Informationen dazu will Oberbürgermeister Sören Link (SPD) am kommenden Mittwoch in der Stadthalle bekanntgeben. Erst am Donnerstag hatten 200 Flüchtlinge eine Zeltstadt in Walsum bezogen. Viele weitere Asylbewerberheime auf Duisburger Stadtgebiet sind bereits in der Planung.

16.04 Uhr, Bicske Nach Angaben der ungarischen Polizei sind die meisten der 300 Migranten, die aus dem Aufnahmelager in Röszke ausgebrochen waren, wieder eingefangen.

16.07 Uhr, Bicske In der Nähe des Flüchtlingslagers im ungarischen Bicske, knapp 40 Kilometer westlich von Budapest, fliehen weitere 64 Migranten aus dem Polizeigewahrsam. Sie waren gerade per Bus zu dem Lager gebracht worden, nachdem sie in Budapest als Asylsuchende registriert worden waren, wie die Einwanderungsbehörde mitteilt. Als sie aus dem Bus stiegen und das Lagertor sahen, seien die Menschen weggelaufen. Zugleich weigerten sich am Bahnhof Bicske weiter 500 Flüchtlinge, in das Lager zu fahren. Sie waren am Donnerstagmittag in einem Zug auf ihrem Weg nach Westen gestoppt worden.

16.12 Uhr, Berlin Angesichts der Flüchtlingskrise wird in der SPD der Ruf nach Steuererhöhungen laut. "Wir müssen eine langfristige Finanzierung für die Flüchtlingsausgaben finden, deshalb ist es sinnvoll, dafür Steuern zu erhöhen", sagt Juso-Chefin Johanna Uekermann den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Menschen mit hohem Einkommen sollten zugleich mehr Steuern zahlen: "Dabei müssen die, die mehr haben, auch mehr schultern", fordert die SPD-Politikerin. Die Ausgaben für Flüchtlinge würden nicht von einem Jahr auf das andere wieder entfallen. Um diese zu finanzieren, müsse der Bund den Kommunen dauerhaft und unbürokratisch helfen, erklärt Uekermann weiter. Das für die Flüchtlinge benötigte Geld dürfe nicht an einer anderen Stelle abgezogen werden.

16.43 Uhr, Leipzig Fußball-Zweitligist RasenBallsport Leipzig lädt Flüchtlinge aus allen Leipziger Unterkünften zum Heimspiel gegen den SC Paderborn ein. Der Club unterstütze die Aktion, die von Fans des Vereins ausgegangen war, teilt RB am Freitag auf Twitter mit. Die Fans könnten die Flüchtlinge als Paten ins Stadion begleiten.

17.00 Uhr, Luxemburg "Das ist die schwierigste Krise der Europäischen Union seit 50 Jahren", sagt der deutsche Europaabgeordnete Elmar Brok (CDU). "Die Probleme mit Griechenland waren dagegen Peanuts."

17.31 Uhr, Bicske Amnesty International bestätigt auf Twitter den Tod eines 50-jährigen Pakistani, der auf der Flucht aus dem Flüchtlingscamp im ungarischen Bicske auf Zugschienen gefallen und gestorben ist. Unter dem Hashtag #MigrantMarch diskutieren die Nutzer über die Ereignisse.

17.36 Uhr, Prag Die östlichen Länder Polen, Tschechien, die Slowakei und Ungarn sprechen sich gemeinsam gegen verbindliche Quoten für die Aufnahme von Flüchtlingen aus. "Wir bestehen auf Freiwilligkeit", sagt der tschechische Ministerpräsident Bohuslav Sobotka zum Abschluss eines Sondergipfels in Prag. Die Regierungschefs weisen damit die jüngste deutsch-französische Initiative für eine gerechtere Verteilung der Schutzsuchenden zurück.

18.00 Uhr, Prag Der tschechische Innenminister Milan Chovanec schlägt vor, syrische Flüchtlinge mit Sonderzügen aus Ungarn nach Deutschland zu bringen. "Wir würden die Züge durchfahren lassen, ohne die Personalien der Migranten zu kontrollieren."

Dokumentation: Sebastian Bergmann und Martin Bewerunge

Quelle: RP
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